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12. September 2008

Erster Zusammenschluss der Evangelischen Kirchen von Nassau, Frankfurt und Hessen vor 75 Jahren

Unter Zwang zusammengeführt, dann zerfallen und freiwillig erneuert

 

Vor 75 Jahren, am 12.September 1933, fassten die Landeskirchentage (die damaligen Landessynoden) der drei damals noch eigenständigen Landeskirchen von Nassau, Hessen (Darmstadt) und Frankfurt a.M. den Beschluss, sich zur Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen zusammenzuschließen. Diese Vereinigung kam durch äußeren politischen Druck zu Stande. Die Landeskirchentage waren unter skandalösen Umständen berufen geworden und von nationalsozialistischen und deutschchristlichen Mitgliedern massiv beherrscht. An die Spitze dieser neuen Kirche traten als Verwaltungsleiter der Jurist Paul Kipper und als geistlicher Leiter der Landesbischof Ernst Ludwig Dietrich, der allerdings bald ins Abseits gedrängt wurde. Dieses Kirchenregiment besaß in den Augen der Angehörigen der Bekennenden Kirche keine geistliche Legitimiation und erzeugte Widerstand.

Dieser Widerstand im Kirchenkampf der Bekennenden Kirche (BK) schweißte die Mitglieder aus den drei Teilen der neuen Landeskirche im Denken und Handeln zusammen. Der Landesbruderrat der Bekennenden Kirche berief sich auf das kirchliche Notrecht und nahm die geistliche Leitung in der Landeskirche Nassau-Hessen für sich in Anspruch. Damit hatte auch in Nassau-Hessen der Kirchenkampf zwischen der BK und den deutschchristlichen Kreisen begonnen. Der Konflikt blieb bis Kriegsende ungelöst. Als sich 1945 die äußerlich erzwungene Gemeinschaft von Nassau, Hessen und Frankfurt wieder löste, bestand der Landesbruderrat fort. Heftig und kontrovers wurde in den unmittelbaren Nachkriegsjahren die Frage nach der kirchlichen und juristischen Legitimität der Landeskirche Nassau-Hessen und der Wirksamkeit ihrer Beschlüsse diskutiert, wenn man sich auch in der grundssätzlichen Ablehnung des "Systems Kipper" völlig einig war.

Geradezu salomonisch erscheint die Kompromisslösung, zu der man schließlich fand: Der vereinigte Kirchentag stellte am 30.September 1947 in Friedberg - im Amtsblatt No. 1 unter dem Titel "Zusammenschluß" nachzulesen - folgende Geburtsurkunde aus: Der Kirchentag der Evangelischen Kirche in Hessen, Nassau und Frankfurt a. M. bestätigt den Zusammenschluß der evang. Kirche im Gebiet der früheren Landeskirche Nassau-Hessen kirchlich und rechtlich. Die Kirche trägt den Namen "Evangelische Kirche in Hessen und Nassau". Die EKHN betrachtet daher den 30. September 1947 als Tag und Friedberg als Ort ihrer Gründung. Tags darauf wurde Martin Niemöller zum ersten Kirchenpräsidenten gewählt.

[Stephan Krebs]