Bericht

11. September 2008

Angriffe auf Christen in Indien


Mitglieder der EKHN-Partnerkirche in Amritsar engagieren sich für die Opfer in Orissa / Fürbittengebet zum Download

 

Frau in Trümmern
Quelle: P. Samantaroy
Eine Frau sucht in den Trümmern vergeblich nach der Asche verbrannter Familienmitglieder

„Wir verurteilen jede Form von religiösem Fundamentalismus, Terrorismus und Zwangsbekehrung durch religiöse Gemeinschaften oder Organisationen.“ Dies erklärte Bischof Pradeep Samantaroy von der Diözese Amritsar gemeinsam mit weiteren christlichen Geistlichen anlässlich einer Pressekonferenz in Indien. Damit bezogen sie sich auf die blutigen Unruhen im indischen Bundesstaat Orissa. Bis heute ist dort die Lage für Christen gefährlich, allerdings teilte Detlev Knoche, Ökumenereferent der EKHN,  am 10. September 2008 mit: „Die Lage beruhigt sich nach Auskunft unserer Partner.“

Tod und Verwüstung

Die Diözese Amritsar, eine Partnerkirche der EKHN, informiert im Internet über die Ereignisse vom 23. August: „Die Menschen haben nicht vergessen, wie ihre Lieben erschlagen, enthauptet, verbrannt und in die Luft gesprengt wurden. Die Überlebenden berichteten, dass Hunderte von Körpern in den Wäldern verwesen.“ Am 5. September seien Ordensschwestern aus dem Zug von Raipur nach Indore gezerrt und schwer verletzt worden.

Hintergrund

Ausgelöst wurden die Auseinandersetzungen durch die Ermordung von Guru Swami Laxmananda, zu der sich eine maoistische Gruppe bekannt hat. Allerdings unterstellen fanatische Hindus, dass jemand aus den Reihen der Christen dieses Attentat begangen habe.
Dann begannen die Angriffe gegen Christen: Kirchen, Krankenhäuser, Schulen und Häuser christlicher Familien brannten, Menschen wurden verletzt, Busse und Fahrzeuge zerstört.
Hintergrund dieses aufflammenden Konfliktes ist die wachsende Mitgliederzahl der christlichen Kirchen. Vor allem Menschen aus den unteren Kasten und die so genannten „Unberührbaren“ konvertieren. Hindu-Organisationen unterstellen den Kirchen, die Menschen mit Geld zum Konvertieren zu nötigen. 

Unschuldige ließen ihr Leben

Auf der Internetseite der Diözese Amritar wird hierzu beispielhaft über folgendes Ereignis berichtet:
Nachdem der Geistliche Edward Sequeira aus dem Haus fliehen konnte, in das gewalttätige Hindus eingedrungen waren, hörte er die Schreie von Rajini Majh. Sie wurde gefesselt in ein Feuer gestoßen und verbrannte dort. Edward Sequeira erklärte, dass  das junge Mädchen eine von vielen Waisen war, die er einst rettete. Sie lebte und arbeitete in dem Waisenhaus, das er gegründet hatte. Der Mob muss gedacht haben, dass Rajini eine von denjenigen gewesen sei, die angeblich zwangskonvertiert wurde. „Sie war nur ein einfaches Hindu-Mädchen, das die dritte Klasse besuchte“ sagte der Geistliche.

Solidarität zeigen und beten

Die Christen vor Ort wünschen sich Frieden. Und deshalb rufen sie dazu auf, sich an dem Solidaritätsmarsch am 17. September in Bhubaneshwar zu beteiligen. Die Diözese Amritsar plant, eine Delegation von 30 Leuten, einschließlich Sikhs und Muslimen, zu senden. In einer E-Mail schrieb Bischof Pradeep Samantaroy an Detlev Knoche: „Wir bitten Euch für die Opfer und auch für die Anstrengungen der Kirchen und anderer Organisationen zu beten, die sich um dieses Problem kümmern.“ Für die Christen in Deutschland hat der Ökumene-Referent deshalb ein Gebet verfasst, das hier zur Verfügung steht: Fürbittengebet (PDF).

[Rita Deschner / DK]