Meldung

26. Juni 2007

Amerikanische Methodisten zu Besuch in der Propstei Oberhessen

Propst Eibach: "Gemeinsam Stimme gegen Armut und für Gerechtigkeit erheben!"

 

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Pfarrer Norbert Hott
Telefon 0 60 33 / 6 48 82

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Die Kirchen sollen ihre weltweite Vernetzung besser nutzen und gemeinsam ihre Stimme gegen Armut und für mehr Gerechtigkeit erheben. Dazu hat der oberhessische Propst Klaus Eibach bei der Begrüßung einer Gruppe methodistischer Christen und Christinnen aus den USA in Kaub am Rhein aufgerufen. Die politisch Verantwortung Tragenden bräuchten die Christenheit als geistesgegenwärtiges und mahnendes Gewissen, sagte das Mitglied des Leitenden Geistlichen Amtes der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).

Austauschprogramm

Die amerikanischen Gäste besuchen im Rahmen eines ökumenischen Austauschprogramms in der Zeit vom 19. Juni bis 15. Juli 2007 evangelische Gemeinden in der Propstei Oberhessen. In Kaub nahmen sie unmittelbar nach ihrer Ankunft in Deutschland an einer Einführungstagung teil. Die methodistischen Christen und Christinnen kommen aus Gemeinden der „United Methodist Church“ (UMC) im Bereich der „Northeastern Jurisdiction der UMC“ in den US-Bundesstaaten Maine, Pennsylvania und Rhode Island sowie aus West Virginia.

Besondere Beziehung zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten

„Als Christinnen und Christen sollen wir uns gegenseitig ermutigen, weltweit dem politischen Geschehen dort in die Speichen zu greifen, wo Frieden, Gerechtigkeit und die Schöpfung in Gefahr sind“, sagte Eibach. Die Vereinigten Staaten und Deutschland hätten eine besondere Beziehung miteinander, ohne das Eingreifen Amerikas wäre der Nationalsozialismus 1945 nicht niedergerungen worden. Allerdings, so Propst Eibach, führe heute militärische Gewalt immer weniger zu dauerhaftem Frieden. Militär in Irak oder in Afghanistan, wo auch deutsche Truppen stationiert sind, werde die Regionen nicht befrieden. Stattdessen müssten mehr Mittel in den wirtschaftlichen Aufbau der betreffenden Länder investiert werden, sagte Eibach.

Besuche und Besichtigungen

Zu der Besuchergruppe der methodistischen Kirche mit insgesamt 9 Personen gehören Pfarrer und Gemeindemitglieder. Sie sind in Oberhessen bei Gastgebern aus Kirchengemeinden privat untergebracht und wollen das Gemeindeleben und die Arbeit der Evangelischen Kirche hier kennen lernen. Auf dem Programm stehen außerdem Begegnungen mit dem Propst für Oberhessen, Besuche im Laubach-Kolleg der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), in den Evangelischen Dekanaten Vogelsberg und Gießen sowie eine Visite der Jugendwerkstatt Gießen. Am Anfang und Ende des Programms finden gemeinsame Vorbereitungs- und Auswertungstage statt.

Gegenseitiger Austauch

Das deutsch-amerikanische Austauschprogramm besteht seit 1961 und soll ein tieferes Verständnis für den christlichen Dienst von Kirchengemeinden in unterschiedlichen Gesellschaften wecken. Dabei besuchen sich Gemeindegruppen im Abstand von mehreren Jahren gegenseitig und erfahren so mehr über Formen kirchlichen Lebens in Deutschland und den USA. Zuletzt war eine oberhessische Delegation im Sommer 2006 in den USA, eine amerikanische Gruppe besuchte im Jahr 2004 Kirchengemeinden in Deutschland.

Von Unterschieden lernen

In Deutschland ist die Kirche als Institution aufgrund historischer Entwicklungen eng mit dem Staat verbunden und finanziert sich durch das Kirchensteuersystem. In den USA entwickelte sich durch die Trennung von Staat und Kirche dagegen ein freikirchliches System mit einer großen Vielfalt von Glaubensrichtungen. Deutsch-amerikanische Tagungen helfen, den Aufbau und die Geschichte der je anderen Kirche besser zu verstehen. Besonders wichtig dabei: gegenseitiger Rat zum Umgang beider Kirchen mit den Herausforderungen der multikulturellen und multireligiösen Situation in der jeweiligen Gesellschaft.

Die Methodistische Kirche (UMC) in Neuengland

Zur Methodistischen Kirche (UMC) in Neuengland gehören 538 Gemeinden, in denen über 770 Pfarrerinnen und Pfarrer Dienst tun oder Dienst getan haben. Die Gemeinden haben zusammen über 98.800 Mitglieder. Spitzenrepräsentant ist seit 2004 der 62-jährige Bischof Peter D. Weaver.

Geschichtlicher Hintergrund: Die methodistische Bewegung begann in der Mitte des 18. Jahrhunderts in England. Wurzeln der United Methodist Church in New England können bis zu einigen frühen methodistischen Predigern zurückverfolgt werden, die im 18. Jahrhundert nach Amerika kamen. Die methodistische Kirche in Amerika organisierte sich seit 1784, die erste Hauptversammlung ("New England Conference") fand 1795 statt. Weltweit hat die United Methodist Church ungefähr 17 Million Mitglieder, sie formierte sich 1968 neu durch den Zusammenschluss der "The Methodist Church" und der "Evangelical United Brethren Church".

Organisation: Höchstes Gremium der United Methodist Church ist die Hauptversammlung ("General Conference"), die alle vier Jahre zusammentritt. Die 67 Bischöfe und Bischöfinnen im Dienst bilden zusammen den pensionierten Bischöfen und Bischöfinnen den Bischofsrat ("Council of Bishops"), der sich halbjährlich trifft.

Die Neu-England Versammlung, "New England Conference", ist in 10 Distrikte unterteilt. An der Spitze jedes Distrikts steht ein/e "District Superintendent", der/die die Amtsgeschäfte in enger Absprache mit dem Bischof führt. Die "New England Conference" tritt jährlich Ende Mai, Anfang Juni zu ihrer regulären Tagung zusammen. Stimmberechtigt sind Pastoren des Distrikts und dieselbe Anzahl von Laien aus Kirchengemeinden. Rechenschaftsberichte über das vergangene Jahr werden diskutiert und Direktiven für das kommende Jahr beschlossen. Am Ende der Sitzung gibt der Bischof Versetzungen und die neuen Dienstaufträge der Pfarrer und Pfarrerinnen für das nächste Jahr bekannt.

Die Verwaltung der Methodistischen Kirche (UMC) in Neuengland hat ihren Sitz in der Stadt Lawrence in der Nähe von Boston im Bundesstaat Massachusetts.

 

Pfarrer Martin Reinel