Bericht

01. März 2005

Militärseelsorger hat offenes Ohr für die Freuden und Sorgen der Soldaten

Pfarrer Jürgen Peter Stahlhut kehrte aus seinem Auslandseinsatz in Bosnien-Herzegowina zurück

Der Militärseelsorger Jürgen Peter Stahlhut ist im Januar 2005 aus einem Feldlager in der Nähe von Sarajewo nach Deutschland zurückgekehrt. Er war nah dran an den Freuden und Sorgen seiner Soldaten: „50 Prozent haben ihre Freundin in dem halben Jahr verloren - per SMS“, erzählt der Seelsorger. Umgekehrt gebe es aber auch Soldaten, deren Beziehung durch den Einsatz enorm vertieft worden sei.
Weiterhin berichtete er, dass er in den letzten zwei Monaten des Aufenthaltes auch die Schattenseiten des Alkoholkonsums kennen gelernt habe: „Gefährlich wird es für die, die es heimlich tun.“

Jürgen Peter Stahlhut betreute dort mit einem katholischen Amtskollegen knapp 1700 Soldaten. Sein Dienst war offensichtlich beliebt: 95 Prozent der Soldaten befürworten die Gegenwart eines Militärseelsorgers im Ausland. Das spürte er auch am großen Zuspruch in den sonntäglichen Feld-Gottesdiensten. „Weil die Soldaten merken, dass der Pfarrer auch die Woche über brauchbare Antworten auf ihre Fragen gibt.“
Die Themen, über die der Militärseelsorger Jürgen Peter Stahlhut mit den Soldaten vor ihrem Auslandseinsatz im Balkan sprach, sind existenziell: Er bereitete die Soldaten auf den Umgang mit Tod und Verwundung vor, auch über Sexualität wurde gesprochen. „Das Thema sollte man nicht ausklammern, auch nicht im Interesse der Partner, die zu Hause bleiben.“ So ein „Feldpuff“, über den dann im deutschen Fernsehen berichtet werde, habe schon manche Partnerin schockiert und ins Grübeln gebracht.

In Bosnien trug der Pfarrer eine tarngrüne Uniform, wobei er den Eindruck hatte, dass sich die Menschen durch die einheitliche tarngrüne Uniform im Lager näher seien. Zuhause in Diez trägt er keine. Auf eine Waffe verzichtete der Pfarrer im Auslandseinsatz, ließ sich allerdings zeigen, wie man im Notfall mit Fadenkreuz und Abzug umgeht. „Es gibt auch Pfarrer, die eine Waffe stets bei sich tragen und andere, die sie auch nicht zum Kennenlernen in die Hand nehmen.“

Stahlhut nennt auch den Grund für seinen Dienst: „Jeder Soldat hat Anspruch auf Seelsorge und ungestörte Religionsausübung.“ So stehe es in Paragraph 36 des Soldatengesetzes. Das gilt auch - und wie der evangelische Pfarrer jetzt weiß - gerade im Ausland.

B-C Matern, RD