Bericht

20. Januar 2012

Augen auf beim Einkauf: Von Fleisch aus tiergerechter Haltung profitieren Verbraucher, Landwirte und Tiere

Tipps rund um den Fleischgenuss von EKHN-Landwirtschaftsexpertin Maren Heincke anlässlich des Startes der Grünen Woche



Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung
Ländlicher Raum

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Rinder, die genüsslich das Gras auf einer riesigen Weide zupfen, Schweine, die sich wohlig im Matsch wälzen können und Hähne, die hocherhobenen Hauptes den Hof abschreiten – ein solches Leben wünschen sich viele Verbraucher für Nutztiere. Zumindest bei Umfragen.

Realität in manchen Tier-Ställen

Fleisch unbedenklich genießen:
Doch wie entscheidet nun derjenige, der Lust auf den Genuss von Hähnchenfleisch hat? Dafür hat die Vegetarierin Heincke großes Verständnis und nennt die wichtigsten Punkte für gesundheitsbewussten Genuss:

  • Achten Sie grundsätzlich auf Hygiene in der Küche im Umgang mit rohem Fleisch: Waschen Sie Messer und Schneidebretter, die mit dem Fleisch in Berührung gekommen sind, sofort ab. Das heißt umgekehrt: Schneiden Sie keinen Salat oder andere roh verzehrte Produkte direkt im Anschluss auf einem Schneidebrett, das zuvor mit rohem Fleisch in Berührung kam.
  • Spülen Sie gründlich die Hände mit Wasser und Seife, nachdem Sie rohes Fleisch berührt haben.
  • Gekochtes Fleisch ist ungefährlich.

Beim Einkauf richten sich die meisten Verbraucher vor allem nach dem Preis der Lebensmittel. Und auch die Realität der Ställe sieht zum Teil anders aus, wie der jüngste Skandal um Antibiotika in der Hähnchenmast zeigte, den der BUND im Januar 2012 aufgedeckt hat. Im Hühnerfleisch wurden zum Teil hoch aggressive Bakterienstämme gefunden, die auch für den Menschen gefährlich werden können. Einige dieser Bakterien können beim Menschen nur noch mit Reserveantibiotika erfolgreich behandelt werden. „Der überflüssige Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung kann dazu führen, dass bestimmte Bakterien eine Resistenz gegen sie entwickeln,“  sagt Dr. Maren Heincke, die Beauftrage der EKHN für den ländlichen Raum. Sie bemerkt, dass ein hoher Antibiotikaeinsatz auch von der Größe der Tierbestände abhängt.   

Mut zum Kauf nachhaltig produzierter Lebensmittel

Anlässlich der Internationalen Grünen Woche Berlin, die am 20. Januar beginnt, veranschaulicht sie deshalb die Verantwortung, die der Verbraucher trägt:  „Das extreme Preisbewusstsein der Verbraucher steht in Zusammenhang mit der Massentierhaltung“, sagte Maren Heincke. Sie sieht vor allem unter den wohlhabenden Bürgern noch mehr Potential, beim Einkauf von Lebensmitteln stärker auf Produkte aus nachhaltigerer Landwirtschaft zu achten. „Bis jetzt legen 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung beim Einkauf Wert auf eine besonders tiergerechte und umweltfreundliche Herstellung von Lebensmitteln – schön, wenn dieser Anteil noch steigt“, ermutigt die Landwirtschaftsexpertin.

Einkaufs-Tipps

Grundsätzlich empfiehlt sie, bereits im Lebensmittelladen wichtige Entscheidungen zu fällen. Das Besondere an ihren Einkaufs-Tipps ist, dass alle einen Vorteil davon haben: Der Verbraucher selbst, der Landwirt und das ehemals lebende Tier:

Vorteile von tiergerecht produziertem Fleisch:

Tipps Vorteile
Weniger Fleisch kaufen: Greifen Sie häufiger bei Alternativen zum Fleisch zu. Es gibt auch leckere, fleischlose Rezepte.

für den Verbraucher:

  • Gesundheit auf Trab bringen: Der gegenwärtige Fleischverbrauch ist heute mit 60 kg pro Jahr je Einwohner  zwei bis drei Mal so hoch, wie ihn die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ für gesundheitsverträglich hält.
  • Geld anders einsetzten: Das Geld wird für weniger Fleisch dafür jedoch mit besserer Qualität ausgegeben
Fleisch von Erzeugern aus der Region kaufen Für den Landwirt
  • Regionale Betriebe werden unterstützt und können ihr Überleben sichern
Für das Klima:
  • weniger CO2-Ausstoß aufgrund geringerer Transporte
Für das Tier:
  • kürzere Tiertransporte
Fleisch aus besonders artgerechter Tierhaltung

Für den Verbraucher

  • oft besserer Geschmack

Für den Landwirt

  • Es werden solche Landwirte unterstützt, die ihre Tiere besonders tiergerecht halten

Für das Tier

  • Bis zur Schlachtung kann das Tier tiergerecht leben

 

Entscheidungshilfe für nachhaltig produzierte Lebensmittel des Rates für nachhaltige Entwicklung:
Der nachhaltige Warenkorb (PDF)

Kirchengemeinden, Dekanate und kirchliche Einrichtungen möchte Maren Heincke die Idee nachhaltig produzierter Lebensmittel ebenso ans Herz legen. „Beim Gemeindefest muss nicht unbedingt die Bratwurst aus dem Großmarkt auf dem Grill liegen – weniger Würste aus artgerechter Tierhaltung, dafür mehr Kartoffeln und Zucchinispieße erfreuend die Gaumen ebenso.“ Sie freut sich auch darüber, dass bereits viele Kirchengemeinden auf fair gehandelte Produkte zurückgreifen.


[Rita Deschner / MH]