Bericht

23. Mai 2006

Keine Beweise für mögliche Nachkommen Jesu

Theologen diskutierten über den Film "The Da Vinci Code - Sakrileg"



Podiumsdiskussion
Quelle: EKHN
Podiumsdiskussion im Kinosaal - von links: Moderator Pfarrer Helwig Wegner-Nord, Prof. Ute Eisen, Dr. Elisabeth Hurth, Pfarrer Werner Schneider-Quindeau

Jesus soll mit Maria Magdalena ein gemeinsames Kind bekommen haben; er soll auch nicht der Sohn Gottes gewesen sein, sondern nur ein außergewöhnlicher Mensch, der von Gott inspiriert war. Diese steilen Behauptungen sind das Geheimnis, dem Professor Robert Langdon (Tom Hanks) und die Verschlüsselungsexpertin Sophie Neveu (Audrey Tautou) in dem Film „The Da Vinci Code – Sakrileg“ auf die Spur kommen. Es stellt sich sogar heraus, dass Sophie Neveu die letzte Nachfahrin  Jesu ist. „Der Film bietet die Gelegenheit für die Kirche darüber aufzuklären, was tatsächlich aus historischer Sicht über Jesus und Maria Magdalena bekannt ist,“ erklärte die katholische Theologin Dr. Elisabeth Hurth im Rahmen der Podiumsdiskussion, zu der am 22. Mai die Evangelische Sonntagszeitung im Kinopolis im Main-Taunus-Zentrum bei Frankfurt eingeladen hatte. Im Anschluss an den Film moderierte Pfarrer Helwig Wegner-Nord die Runde, an der sich  neben der katholischen Theologin auch die evangelische Giessener Theologieprofessorin Ute E. Eisen und der evangelische Filmexperte Pfarrer Werner Schneider-Quindeau beteiligten.

Was war wirklich zwischen Jesus und Maria Magdalena?

„Die Maria Magdalena aus dem Film hat nichts mit der historischen Figur zu tun. Wir wissen, dass sie eine der engsten Jüngerinnen Jesu war, die auch in der Nachfolge Jesu stand,“ erklärte die Bibelwissenschaftlerin Ute Eisen. Die Beziehung zwischen Maria Magdalena und Jesus habe aber höchst wahrscheinlich nicht im Sinne einer Ehe stattgefunden. Wäre dies der Fall gewesen, hätten dies die Texte der Bibel sicher nicht geleugnet. „Denn drei Evangelisten beschreiben beispielsweise auch Petrus  als verheirateten Mann.“

Faszination an Mystik, Verschwörung und der Kritik an der Institution Kirche

Aber was reizt Autoren und Filmemacher biblische Motive mit wilden Verschwörungstheorien zu verknüpfen? „Die Menschen haben ein Bedürfnis nach Mystik, Verschwörung und der Kritik an der Institution Kirche“, erläuterte  Filmexperte Schneider-Quindeau. Die Kirche habe zum Teil selbst den Grund dafür geliefert. „Die Kirche hat der guten Botschaft durch ihre eigene Geschichte oft geschadet.“ Die evangelische Professorin bestätigte: „Ja, die Hexenproszesse gab es tatsächlich und die Frauengestalten des frühen Christentums wurden lange verdrängt, so zum Beispiel die Apostelin Junia.“

Jesus ist mehr als ein besonderer Mensch

An der christliche Lehre, dass Jesus gleichzeitig Mensch und Gott sei, hielten die Diskussionsteilnehmer fest. Elisabeth Hurth betonte: „Es ist natürlich leichter zu verstehen, dass Jesus nur Mensch gewesen sein soll, das greift der Film auf. Für Christen bedeutet Jesus mehr. Für uns ist er ein Heilsbringer, der den Opfertod erlitten hat.“

[Rita Deschner]