Meldung

30. März 2009


Gemeinschaftserfahrungen während der Konfirmandenzeit als wichtiger Baustein für die Entwicklung Jugendlicher

Studie zur Konfirmandenarbeit veröffentlicht


Konfirmanden
Quelle: Claudia Pfannemüller
Jugendgottesdienst mit Konfirmanden in Offenbach

„Bei der Gemeinschaft zu sein, finde ich toll, mit allen zusammen sein“, schrieb eine Konfirmandin als freie Anmerkung auf ihren Fragebogen zur bundesweiten Studie zur Konfirmandenarbeit. Die EKHN sowie die weiteren Gliedkirchen der EKD nahmen an dieser Befragung teil. Die Studie wurde vom Lehrstuhl für Praktische Theologie /Religionspädagogik der Universität Tübingen (Prof. Friedrich Schweitzer), der EKD und dem Comenius-Institut (Dir. Volker Elsenbast) durchgeführt.  Am 18. März 2009 fand im RPZ Schönberg die Präsentation sowohl der EKB Daten, als auch der auf die EKHN bezogenen Daten statt.
An der Konfirmandenarbeit nehmen vor allem Jugendliche zwischen 13 und 14 Jahren teil – die Zeit der Pubertät, die Zeit der Geschlechtsreife, der hormonellen Veränderungen. Die Mädchen und Jungen sind auf dem Weg, sich von den Eltern abzulösen und neue Bindungen einzugehen – eine Phase, die sensibler und einprägsamer Begleitung bedarf.  
Die Ergebnisse zeigen, dass die Jugendlichen die Zeit der Konfirmation offenbar positiv erleben: 72 Prozent gaben an, dass sie mit ihrer Konfirmationszeit insgesamt sehr zufrieden seien.

Gemeinschaft erleben

Der Auswertungsbericht 2009 unterstreicht die oben genannte Aussage der Konfirmandin, denn 74 Prozent der Konfirmandinnen und Konfirmanden haben im Frühsommer ihre Konfirmationsgruppe als eine gute Gemeinschaft erlebt. Die „Konfi-Freizeiten“ fanden mit 78 Prozent somit auch die größte Zustimmung. Damit haben die Pfarrerinnen und Pfarrer sowie die Mitarbeitenden, die für den Konfirmandenunterricht verantwortlich sind, größtenteils ihr Ziel erreicht: 92 Prozent der Verantwortlichen war es wichtig, dass die Jugendlichen Gemeinschaft erleben. Für die 13- bis 14-Jährigen ist die Konfirmandenzeit somit ein wesentlicher Baustein für ihre psycho-soziale Entwicklung. Pfarrer Uwe Martini, Direktor des Religionspädagogischen Studienzentrums Schönberg, erläutert: „Gute Konfirmandenarbeit stellt den Jugendlichen die Zeit und die Möglichkeit zur Verfügung, um auszuprobieren, inwieweit christliche Inhalte in ihrer spezifischen evangelischen Variante ihnen helfen, sich in der Gesellschaft zurechtzufinden und  sich ihrer selbst zu vergewissern als die Person, die sie sein möchten.“

Wunsch nach Wertschätzung

Die Studie bestätigt allerdings auch ein Klischee: Die meisten Jugendlichen (58 Prozent) möchten sich zu Beginn der Konfirmandenzeit konfirmieren lassen, um am Ende Geld oder Geschenke zu erhalten. Allerdings folgen dicht darauf der Wunsch nach einem großen Familienfest, Gemeinschaftserlebnissen und dem Segen bei der Konfirmation.
„Für mich steht hier im Mittelpunkt der Wunsch der Jugendlichen wertgeschätzt zu werden, gefeiert zu werden, beschenkt zu werden, gesegnet zu werden.  Der Wunsch, beschenkt zu werden, sei es materiell oder spirituell, löst für mich den vermeintlichen Gegensatz Geld oder Segen auf, “ kommentiert Uwe Martini.  

Interesse an Glaubensthemen

Allerdings sind die befragen Jugendlichen grundsätzlich an christlichen Themen interessiert. 72 Prozent möchten sich mit dem Sinn des Lebens beschäftigen, 89 Prozent mit dem Thema Freundschaft und 66 Prozent sind für Gerechtigkeit und Verantwortung für andere zu begeistern. Von Jesus Christus möchten 54 Prozent der Konfirmanden erfahren. Am Ende ihrer Konfirmandenzeit bestätigen rund zwei Drittel, dass sie mehr über Gott und Glauben erfahren haben und 52 Prozent fühlen sich in ihrem Glauben an Gott gestärkt. Einer der höchsten Lernfortschritte wird geäußert in der Frage  „Ich weiß, was zum christlichen Gauben gehört.“  14  Prozent der Jugendlichen wissen dies am Ende deutlich besser als vorher. Offensichtlich vermittelt die Konfirmandenarbeit den Gegenstand des Glaubens  und steigert die Sachkenntnisse über das Christentum und die Kirche.   

Haltung zu Glaube und Kirche entwickelt sich positiv – attraktive Angebote nach Konfizeit fehlen

Auch das Bild von Kirche änderte sich im positiven Sinn: Zunächst war es 36 Prozent der Jungendlichen wichtig, dass sie zur Kirche gehören, später waren es 42 Prozent. Eine auffallend hohe Zustimmung von 74 Prozent erhielt die Aussage „Die Kirche tut viel Gutes für die Menschen“, zuvor waren es 68 Prozent.
Ein weiterer Erfolg der Konfirmandenarbeit  besteht darin, dass eine Steigerung von Beginn bis Ende der Konfizeit in der Anzahl der Jugendlichen zu verzeichnen ist, die bereit sind, sich in der Gemeinde zu engagieren. Aber es stehen in der Regel keine attraktiven Angebote zur Verfügung.

Unterschiedliche Ansprüche von Schule und Konfirmandenunterricht

Deutlich kristallisieren sich in den Ergebnissen die erhöhten Ansprüche der Schule an die Schüler und die daraus entstehenden Konflikte heraus. So formulierten die Hauptverantwortlichen in ihren Antworten den Eindruck, dass die Jugendlichen zunehmend müde und erschöpft zur Konfirmandenarbeit erschienen, der Unterricht in den Spätnachmittag verschoben werden müsse oder einige Eltern wegen schulischer Probleme die Teilnahme an Konfi-Freizeiten verböten. 47 Prozent gaben an, dass hin und wieder einzelne Konfirmanden Probleme hätten, die Zeit für Konfi-Termine freizuhalten. Eine Mutter teilte im Rahmen der Befragung mit, dass sie sich mehr Flexibilität zwischen Schule und Kirche wünsche. Zu Beginn ihrer Konfirmandenzeit gaben 80 Prozent der Jugendlichen als Ziel an, möglichst ohne großen Stress durch die Konfirmandenzeit zu kommen.

Verbesserungsbedarf

Weiterhin zeigt die Studie, dass die Jugendlichen sich in bestimmten Bereichen Verbesserungen wünschen. So empfinden einige den Unterricht und die Gottesdienste als langweilig. „In der Studie steht aber nicht nur die Konfi-Arbeit auf dem Prüfstand, sondern auch die Evangelische Kirche als solche“, erläutert Studiendirektor Martini. Hier würden ebenso allgemeine Probleme unserer Kirche aufgezeigt wie beispielsweise die  geringe Zufriedenheit der Jugendlichen mit den Sonntagsgottesdiensten. „Das ist nicht nur ein Problem der Konfis.“ Weiterhin stimmt ihn nachdenklich, dass nur 33 Prozent der Befragten erfahren haben, dass ihre Glaubensfragen zur Sprache kommen. „Dass die Kirche `auf die Fragen, die mich bewegen keine Antwort hat´,  entspricht dem Lebensgefühl der Mehrheiten unserer Gesellschaft,“ mahnt Martini.

Die Jugendlichen hatten die Chance, Verbesserungsvorschläge zu formulieren: „Mehr Freizeit, mehr Spiele, nicht immer das Gleiche, Gottesdienste besser gestalten.“ Oder: „Mit mehr Spaß und Freude den Konfirmandenunterricht gestalten, denn Gott will uns auch beim Lernen lachen sehen!“

[ Rita Deschner, UM, SK]