Bericht

31. Oktober 2007

Katholischer Ministerpräsident sprach zum Reformationstag

Roland Koch plädierte für einen inneren Kompass, der auf einer christlich geprägten Werteskala basiert



Mit dem hessischen Ministerpräsident Roland Koch war, nach Jürgen Walter (SPD) und Evelin Schönhut-Keil (Bündnis 90 / Die Grünen) zum dritten Mal ein Politiker Gast beim Friedberger Reformationsfest am 31. Oktober 2007. Präses Tobias Utter begründete das Anliegen des Dekanates, den Reformationstag nicht „in einem lauten Halloweentreiben untergehen“ zu lassen. Dank des prominenten Redners sei es zumindest in diesem Jahr in Friedberg gelungen, das Thema Halloween aus den Schlagzeilen zu verdrängen. „Ich finde, da ist uns etwas Gutes gelungen“, so Utter.

Predigt: Glaube braucht Freiheit und Gemeinschaft

Während des Gottesdienstes stand Bachs Kantate „ein feste Burg ist unser Gott“ im Mittelpunkt und Dekan Jörg-Michael Schlösser thematisierte sie in seiner Predigt. In Text und Musik der Bachkantate spiegele sich, so Schlösser, die ganze Spanne der Freiheit  eines selbst verantworteten Glaubens bis zu dessen individualistischer Verengung, in der der Glaube zur bloßen Privatsache verkomme. Glaube ohne Gemeinschaft und Dialog sei toter Glaube, ebenso wie Glaube ohne Weltverantwortung. Der Dekan sprach sich allerdings gegen einen kämpferischen Konfessionalismus aus, der in dem Lied auch anklinge.

Kochs Plädoyer für christliche Werte

Godi
Quelle: Annegret Rach
Die voll besetzte Friedberger Stadtkirche

Im Anschluss an den Gottesdienst beschrieb Roland Koch beschrieb zum Thema „Reformen, die dem Menschen dienen“ die Gratwanderung des Politikers zwischen den gleichermaßen unbeliebten Wörtern „Reformen“ und „Stillstand“, dem Durchhalten auch unbeliebter Entscheidungen und dem Nachgeben an strategischen Punkten. Dem Druck von Meinungsumfragen und Wahlterminen könne nur standhalten, wer für seine Entscheidungen einen inneren „Kompass“ besitze, dessen Ausrichtung sich nicht nach der Tagespolitik beliebig verändere – für ihn selbst sei dies die vom Christentum geprägte abendländische Werteskala. Diese müsse nicht in China gelten, wohl aber in unserem Land der Maßstab sein, vor allem wenn es um Entscheidungen gehe, die die Welt veränderten. Reformentscheidungen, die sich an diesem Kompass ausrichteten, seien Entscheidungen, die den Menschen dienten. Hierzu zählte Koch die Frage nach dem Umgang mit der Stammzellenforschung. Hier bekannte er sich klar zur christlichen Grundhaltung von der Unverfügbarkeit des Lebens.

Werte als Maßstab und Orientierungspunkte für die Gesellschaft

Koch plädierte für Toleranz gegenüber anderen Kulturen mit anderen Wertvorstellungen, gleichzeitig jedoch für eine klare Verständigung über die Werte im eigenen Land. Ähnlich den  mächtigen Säulen, die das Dach der Friedberger Stadtkirche tragen, seien diese Werte Maßstab und Orientierung für die Gesellschaft. Politik müsse versuchen, an einer Gesellschaft mitzuwirken, die sich nicht völlig uneins sei über das, was ihr wichtig sei. „Wenn wir das nicht schaffen, fliegt uns unsere Gesellschaft um die Ohren.“

Beim anschließenden Empfang des Dekanates war Gelegenheit, Kochs Thesen weiterzudiskutieren und Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen.   

[Annegret Rach / RD]