Meldung
Gewalt in der Familie aus der Tabuzone holen
Hilfe bei Kirche, Polizei und "Frauen helfen Frauen" / Ausstellung in Groß-Gerau
Ausstellung in Groß-Gerau bis zum 8. Februar 2008
Mehr zur Ausstellung bei "Brot für die Welt" - mit viruellem Rundgang
"Wesentlich mehr Menschen sterben durch zwischenmenschliche Gewalt als durch die vermeintlichen Hauptgefahren Kriege und Terrorismus". Dies sagte Pfarrer Wolfgang Prawitz zur Eröffnung der Ausstellung „Rosenstraße 76 – Häusliche Gewalt überwinden“. Ein Grund für die evangelische Kirche, das Thema „Gewalt in der Familie“ aus der Tabuzone heraus zu holen.
„Gewalt in Familien muss noch deutlicher ein öffentliches Thema werden. Die Ausstellung soll auffordern, Gewalt in Familien wahrzunehmen, hinzuschauen, sich zu öffnen, darüber zu reden“, so Jürgen Dittmar, Leiter des Regionalen Diakonischen Werkes.
Hilfsangebote für Betroffene
Ein weiterer Aspekt ist, dass die Hilfsangebote dank der Ausstellung bekannter werden. In den Psychologischen Beratungsstellen und in den Regionalen Diakonischen Werken bieten Kirche und Diakonie kompetente Beratung für Opfer und Täter. „Wichtig ist, dass der Mann nicht in Selbstmitleid und Hoffnungslosigkeit stecken bleibt, sondern auch neue Perspektiven und Verhaltensmuster entwickelt“, so Claus Krach von der Groß-Gerauer Beratungsstelle des Diakonischen Werkes. Es waren zu 93 Prozent Männer, die im Jahr 2007 im Kreis Groß-Gerau sich für die Tat der Körperverletzung verantworten mussten – von denen übrigens genau die Hälfte Deutsche waren.
Für Betroffene bieten weiterhin die Polizei und der Verein „Frauen helfen Frauen“ Hilfe.
Die Ausstellung
Die interaktive Ausstellung ist als ganz „normale“ Drei-Zimmer-Wohnung eingerichtet: Küchenmesser, Gewaltvideos, ein blutverschmiertes Handtuch in der Waschmaschine, ein halb gepackter Koffer auf dem Bett, ein Tagebuch im Kinderzimmer, viel Make-Up gegen blaue Flecke. Wer hinschaut, entdeckt erschreckende Hinweise von Gewalt. Im Elternschlafzimmer sind auf großer Leinwand Szenen aus der Täterberatung zu sehen, im Kinderzimmer zeigen kurze Filme Tatsachenberichte von Kindern, Opfer von Gewalt. Statt Schutz und Vertrauen bekommen diese Kinder Gewalt im Doppelpack mit Liebe serviert, nicht irgendwo in einem dunklen Park sondern zuhause, dem „Hort der Sicherheit“, nicht von Fremden, die wieder gehen, sondern von Eltern, die bleiben.
Die Ausstellung kann bei der Aktion „Brot für die Welt“ ausgeliehen werden. Online können Sie einen virtuellen Rundgang unternehmen.
hier
Heidi Förster / RD
zurück | letzte Aktualisierung: 24.01.2008 | copyright by EKHN