Bericht

01. September 2005

Vom Theologen zum Urwalddoktor

Die evangelische Kirche erinnert an den 40. Todestag von Albert Schweitzer


„Am Abend des dritten Tages, als wir bei Sonnenuntergang gerade durch eine Herde Nilpferde hindurchfuhren, stand urplötzlich, von mir nicht geahnt und nicht gesucht, das Wort `Ehrfurcht vor dem Leben´ vor mir.“ Damit beschreibt Albert Schweitzer den Kernpunkt seiner Ethik. An diesen großartigen Denker und Arzt erinnert die evangelische Kirche an seinem 40. Todestag am 4. September.

Mit 30 Jahren beschloss der evangelische theologische Privatdozent Albert Schweitzer Medizin zu studieren, um schließlich ein Urwaldhospital in Afrika aufzubauen. Seit dem Jahr 1913 behandelte er in dem Hospital Lambarene im heutigen Gabun Menschen zu behandeln, die vor allem an Malaria litten.

Finanzielle Unterstützung durch Martin Niemöller für das Urwaldhospital

Zur EKHN stand der gebürtige Elsässer in enger Verbindung. Wie Prof. Werner Zager, der intensiv über Albert Schweitzer forscht, berichtet, pflegte der Urwalddoktor enge Kontakte zu Martin Niemöller, dem ersten Kirchenpräsidenten der EKHN. Dieser sorgte dafür, dass die EKHN das Hospital in Lambarene im heutigen Gabun finanziell unterstützte. Eine Abmachung zweier großer Männer, die bis heute Bestand hat. Bis heute überweist die Kirchenverwaltung der EKHN 4265 Euro im Jahr an das „Albert-Schweitzer-Zentrum“, das unter anderem das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene e.V mitfinanziert.

Fundraising mit Orgelkonzerten – Die Orgelstücke Schweitzers in Frankfurt

Albert Schweitzer engagierte sich jedoch auch selbst, um die Arbeit in dem Urwaldhospital zu bezahlen. So hielt er Vorträge und gab Orgelkonzerte. Daran erinnert die Alte Nikolaikirche in Frankfurt, in der er einst Orgel spielte. Am 4. September 2005 wird von 10 bis 20 Uhr in dieser Kirche Orgelmusik von Albert Schweitzer ertönen, die auf der CD "Albert Schweitzer spielt Bach" zu hören sind.

Glauben und Denken passen zusammen

Durch seine Ethik von der „Ehrfurcht vor dem Leben“ und seine Erkenntnisse zur „Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“ ist Schweitzer nicht nur für Christen ein Mann von Weltbedeutung. Prof. Zager erläutert, was ihm an dem Theologen, Philosophen, Organisten und Arzt wichtig ist: „Albert Schweitzer steht für ein Christentum, das nicht durch dogmatische Engführung geprägt ist. Er brachte Glauben und Denken zusammen.“ Laut Zager stehe Schweitzer dafür, dass ein Christ seinen Verstand nicht an der Kirchentür abgeben müsse.

Vortragsreihe und Studienreise

Für Interessierte, die sich mit dem Leben und Wirken Albert Schweitzers näher befassen möchten, bietet Werner Zager, der Leiter der Evangelischen Erwachsenenbildung im Dekanat Worms-Wonnegau ist, eine eigene Veranstaltungsreihe an. Mit dem Titel „Albert Schweitzer – Impulse für ein wahrhaftiges Christentum“ beginnt die Reihe am 21. Oktober um 20 Uhr im Dreifaltigkeitshaus, Adenauerring 3, in Worms. Die Vorträge sind auch eine Vorbereitung für die Studienfahrt „Auf den Spuren Albert Schweitzers“ vom 23.–25. Juni 2006.
Veranstaltungsreihe

Hintergrund

[RD]