Interview
Eine Kapelle fürs Frankfurter Stadion?
Fragen an Kirchenpräsident Dr. Peter Steinacker
Im neuen Frankfurter Stadion (der künftigen „Commerzbank-Arena“) soll es vielleicht eine Kapelle geben. Halten Sie das für ein sinnvolles kirchliches Engagement?
Ja. Ich habe mich zusammen mit Bischof Kamphaus dafür eingesetzt.
Wer soll die Kapelle nutzen, und wie könnte oder sollte sie genutzt werden?
Das ist eine Frage des Konzepts. Natürlich müsste die Kapelle den Sportlerinnen und Sportlern zur Verfügung stehen. Die brauchen manchmal vor oder nach den Spielen einen Rückzugsort. Dafür ist die Lage direkt am Spielereingang
und in der Haupttribüne auch ideal. Außerdem kann die Kapelle ein Raum für alle Menschen sein, die einen Bezug zum Stadium haben, sei es für den Sport, dem Fußball oder sei es im Rahmen der Kulturveranstaltungen, die dort stattfinden.
Manche fühlen sich diesem Ort ja sehr verbunden, fast wie in einer Familie. Vorstellbar sind Trauungen oder Taufen, die Fans dort feiern. Oder Gottesdienste, Ausstellungen und Veranstaltungen, die die Kirchen an diesem speziellen Ort anbieten wollen.
Beispiele sind gemeinsame Themen wie Fairness, Sonntagsschutz, gerechte Lebensbedingungen weltweit und Verständigung der Völker und Religionen. Zum Konzept, das wir noch erarbeiten müssen, werden sicher auch Grenzen gehören. So wird man
vor Spielen den Fans sicher nicht schichtweise einen Ort anbieten, wo sie für den Sieg beten, etwa eine halbe Stunde die einen und dann die anderen. Das wäre verfehlt. Eine Fan-Kultstätte sollte die Kapelle nicht sein.
Ist eine ökumenische Trägerschaft denkbar oder gewünscht?
Das Projekt ist von Anfang an ökumenisch gedacht gewesen und kann es gar nicht anders sein. Der Fußball und seine Orte verbinden Menschen ganz unterschiedlicher Konfession, Religion und Kultur. Dem muss ein sakraler Raum Rechnung tragen. Das tut er , in dem er für viele offen ist und gleichzeitig seine Herkunft ganz deutlich macht. Der Raum muss also so oft wie möglich offen sein. Zentrale Bedeutung kommt dabei der geeigneten Gestaltung als sakralem Raum zu. Der Raum muss für sich sprechen. Seine Herkunft und seine Botschaft müssen aus sich heraus spürbar sein, auch wenn kein Pfarrer oder keine Pfarrerin anwesend ist.
Hoffen Sie, auf diese Weise die Kirche den Fans näher zu bringen?
Mit einer solchen Kapelle geht die Kirche dorthin, wo die Menschen sind. Ähnlich wie bei den Kirchenläden in den Innenstädten, „Unterwegs zu den Menschen“ wie eine alte Losung der EKHN es sagt. Die Kapelle soll eine niedrige Hemmschwelle haben.
Braucht die Kirche mehr Präsenz im Bereich des Sports? Auch bei der Fußball-WM 2006?
Sie fragen das einen aktiven Fußballer! Natürlich wäre es gut, wenn Kirche und Sport mehr Kontakt bekommen. Wir haben viele gemeinsame Themen. Wir brauchen ehrenamtliches Engagement und gestalten den Freizeitbereich der Menschen mit. Aus
verschiedenen Blickwinkeln betrachten wir menschliche Grunderfahrungen wie Erfolg und Scheitern, Schuld und Gnade, Einsamkeit in der Verantwortung und Solidarität untereinander. Die Goldene Regel der Ethik Jesu und der Fairness-Gedanke des Sports liegen
nahe beieinander.
Zur WM 2006 wird die Kapelle leider noch nicht zur Verfügung stehen. Erst danach. Aber wir werden trotzdem bei der WM aktiv sein. Gerade hat die Kirchenleitung beschlossen, Pfarrer Fischer, seit langem im Arbeitskreis Kirche und Sport aktiv, vor der
WM zu beurlauben. Er soll ein Programm koordinieren und entwerfen, mit dem die Gemeinden und Einrichtungen der EKHN die WM mit interessanten Beiträgen mitgestalten können.
Manche Kritiker behaupten, heutzutage trage der Sport oder seine mediale Inszenierung selbst religiöse Züge; Sport werde manchmal zur Trivial- oder Ersatzreligion. Wäre eine Kapelle im Stadion ein Tribut an diese Ersatzreligion oder gerade ein Gegengewicht?
Eine Kapelle wäre ein unverkrampftes Miteinander an einem Ort, wo viele Menschen wichtige Stunden ihres Lebens verbringen. Ich sehe darin weder Konkurrenz noch Unterwerfung. Man kann den Sport religiös unterfangen. Das ist etwa im Beginn der modernen olympischen Bewegung auch geschehen. Aber die Grenzen dieses Versuchs sind schnell deutlich geworden. Im Sport bleibt der Menschen immer nur bei sich selber. Unser Glaube verweist auf Gott, der gerade dem Menschen, der an sich selber scheitert oder verzweifelt, einen neuen Horizont öffnet. Gerade im Sport und seiner Erfahrungswelt kann man dafür sehr offen werden.
Waren Sie selbst schon einmal im Stadion, dem alten Waldstadion? Und könnten Sie sich vorstellen, dort in der Kapelle, wenn sie denn kommt, eine Taufe oder Trauung vorzunehmen?
In dem Stadion war ich schon oft. Ich habe sogar einmal in der Kapelle dort spielen dürfen. Und natürlich könnte ich dort ein Paar trauen. Bei der Taufe bin ich nicht so sicher. Die sehe ich lieber vor dem Horizont der Heimatgemeinde. Aber
auch da gibt es sicher Fälle, wo eine Taufe in der Fußballkapelle angemessen ist.
Die Fragen stellte Pfarrer Stephan Krebs
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN