Frieden
Notlage der palästinensischen Bevölkerung im Gazastreifen
Schäden durch Geschosse der Hamas auf israelischer Seite
„Derweil steigert sich das Leiden der Menschen in Gaza ins Unerträgliche“, schrieb Dr. Uwe Gräbe, der evangelische Propst von Jerusalem, in einem Brief vom 1. Januar 2009 an Gabriele Scherle, Pröpstin für Rhein-Main. Seit Beginn der Militäroffensive Israels am 27. Dezember 2008 im Gaza-Streifen starben mehrere hundert Palästinenser, mehrere tausend wurden verletzt.
Allerdings geht auch Gefahr von militanten Palästinensern aus: „Seit einigen Tagen werden auch hoch entwickelte Raketen mit größerer Sprengkraft und größerer Reichweite aus Gaza abgeschossen“, beobachtete Uwe Gräbe. Er weiß, woher ein Teil des Materials für diese Raketen stammt: Über einen Schmuggeltunnel zwischen Ägypten und dem südlichen Gazastreifen würden neben Lebensmitteln und Zigaretten auch Waffen transportiert.
Hoffnungslosigkeit im Palästinensergebiet
Uwe Gräbe kennt die Lage der Menschen im Gazastreifen, den er vor einem halben Jahr besucht hatte. Sein Eindruck war, dass eine Atmosphäre der Hoffnungslosigkeit über dem Gebiet liege: „Keine Arbeit. Keine Bildungschancen. Unzureichend Wohnraum. Stinkende Kloaken, die sich mangels Kläranlagen ins offene Meer ergießen. Lethargie überall.“ Eine Ausnahme bilde Gaza-Stadt, wo die Hamas für Ordnung sorge. Die Terrororganisation habe zwar ein ausgedehntes Netz von Suppenküchen und Kindergärten, aber die Lebensverhältnisse ließen sich dadurch dennoch nicht grundsätzlich verbessern. „Und dann stehen hin und wieder ein paar Leute auf, organisieren sich ein paar Metallrohre und schrauben daraus ihre primitiven Raketen zusammen, um sie aus blindem Hass auf eine Zivilbevölkerung abzuschießen, die sie nicht kennen.“ Auf Dauer profiliere sich die Hamas vor allem durch Krieg.
Zerstörungen der Raketen auf israelischem Gebiet
Allerdings beobachtete der evangelische Geistliche, der für die deutschsprachige Evangelische Gemeinde in Jerusalem und in Amman zuständig ist, auch die Folgen des Raketenbeschusses in Israel. „Die unglaubliche Menge dieser Geschosse hat reichlich Schäden, Verwundungen und gar Tote verursacht.“ Gräbe schreibt, dass die Menschen in Israel durch den häufigen Sirenenalarm erschreckt seien: „Fünfzehn Sekunden Zeit bleiben, um in einen der Beton-Unterstände zu rennen, die mittlerweile an jeder größeren Straßenkreuzung errichtet wurden.“
Auftritt des israelischen Staatspräsidenten
In seinem Brief schildert der Propst außerdem den Auftritt des israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres zum alljährlichen Neujahrsempfang für die Oberhäupter der christlichen Kirchen in Peres´ Residenz am 29. Dezember. Zwei Tage nach Beginn der israelischen Militäroffensive im Gaza-Streifen nannte der Staatsmann und Friedensnobelpreisträger den Grund für diese Maßnahme. So habe die Hamas monatelang israelisches Gebiet mit Raketen beschossen, obwohl Israel im August 2005 den Gaza-Streifen geräumt habe. Und einmal sei für jeden Staat, der seine Bürger doch schützen müsse, eine Grenze gekommen. Aus Gräbes Sicht wirkte der israelische Staatspräsident übermüdet, er verließ das Podium in gebückter Haltung.
Nothilfe durch Spenden
Aufgrund der problematischen humanitären Situation im Gazastreifen ruft die Diakonie Katastrophenhilfe zu Spenden auf. Wegen der zahlreichen Verletzten komme es jetzt darauf an, dass die medizinische Behandlung im Gaza-Streifen aufrecht erhalten werden könne, betonte die Direktorin der Diakonie Katastrophenhilfe, Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel. Deshalb beabsichtigt die Diakonie Katastrophenhilfe Medikamente und medizinische Güter mit einem internationalen Hilfskonvoi in das Palästinensergebiet zu bringen.
Spendenaufruf
[Rita Deschner / PWS / OKRJS]
zurück | letzte Aktualisierung: 07.01.2009 | copyright by EKHN