Interview
Jürgen Klopp plädiert für eine neue Kultur im Umgang mit Fehlern
"Fehler bewerten wir über, positive Dinge werden als normal hingenommen"
„Wichtig ist, alles zu geben und wenn man verliert, trotzdem weiter zu machen“, sagte Jürgen Klopp, Fußballtrainer von Mainz 05, im Anschluss an den Buß- und Bettagsgottesdienst am 21. November in der Mainzer Christuskirche. Das Gespräch zwischen dem Fußballtrainer und Prof. Dr. Peter Steinacker, Kirchenpräsident der EKHN, moderierte der evangelische Dekan in Mainz, Jens Böhm. Das Thema des Gesprächs drehte sich um „Sieg und Niederlage“. Zur Frage, ob er einen Sinn im Abstieg seiner Mannschaft in der letzten Saison sehe, witzelte Klopp: „Um die erste Bundesliga tatsächlich schätzen zu können, sind wir noch mal kurz in die zweite Liga zurück geholt worden.“ Er erklärte, dass er nachträglich durchaus einen Sinn im Verlieren entdeckt habe: „Das heißt, dass wir die Anstrengung erhöhen, Fehler erkennen, das Leben neu ordnen – sonst würde sich ja nichts verändern.“
Wer arbeitet, macht Fehler
Zuvor hatte Kirchenpräsident Steinacker in seiner Predigt erwähnt: „Mein Eindruck ist, dass prominente Spieler nicht mehr dazu stehen, wenn sie ein Foul gespielt haben.“ Es gehöre allerdings eine gewisse Reife dazu, die eigenen Fehler zu akzeptieren. Jürgen Klopp gab hier zu bedenken, dass es die Gesellschaft den Leuten auch schwer mache, Fehler zuzugeben, da sich Kritiker oft in unangemessener Weise auf einen Spieler stürzten. Er übertrug den Umgang mit Fehlern auch auf die Arbeitswelt: „Wenn Mitarbeiter einen Fehler gemacht haben, können sie angemessen kritisiert werden, ihnen sollte aber nicht gleich mit Kündigung gedroht werden. Wichtig wäre, ihnen neues Vertrauen zu schenken.“ Der Trainer plädierte dafür, dass die Floskel „Wer arbeitet, macht Fehler“ stärker zur Anwendung kommen sollte. „Fehler bewerten wir über, positive Dinge werden als normal hingenommen“ , so der Eindruck des Trainers.
Fußballtrainer und Kirchenpräsident berichten über ihre Gebetspraxis
Moderator Jens Böhm befragte auch beide Gesprächspartner nach ihrer Gebetspraxis. „Ich bete abends, um den Tag zu reflektieren. Das Gebet ist für mich wie ein Gespräch“ , sagte Jürgen Klopp. Dabei kämen Fragen auf wie „War es wirklich notwendig, in einer bestimmten Situation so zu reagieren?“ Der Fußballtrainer betonte, dass er sich während dieses Gespräches mit Gott sehr wohl fühle. „Dabei geht es nicht um Spiel und Sport. Im Gebet geht es vor allem um Familie und Gesundheit.“ Seine Gebetspraxis habe ihm dabei geholfen, besser mit seinem Willen, unbedingt zu gewinnen, umzugehen. „Heute wünsche ich dem Gegner nicht die Niederlage.“ Deshalb gehe er auch nach einem Spiel zur Verlierermannschaft und spreche mit den gegnerischen Spielern.
Kirchenpräsident Steinacker berichtete ebenfalls über seine Erfahrungen.
Er erwähnte, dass er ein kurzes Gebet in bestimmten Lebensabschnitten spreche.
Er nannte ein Beispiel: „Bevor ich die Tür bei einem Krankenbesuch
aufmache, bete ich: Es wird schwer – Christus geh mit mir.“ Weiterhin
erläuterte er: „Ich finde schön, wenn das Gebet das
ganze Leben umfasst.“ Dies untermauerte er mit einer Anekdote: „Während
meines Besuches in Tanzania sagte der Pilot vor dem Abflug einer einmotorigen
Maschine: `Let´s pray!´ Aufgrund der Luftturbulenzen war dies
auch notwendig – aber für mich war es auch ein Zeichen, dass das
ganze Leben ein Gespräch mit Gott ist.“
Rita Deschner
zurück | letzte Aktualisierung: 24.11.2007 | copyright by EKHN