Für den Frieden in Nahost
Schritte zum Frieden mit Unterstützung aus der EKHN
Erfahrungen aus Indien helfen traumatisierten Menschen im Balkan
Eine Geschichte aus Indien:
“Ein Kolibri will einen Waldbrand löschen. Er bringt Tropfen für Tropfen aus dem Meer und lässt ihn aufs Feuer fallen. Zuerst lachen die übrigen Tiere, dann machen sie mit. Scharen von Vögeln bringen ihren Tropfen, um den Waldbrand zu löschen.“
Jeder und jede, die für den Frieden arbeiten sind ein kleiner Tropfen auf den Waldbrand, aber die vielen Tropfen machen Hoffnung.
(Andreas Günther)
„Belgrad hat für mich ein neues Gesicht bekommen“, sagte eine Teilnehmerin des Seminars mit dem Titel „Aman-Shanti, Impulse aus Indien für die Friedensarbeit auf dem Balkan“, das vom 1. bis 3. Juni 2007 in der Serbischen Hauptstadt stattfand. „Früher hatte ich dunkle Assoziationen. Mit dem Seminar und den Menschen hier ist es mir freundlicher geworden.“ Ein kleiner Schritt, um belastende Bilder aus dem Krieg zu überwinden.
Das Besondere an der Veranstaltung war, dass Erlebnisse aus Indien über Konflikt, Gewalt, Hoffung und Versöhnung zu Sprache kamen und diese war der Anlass für die Teilnehmenden aus dem Balkan, über ihre eigenen Gewalt-Erfahrungen zu sprechen.
Kooperation zwischen Indien und der EKHN
Die Leitung des Seminars lagen bei Dr. Andreas d´Souza, Direktor des Henry-Martyn-Instituts, Hyderabad in Indien, zu dem die EKHN seit langem partnerschaftliche Beziehungen unterhält, und bei Susanne Domnick, Pfarrerin und Psychodramaleiterin aus Friedberg / EKHN.
Organisiert wurde die Veranstaltung durch Mitarbeiter vom Forum Ziviler Friedensdienst, die Friedensprojekte auf dem Gebiet des früheren Jugoslawien koordinieren und von Pax Christi. Letztere organisieren ein Friedensprojekt in Bosnien, das der EKHN-Theologe Andreas Günther leitet.
Mitten ins Herz
Das Konzept ging auf: „Wenn ich Ihre Geschichten aus Indien höre, dann höre ich nicht nur Ihre Geschichte, dann läuft auch meine und unsere parallel vor meinem inneren Auge ab. Ihr Leiden ist unser Leiden“, so brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt. „Ich war auf vielen Seminaren zu diesen Themen, aber dieses ist das erste, auf dem ich zu weinen angefangen habe, weil mich die Geschichten der Menschen so berührt haben,“ ergänzte eine weitere Teilnehmerin.
Gemeinsame Mahlzeiten, Einladungen zu religiösen Feiern über die Grenzen hinweg, gemeinsames Arbeiten für das Wohl in der einen Stadt, alles das sind kleine Schritte zu einem gelingenden Zusammenleben.
Was haben Indien und der Balkan gemeinsam?
Der Balkan
Der frühere Vielvölkerstaat Jugoslawien ist im Zuge des blutigen Bürgerkrieges 1991 bis 1995 auseinander gebrochen. Aus ihm sind die heute selbständigen Länder Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro und Mazedonien entstanden. Auch wenn heute keine Kämpfe mehr mit Waffengewalt ausgetragen werden, so gibt es immer noch Spannungen. Kosovo strebt seine Unabhängigkeit an. Die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen und die Fragen nach Verantwortung bestehen fort. Bosnien-Herzegowina ringt um seine Identität als eigenständiger Staat, in dem Kroaten, Bosniaken und Serben gemeinsam leben. Das Land im Herzen des früheren Jugoslawien hat im Bürgerkrieg am meisten gelitten, da es den Vielvölkerstaat im kleinen abbildete. Noch heute ist Bosnien Kernland der kulturellen und religiösen Schnittstelle Europas. Hier treffen westliche und östliche Welt aufeinander, die katholische Westkirche, die orthodoxe Ostkirche und die islamische Welt. Dialog zwischen Menschen verschiedener Religionen ist ein wichtiger Baustein der Friedensarbeit.
Indien
Indien ist ähnlich wie der Balkan eine Region mit einer Vielzahl verschiedener Kulturen, Ethnien und Religionen. Jahrhunderte des Zusammenlebens zwischen Hindus, Muslimen, Christen, Sikhs, Buddhisten und Jainisten haben das Land geprägt.
Im Zuge seiner Unabhängigkeit von England wurde Britisch-Indien in die heutigen Länder Indien, Pakistan und Bangladesch geteilt. Diese Teilung ging 1947 mit einem blutigen Krieg zwischen Hindus und Moslems einher und schuf ausgeprägte Minderheitensituationen. Das Ringen um Integration und Formen des Zusammenlebens besteht bis heute fort. Die Unabhängigkeitsbestrebungen mancher Republiken stellen die Regierung immer wieder vor große Herausforderungen.
Andreas Günther / RD
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN