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Der Kirchenpräsident würdigt Äußerung des Papstes zur Ökumene
"Papst Benedikt hat auf seiner Reise tiefe Glaubensüberzeugungen ausgesprochen, die alle Christen miteinander teilen"
"Ich freue mich, dass der Papst die Ökumene bei seinem Besuch in Deutschland als wichtiges Anliegen benannt hat", sagte Prof. Peter Steinacker, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in Darmstadt. Papst Benedikt XVI. hatte auf den Wunsch des Bundespräsidenten Horst Köhler nach Fortschritten in der Ökumene am 9. September am Münchener Flughafen geantwortet: "Auch wenn man 500 Jahre nicht einfach bürokratisch oder durch gescheite Gespräche beiseite schieben kann, wir werden uns mit Herz und Verstand darum mühen, dass wir zueinander kommen."
Kurz darauf schilderte der Kirchenpräsindent seinen Eindruck: "Die Antworten von Papst Benedikt auf die Frage nach der Bedeutung der Ökumene klingen spontan und echt."
Von dem soeben zu Ende gegangenen Besuch in Bayern hatte der Kirchenpräsident allerdings für die Ökumene nicht viel erwartet. Peter Steinacker sagte am 15. September, dass die Aufmerksamkeit Benedikts den bayrischen Katholiken gegolten habe. Dabei habe Benedikt durch sein diplomatisches Verhalten sowohl Affronts als auch besondere Annäherungen vermieden und somit nichts verschlechtert und nichts verbessert. Seine Formulierung: "unsere Freunde aus den verschiedenen Traditionen der Reformation" scheine freundlich zu klingen, sei "in Wahrheit aber die diplomatische Vermeidung des Begriffs Kirche". Für Benedikt bleibe einstweilen alles beim Alten. Und das sei sehr schade, denn "Papst Benedikt hat auf seiner Reise tiefe Glaubensüberzeugungen ausgesprochen, die alle Christen miteinander teilen und die nicht speziell katholische Dogmen ansprechen. Hier beschreibt er eine gemeinsame Ebene, auf der wir in der Welt ökumenisch gut wirken könnten, wenn da nicht die in vielen Punkten theologisch kaum noch nachvollziehbare Abgrenzung der römisch-katholischen Kirche wäre."
Es gebe, so Stienacker, drängende geistliche Probleme, die viele Menschen wirklich belasten, zum Beispiel die Abendmahlsfrage bei konfessionsverschiedenen Ehen sowie die geistliche Bewertung der Frau. Vielversprechende gemeinsame Ansätze aus den neunziger Jahren, wie etwa die drei dicken Bände »Lehrverurteilungen - kirchentrennend?« müssten dringend fortgesetzt werden und lägen brach. Für die Zukunft erhofft sich Steinacker deshalb mehr. Dem Papst liege es erkennbar am Herzen, der säkularen Welt den christlichen Glauben näher bringen und die Welt mitgestalten. "Und das kann er mit uns besser", resümierte Steinacker.
[Stephan Krebs, Rita Deschner]
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN