Bericht

31. Oktober 2006

"Wir feiern die Möglichkeit zur Freiheit"

Propst Dr. Klaus-Volker Schütz predigte zum Reformationstag in Armsheim



Armsheim, 31. Oktober 2006. Zum Reformationstag predigte der Propst für Rheinhessen, Dr. Klaus-Volker Schütz, in der Evangelischen Kirche in Armsheim. Der dortige Gemeindepfarrer, Kurt Bendler, hatte anlässlich seines eigenen 25jährigen Ordinationsjubiläums den Propst nach Rheinhessen eingeladen. In vielen der rund 160 evangelischen Kirchengemeinden in Rheinhessen wurde parallel der Reformationstag mit einem gesonderten Gottesdienst gefeiert.

In seiner Predigt zum Reformationstag ging Propst Dr. Klaus-Volker Schütz auf die „Frage nach der Freiheit“ ein. Schütz beschrieb den Weg Luthers, der mit sich und seinem Glauben haderte, weil er nur einen „gerechten Gott, der die Sünder straft“ vorfand. „Die Gottsuche des Mönches Martin, Sohn von Hans und Margarethe Luther, liest sich in den Einzelheiten sich wie eine Krankengeschichte – wir würden sagen: auf dem Weg in die Psychiatrie“, sagte der Propst für Rheinhessen. Doch die Krankengeschichte wäre ihm auch heute erspart geblieben, sagte Schütz, „denn es gibt einen Punkt, an dem diese Krankengeschichte plötzlich kippt und zu einer Heilungsgeschichte wird.“ Es sei ihm gelungen, die Fesseln zu lösen, die Gerechtigkeit Gottes zu verstehen, sie als ein Geschenk Gottes zu erleben, nämlich aus dem Glauben heraus. In den Paulus-Briefen sei Luther fündig geworden: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ Luther habe diese Freiheit begriffen, sagte Schütz, dass wir bereits durch Christus befreit sind, „ein für allemal.“ Der Propst erinnerte am Reformationstag daran, dass Luther diese Befreiung so überzeugend erlebt und weitererzählt habe, dass eine ganze Lawine losgebrochen sei in Deutschland.

„Reformation ist kein Historiendrama aus der Klamottenkiste“

Propst Schütz betonte jedoch, dass es der Evangelischen Kirche nicht darum gehen könne, jedes Jahr neu und in abgewandelter Inszenierung ein Historienstück zur Reformation neu aufzuführen. „Luthers Biographie ist kein Historiendrama aus der Klamottenkiste der Weltgeschichte“, sagte Schütz. Luthers Durchbruch sei vielmehr ein Zeichen für die Menschen heute, dass es die Möglichkeit zur Befreiung gäbe – „auch in unserem Leben“. Allerdings sei dies beispielsweise im Berufsalltag vieler Menschen heute schwer vorstellbar: „Betroffen müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Prinzipen des Leistungsegoismus und der Konkurrenz gerade in den Ländern der Reformation zur vollen sozialen Geltung und Entfaltung gekommen sind“, so Schütz. Umso deutlicher müsse anlässlich des Reformationstages an die Möglichkeit zur Freiheit erinnert werden. „Wir feiern heute, dass es die Möglichkeit gibt, aus all dem auszusteigen; dass es für uns die Möglichkeit zur Freiheit gibt, die Fäden, die uns zu Marionetten machen, abzuschneiden, und dass es diese Möglichkeit ist, die uns wirklich zu Menschen macht“, sagte der Propst. Im Sinne Luthers empfahl Schütz: „Gönnt euch und anderen jene Gelassenheit im gnädigen Gott, die euch zu Menschen macht.

[Fabian Berg]