Meldung

16. November 2006

Der Kirchenpräsident warnt vor "verdecktem Bildungskolonialismus" der Christen aus Deutschland

Missionswerk will Friedenserziehung stärken

 

Auf ihrer internationalen Delegiertentagung, die am Montagabend in Mainz zu Ende ging, haben rund
50  Vertreter des Evangelischen Missionswerks in Südwestdeutschland (EMS) aus zehn  Ländern in Europa, Afrika und Asien die Bedeutung kontinuierlicher Friedenserziehung als zentrale Aufgabe evangelischer Verkündigungs- und Missionsarbeit unterstrichen. Sie verabschiedeten mehrere Programme, mit denen  die Friedenserziehung junger Menschen in den Kirchen in Deutschland und im   Ausland verstärkt werden soll. Auch der Austausch so genannter ökumenischer Mitarbeiter zwischen in- und ausländischen Kirchen soll ausgebaut werden. Die EMS-Verantwortlichen wollen damit ihren konkreten Beitrag zu den Friedensbemühungen ihrer Kirchen in Krisengebieten wie Libanon, Südafrika,  Indonesien oder Südkorea sowie zu einer engagierten Friedenserziehung und einer  interreligiösen Dialogfähigkeit in Deutschland fortsetzen.
Im EMS sind 23 Kirchen zusammengeschlossen, darunter auch die die fünf Evangelische  Kirchen in Hessen und Nassau.

 
Kirchenpräsident Steinacker: „Wir sind in die Welt gesandt, um Frieden zu bezeugen!“

Gastredner des internationalen Kirchentreffens in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt war der Kirchenpräsident der EKHN, Prof.  Dr. Peter Steinacker. In einem engagierten Plädoyer trat er für eine Verstärkung der  Zusammenarbeit zwischen Kirchen in Deutschland und in anderen Ländern sowie mit  Vertretern anderer Religionen ein. Zugleich betonte das Kirchenoberhaupt die Bedeutung eines wechselseitigen ökumenischen Lernens. Christen in Deutschland könne man leichter dazu bewegen, andern zu helfen als dazu, von Glaubensgeschwistern aus  anderen Ländern zu lernen. Selbstkritisch fragte Steinacker, ob deutsche Christen damit nicht einen „verdeckten Bildungskolonialismus“ betreiben. Er bedauerte, dass es auch seiner Landeskirche in den vergangenen Jahren zu wenig  gelungen sei, junge Menschen für die Ökumene zu begeistern. „Seit Niemöller hat  sich die EKHN für Ökumene und Versöhnung eingesetzt. Dies muss auch in unseren Gemeinden wieder stärker ins Bewusstsein dringen“, mahnte Steinacker. Christen seien schließlich nicht in ihre Gemeinden gesandt, um sich dort wohlzufühlen, sondern mitten in die Welt, um dort den Frieden zu bezeugen und für ihn einzustehen“, so der Kirchenpräsident zu den EMS-Delegierten.

[EMS / RD]