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05. Juli 2007

Eindrücke vom Besuch bei der neuen Partnerkirche im Bundesstaat New York

Neue Partnerkirche in Amerika tritt für Gerechtigkeit und gegen den Irak-Krieg ein


„Die UCC bezieht Glaube und Weltverantwortung aufeinander", berichtete Oberkirchenrätin Cordelia Kopsch, Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten der EKHN. Unter ihrer Leitung war eine Delegation der EKHN in die USA gereist, um eine ökumenische Partnerschaft mit der United Church of Christ (UCC) im Bundesstaat New York offiziell zu beginnen. Am 22. Juni 2007 wurde der Bundesschluss anlässlich der Generalsynode der UCC zu ihrem 50. Jahrestag in Hartford/Connecticut vollzogen.

Cordelia Kopsch umriss die Positionen der neuen Partnerkirche: "Dazu gehören die Kritik am Irak-Krieg, das Eintreten für Gerechtigkeit und für die Akzeptanz von Homosexualität. Die UCC bietet Platz für Menschen mit ganz unterschiedlicher Herkunft." John H. Thomas, Kirchenpräsident der UCC, bestätigte diesen Eindruck, indem er einen Hirtenbrief vortrug, den auch die US-Regierung und der Kongress erhielten. Darin bezeichnen die zentrale Kirchenleitung der UCC sowie die 45 Leiterinnen und Leiter der regionalen Konferenzen den Irak-Krieg als Fehler und rufen dazu auf, ihn rasch zu beenden.

Zu den Verabredungen zwischen EKHN und UCC gehört, dass die Leitung der New-York-Conference der UCC für April 2008 zu einem offiziellen Gegenbesuch eingeladen wurde. Sofern die Finanzierung gesichert werden kann, soll eine Jugenddelegation zum Jugendkirchentag der EKHN im Frühsommer 2008 nach Rüsselsheim kommen. Im Herbst soll eine Delegation aus UCC-Gemeinden die Dekanate in Frankfurt und Wiesbaden besuchen. Für die Zukunft sind Personalaustausch, ein gemeinsames Jugendprojekt in Südafrika und Zusammenarbeit bei Glaubensthemen geplant.

Fotos Bildbeschreibung Hintergrund
Unterzeichnung Vergrößerung

Peter Klein (Vorsitzender des Dekanatsvorstandes Wiesbaden),

Barbara Mielert (Dekanatssynodalvorsitzende des Dekanats Frankfurt-Nord),Cordelia Kopsch (Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten) und Reverend Geoffrey Black (Conference Minister UCC NY) unterzeichnen das Dokument des Bundesschlusses

Mit einer feierlichen Zeremonie haben die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und die United Church of Christ (UCC) im Staat New York am 22. Juni 2007 eine offizielle Partnerschaft begründet. Der Bundesschluss wurde anlässlich der Generalsynode der UCC zu ihrem 50. Jahrestag in Hartford/Connecticut vollzogen.
Bislang hatte die EKHN nur Partnerschaften zu Kirchen in Asien, Afrika und Europa. Sie sind jeweils einzelnen Regionen der EKHN zugeordnet. Die Partnerschaft mit der UCC wird in den Städten Wiesbaden und Frankfurt verankert. Die dortigen Dekanate bilden einen gemeinsamen Partnerschaftsausschuss. Die Delegation wurde von der Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten Cordelia Kopsch geleitet.

Vergrößerung Als Bundesgeschenk erhält die EKHN-Delegation eine Fahne der UCC New York

Die United Church of Christ entstand 1957 durch den Zusammenschluss der Deutschen Evangelischen und reformierten Kirche und der Kongregationalistischen christlichen Kirche in Amerika. Die UCC-Gemeinden sind in Konferenzen (Conferences) zusammengefasst, die mehrheitlich das Gebiet eines US-Staates umfassen. Der mit der EKHN nun partnerschaftlich verbundenen New-York-Konferenz gehören 296 Gemeinden mit etwa 43.000 Mitgliedern an.

Vergrößerung Bei der Bundeszeremonie überreicht Geoffrey Black Cordelia Kopsch und Sigurd Rink eine Stola der UCC.

Den Conferences steht ein Conference-Minister vor. Die Conference im Staat New York wird von Reverend Geoffrey Black geleitet. Seine Zentrale ist in Syracuse.

Vergrößerung Als Gastgeschenk bringt die EKHN-Delegation einen Abendmahlskelch mit. Cordelia Kopsch überreicht ihn bei der Bundeszeremonie an Geoffrey Black  
Vergrößerung Der Abendmahlskelch

Der Kelch war in Zusammenarbeit mit dem Zentrum Verkündigung von dem Frankfurter Silberschmiedehepaar Charlotte Gehrig und Marc Hilgenfeld entworfen und gefertigt worden. Ein ähnlicher Kelch wurde auch für das in Frankfurt ansässige Zentrum Verwendung geschaffen.

Vergrößerung Die Sitzung der Konferenz-Leitung beginnt mit Musik zum Mitmachen. Die UCC integriert auch musikalisch verschiedene Kulturen. Zu jedem Lied gibt es auch eine spanische Strophe. In der UCC passen Herz und Kopf, Synode und Glaubensfest gut zusammen. Sitzung, Musik und Gebet, das geht ineinander über und durchdringt sich gegenseitig.
Vergrößerung Friedensgruß

Herzliche Umarmung der EKHN-Gäste bei der Bundeszeremonie im Rahmen eines Gottesdienstes.

Vergrößerung Die EKHN-Delegation wird beklatscht. Im Vordergrund von links Pfarrer Sunny Panitz, Barbara Mielert und Cordelia Kopsch Cordelia Kopsch über ihre Eindrücke von der UCC:

„Die UCC bezieht Glaube und Weltverantwortung aufeinander. Ihre gesellschaftlichen Positionen erwachsen aus dem Studium der Bibel. In der UCC werden Entscheidungen bewusst getroffen. Dann werden sie auch klar und ohne Angst vor Kritik in Kirche und Öffentlichkeit vertreten. Dazu gehören die Kritik am Irak-Krieg, das Eintreten für Gerechtigkeit und für die Akzeptanz von Homosexualität. Die UCC bietet Platz für Menschen mit ganz unterschiedlicher Herkunft. Dazu gehören Deutschstämmige, Samoaner, Afrikaner und Latinos.“

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Reverend Geoffrey Black und Jean Goldon übereichen als Geschenk einen Originalausschnitt aus einer Zeitung aus New England über den Besuch Martin Niemöllers 1953.

Der Name Martin Niemöllers ist in den USA auch nach Jahrzehnten unvergessen. Er reiste jahrelang unermüdlich durch die USA und viele andere Länder, um das Bild der Deutschen zu verbessern. Neben seinem Amt als Kirchenpräsident der EKHN leitete er jahrelang auch das Außenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und war maßgeblich an der Organisation der Care-Pakete beteiligt.

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Cordelia Kopsch im Gespräch mit Reverend Geoffrey Black, dem Conference Minister der UCC NY

Amerikanische Kirchen haben ein anderes Verständnis von Mitgliedschaft als die Landeskirchen in Deutschland. Die UCC zählt als Mitglieder nur diejenigen, die regelmäßig zum Gottesdienst kommen. Wer nicht kommt, wird umgehend kontaktiert um festzustellen, ob alles in Ordnung ist. Die Gemeinschaft wird sehr hochbewertet. UCC-Gemeinden haben im Durchschnitt etwa 300 Mitglieder, tatsächlich reicht die Bandbreite von 20 bis 3000. Jede UCC-Gemeinde ist autonom. Sie stellt ihren Pfarrer oder ihre Pfarrerin direkt ein, bezahlt direkt und entlässt sie gegebenenfalls direkt. Sie ist auch für ihre Finanzen unmittelbar verantwortlich, von denen sie einen Beitrag von etwa zehn Prozent der Einnahmen an die übergemeindlichen Strukturen der UCC abgibt.

Vergrößerung Altartisch mit Kollektenkörben

Amerikanische Kirchen können nicht mit relativ verlässlichen Einnahmen, etwa aus einer Kirchensteuer, rechnen. Sie müssen für jedes Vorhaben, wie zum Beispiel eine Partnerschaft, einen Fonds eröffnen und Geld sammeln. Kollekten und Fundraising-Maßnahmen sind deshalb fester Bestandteil fast aller Veranstaltungen.

Vergrößerung Cordelia Kopsch im Gespräch mit Kirchenpräsident John H. Thomas Insgesamt hat die UCC in den USA etwa 5.600 Gemeinden mit 1,2 Millionen aktiven, das heißt regelmäßig den Gottesdienst besuchenden Mitgliedern, etwa 10.000 Pfarrerinnen und Pfarrern sowie 350 diakonische Einrichtungen und 45 Schulen. Besonders stark vertreten ist sie in den sogenannten New-England-Staaten im Nordosten der USA sowie in Pennsylvania, wo sich viele deutsche Einwanderer nieder gelassen haben. Ihre Zentrale ist in Cleveland, wo Kirchenpräsident John H. Thomas seinen Sitz hat. Alle zwei Jahre findet eine Generalsynode statt, zu der alle Konferenzen Delegierte schicken. Sie können für die einzelnen Gemeinden keine verbindlichen Entscheidungen treffen. Sie können aber Impulse geben und die UCC in der Öffentlichkeit repräsentieren.
Vergrößerung Plenum der Generalsynode

Die 1957 entstandene UCC machte aus ihrem 50. Jubiläum eine große Party, die in vielem einem evangelischen Kirchentag ähnelte. Mit 15.000 Teilnehmenden füllte sie im Rahmen einer Generalsynode eine große Mehrzweckhalle in Hartford mit gläubiger Begeisterung und familiärer Herzlichkeit. Kirchenpräsident Thomas trug einen Hirtenbrief vor, den auch die US-Regierung und der Kongress erhalten. Darin bezeichnet die zentrale Kirchenleitung der UCC sowie die 45 Leiterinnen und Leiter der regionalen Konferenzen den Irak-Krieg als Fehler und rufen dazu auf, ihn rasch zu beenden. Die US-Politik müsse nicht auf Sanktionen und Gewalt beruhen sondern auf multilateralen Beziehungen. Nationale Sicherheit sei nicht durch Unterdrückung anderer zu erreichen. Der Brief wurde von der Generalssynode unterstützt.

Vergrößerung Der riesige Altar ist nach amerikanischem Geschmack üppig gestaltet. Darauf darf ein Modell des Sklavenschiffs Amistad nicht fehlen. Es erinnert an die lange Tradition des Kampfes für die Menschenrechte in den Vorgängerkirchen der UCC und in der UCC selber.

Die UCC versteht sich insgesamt als eine Kirche, die offen ist für verschiedene Kulturen, verschiedene Hautfarben und Homosexualität. Sie verknüpft Frömmigkeit mit gesellschaftlichem Engagement. Aktiv tritt sie für ökologische Reformen ein und engagiert sich gegen den Irak-Krieg. Die UCC ist stolz darauf, dass Mitglieder ihrer Vorgängerkirchen zu den führenden Persönlichkeiten der Menschenrechtsbewegungen in den USA gehörten. Zu ihnen zählen die Unterstützer der afrikanischen Sklaven, die das Sklavenschiff „Amistad“ aufbrachten, sowie elf Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung. Eine UCC-Vorgängerkirche ordinierte bereits im 19. Jahrhundert die erste weibliche Pfarrerin. Die UCC ordinierte 1972 als erste Kirche weltweit einen offen homosexuell lebenden Pfarrer und 1976 als erste gemischte Kirche einen Afroamerikaner als Kirchenpräsidenten.

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Minister (Pfarrerin) Da Vita McCallister hält die Eröffnungspredigt mit Turnschuhen – wie damals ein hessischer Minister.

Die UCC öffnet sich bewusst der Jugend. Darauf legte sie bei ihrem Jubiläumsfeier großen Wert.
Eine Kirche im Aufbruch will die UCC sein, die ihre Krise hinter sich lässt. 1970 hatte die UCC noch über zwei Millionen Mitglieder. Nun sind es noch etwas mehr als die Hälfte. Überalterung ist die Hauptursache. Aber auch quälende Debatten über das Profil der UCC Mitte der 80-er Jahre. Die Ablehnung des Golfkriegs und die Entscheidung, gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu trauen und Homosexuelle im Pfarramt zu akzeptieren, mochten nicht alle mittragen. 90 Gemeinden verließen deshalb die UCC. Doch die Richtungsentscheidungen wurden durchgehalten. Seit einigen Jahren wächst die UCC wieder. Für die EKHN-Delegation  war es aufschlussreich zu erleben, wie vital und positiv dort das Verhältnis zur eigenen Kirche ist. Und welch elementares Lebenselixier der Glaube ist.

Vergrößerung Zur Komma-Kampagne gehört ein umfangreiches Merchandising-Angebot

Zum 50. Geburtstag präsentiert sich die UCC mit gezielten Kampagnen als fromme, politisch bewusste und zukunftsorientierte Kirche. Sie vergibt zum Beispiel eine Preis für die beste Predigt zum Thema Menschenrechte. Mit einer andauernden Kampagne hat sie sich als Erkennungszeichen ein rotes Komma gegeben. Das Zeichen steht dafür, dass ein Satz noch nicht abgeschlossen ist. „Mache keinen Punkt, wo Gott ein Komma gesetzt hat“ lautet ein Slogan dazu. Und der andere: „Gott spricht immer noch.“ Für die UCC ist das ein Ansporn, Gottes Stimme heute zu hören und weiter zu tragen. Sie sieht sich als eine Komma-Kirche, die gezielt neue Bevölkerungsgruppen wie Latinos und junge Leute anspricht und in der alle Hautfarben und Kulturen Platz haben. Vielfalt ist die Identität der UCC. Nicht jede Gemeinde bildet diesen Anspruch ab.

Vergrößerung UCC-Kirchenpräsident John H. Thomas stellt sich auf der Pressekonferenz kritischen Fragen nach dem Profil der UCC Nicht alle Mitglieder fühlen sich in dieser bunten Kirche ganz wohl. Dafür sind die Milieus in der Wohnbevölkerung der USA zu stark getrennt. Aber Kirchenpräsident Thomas ist sicher, dass es falsch wäre Konflikte zu vermeiden. Für ihn kommt es darauf an, wie man mit ihnen umgeht. Dazu passt der Slogan, mit dem die UCC ihr Jubiläum feierte: „We are 50 years bold“. Bold ist nicht nur ein Wortspiel mit  old (alt) sondern ein eigenes Wort, das „kühn“ meint.
Vergrößerung Vor vollem Haus sprach der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama, UCC-Mitglied aus Chicago, vor der Synode.

Präsidentschaftskandidat Barack Obama ist selber Mitglied der UCC. Er steht für Werte, die sich die UCC auf die Fahnen geschrieben hat: Ausgleich zwischen arm und reich, sanfter Umgang mit der Schöpfung und Ende des Irak-Krieges. Er wurde begeistert gefeiert.

Vergrößerung Barbara Mielert (Rechts) im Gespräch

Barbara Mielert, Dekanatssynodalvorsitzende des Dekanats Frankfurt-Nord über ihre Eindrücke von der UCC:
„Mich hat die Herzlichkeit und die Wärme beeindruckt, die offenbar durch unseren ersten Besuch entstanden ist. Mir gefällt die engagierte Art Gottesdienste zu gestalten und der Mut dabei neue Formen auszuprobieren. Dazu gehört auch die dynamische Musik. Diese Lebendigkeit ist attraktiv für neue Menschen und baut Hemmschwellen ab.“

Vergrößerung Peter Klein (Rechts) im Gespräch

Peter Klein, Vorsitzender des Dekanatsvorstandes Wiesbaden über sein Eindrücke von der UCC:
„Meine Leitfrage ist: Welche Zukunft hat unsere Kirche? Die EKHN wird in Zukunft in einer ähnlichen Situation wie die UCC sein. Von der UCC können wir lernen, wie sie ihre Mitglieder begeistert und an sich bindet. Dazu gehört auch der viel direktere Bezug der Pfarrerinnen und Pfarrer zu ihrer Gemeinde.“

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Propst Sigurd Rink (rechts) Gespräch mit seinem „Amtskollegen“, dem regionalen Koordinator für die Stadt New York, Reverend Michael Caine, der gegenüber den Gemeinden allerdings nur beratende Funktion hat

Dr. Sigurd Rink, Propst für Süd-Nassau über seine Eindrücke von der UCC:
„Ähnlich wie die EKHN umfasst unsere Partnerkonferenz New York einen Ballungsraum und viele ländliche Regionen um ihn herum. Die UCC ist eine aufgeschlossene Kirche. Sie hat eine tolle Art mit Herausforderungen umzugehen. Sie benennt klar ihre Probleme und geht sie lösungsorientiert an.“



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[Stephan Krebs / Rita Deschner]