Meldung

13. Juli 2007

"Die Zukunft der Kirche wird ökumenisch sein"

Propst Dr. Klaus Volker Schütz zu Vatikandokument

 

Rheinhessen/ Mainz, 13.7.2007. In den evangelischen Kirchengemeinden der Region hat die neueste Verlautbarung der römischen Glaubenskongregation („Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“) tiefe Enttäuschung und Verärgerung ausgelöst. „Zum wiederholten Male und ohne besonderen Anlass, wird unterstrichen, dass die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen aus römischer Sicht nicht als Kirchen im eigentlichen Sinn, sondern nur als „Gemeinschaften" zu verstehen sind“; sagte Dr. Klaus-Volker Schütz, der Propst für Rheinhessen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Nach katholischer Auffassung weisen sie in wesentlichen Fragen des priesterlichen Amtes und der Apostolischen Sukzession erhebliche „Defekte“ auf, zitiert Schütz das Dokument. „Gerade für diejenigen in unserer Kirche, die sich seit Jahren für die Ökumene vor Ort einsetzen, ist das ein schwerer Schuss vor den Bug“, so Schütz weiter. Da helfe es auch wenig, wenn die Sache nun nachträglich von katholischen Amtsträgern vor Ort, heruntergespielt werde, sagte Schütz.

Seit längerem beobachte er, wie von Rom aus eine Entwicklung, die konservative Positionen stärkt und theologisch offenere und ökumenische Ansätze maßregelt, ja mit Denkverboten versieht. Längst sei es so weit, dass dadurch auch die ökumenische Zusammenarbeit vor Ort beschädigt werde, so der Theologe, das Mitglied im Leitenden Geistlichen Amt der EKHN ist. 

In dem jetzt vorgelegten Dokument werden dogmatische Positionen des römischen Katholizismus zum Maßstab für alle Kirchen gemacht. Fragestellungen zur Kirchenlehre werden lehramtlich erklärt, aber man vermisst das brennende Verlangen, die Einheit der Christen wirklich praktisch und konkret voran zu bringen.

„Kirche im evangelischen Sinn ist nur ökumenisch zu denken, als eine Kirche des Diskurses und Dialoges, als gleichberechtigte Dienstgemeinschaft von Männern und Frauen, von Haupt- und Ehrenamtlichen, als Einheit in Vielfalt, die sich nur an einem zu orientieren hat - am Auftrag des Evangeliums selbst“, fasst Schütz das evangelische Kirchenverständnis zusammen. Seiner Auffassung nach, wäre es ein gutes Bescheiden, das der römisch-katholischen wie auch der protestantischen Theologie ja alles andere als fremd ist, wenn man mehr darauf baue, dass letzten Endes Christus allein beurteilen kann, was Kirche im ursprünglichen Sinne ist. „Auch wenn die Hoffnung auf einen Wandel der ökumenischen Situation in diesen Tagen erneut in Ferne gerückt ist - die Zukunft der Kirche wird ökumenisch sein, ohne Auflösung oder Nivellierung der konfessionellen Profile, wohl aber durch die Überwindung ihres grundsätzlich trennenden Charakters“, ist Schütz überzeugt.

[Gregor Ziorkewicz]