Bericht

13. Januar 2009

Deutschland sucht den Superstar - Erfolg auf Kosten der Teilnehmer?

Online-Redaktion im Gespräch mit Fritz Penserot

 

„Jeder will hier für fünf Minuten mal ein „Star“ sein! Und für diese fünf Minuten – plus das über einige Tage nachplätschernde schadenfrohe Medienecho – sind viele, viel zu viele, bereit, sich demütigen zu lassen, sich lächerlich zu machen, sich bloßzustellen“, so Fritz Penserot, der Sendereauftragte der EKD über die aktuelle Staffel von Deutschland sucht den Superstar, kurz DSDS. Diese läuft seit ein paar Wochen in der mittlerweile sechsten Staffel auf RTL. Und wie es in den ersten Folgen so üblich ist, dürfen auch dieses Mail wieder selbst untalentierte Musiker ihre Stimme einem Millionenpublikum vorstellen.

"Du bist der schlechteste Gitarrist, den ich in sechs Staffeln DSDS gehört habe"

„Man fragt sich jedes Mal, ob das denn unbedingt sein muss, dass die Redaktion der Show gezielt Personen vor die Kamera holt, deren Ausdruckskraft und Darstellungsvermögen nun definitiv nicht für diese Casting-Show geeignet sind und die nur als Stichwortgeber für die eindimensionale Sprachwelt von Dieter Bohlen in die Sendung geholt werden“, gibt Penserot zu bedenken. DSDS ist eine Talentshow, bei der sich jeder bewerben darf. Alle Teilnehmer müssen vor einer Promi-Jury vorsingen, die besten 50 Teilnehmer nehmen dann an Gesangsshows teil. Nach jeder Show kommen nur ein paar Teilnehmer in die nächste Runde. Unter den letzten drei dürfen die Zuschauer dann telefonisch den Sieger der Staffel wählen, der einen Plattenvertrag bekommt. Schlechte Teilnehmer werden zur Unterhaltung der Zuschauer von Jurymitglied Dieter Bohlen und seinen Kollegen mit zum Teil demütigenden Sprüchen bedacht. Penserot erinnert sich, dass am vergangenen Samstag, 7. Februar 2009, Bohlen und sein Redaktionsteam erwartungsgemäß die Chance ergriffen, um die zweifelhaften Musikkünste eines unglücklichen Sängers zu verunglimpfen. "Du bist der schlechteste Gitarrist, den ich in sechs Staffeln DSDS gehört habe", so lauten die noch eher freundlich formulierten Beurteilungen, andere greifen weniger zimperlich in den Wortschatz der Vulgärsprache. Fraglich bleibt dabei, ähnlich wie beim Dschungelcamp, die Rolle des Zuschauers.

Einfach ignorieren

Penserot erläutert: „Das Publikum schaut voller Empörung oder auch Schadenfreude zu, und es stellt sich die Frage, ob man solcherlei unglückliche Protagonisten nicht vor sich selbst schützen muss. Denn deren Selbst-Demontage ist bisweilen so erschütternd, dass man glaubt, Grundwerte der Gesellschaft in Mitleidenschaft gezogen zu sehen. Sicher, es gibt vieles, was man nicht unwidersprochen stehen lassen kann, angefangen von der ätzenden Wirkung der Häme, über die Langzeitwirkung der Verhöhnung Schwacher, bis hin zu Scheinheiligkeit selbsternannter Saubermann-Medien. Eines ist jedoch klar: Jede Stellungnahme wäre weiteres Wasser auf die Mühlen der Bohlen’schen Vermarktungskette."

Die Lösung des Problems...

Laut Penserot entpuppt sich diese Show allerdings als ein Dreiecksverhältnis zum gegenseitigen Nutzen: Die Bohlen-Produktion verschaffte sich mit zweifelhaften Mitteln Aufmerksamkeit. Die untauglichen Protagonisten geben definitiv alles dafür, um für die wenigen Augenblicke im Rampenlicht zu stehen, und das zuschauende Publikum sehe sich – wenn auch mit gemischten Gefühlen – im besten Falle unterhalten. Blieben noch die Zaungäste, die die kritischen Selbstentblößungen und die sie begleitenden Sprach-Entleerungen eines Bohlen widerlich finden. Für diese – vermutlich gar nicht so kleine – Gruppe der Gesellschaft hat der evangelische Medienexperte eine Lösung parat: "Einfach abschalten“.

 

[Dominik Meise/PWS]