Meldung

17. Juli 2007

„Wir sind selbstverständlich eine Kirche“

Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten äußerte sich zum Vatikan-Dokument

 

„Nicht Rom definiert, ob die Evangelische Kirche eine Kirche ist,“ sagte Oberkirchenrätin Cordelia Kopsch, Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten, am 13. Juli 2007 in Darmstadt. In einem Interview hatte sie Stellung zu der Veröffentlichung der römischen Kongregation für die Glaubenslehre "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" bezogen. In dem Dokument des Vatikans wird insbesondere den Kirchen der Reformation die Anerkennung als "Kirchen im eigentlichen Sinn" verweigert.

Was fühlt man als Protestant, wenn Rom verlauten lässt, die evangelischen Kirchen seien nach katholischer Lehre nicht Kirche im eigentlichen Sinn?

Nicht Rom definiert, ob die Evangelische Kirche eine Kirche ist. Wir sehen die jüngsten Äußerungen also mit Befremden, weil sie einen Dialog auf Augenhöhe nicht zulassen. Wir sehen sie aber auch mit Gelassenheit, weil wir selbstverständlich Kirche sind und bleiben.

Beschädigen die jüngsten Veröffentlichungen das Bemühen um die Ökumene im Bereich der EKHN?

Eigentlich müssten vor allem unsere römisch-katholischen Partner diese Frage gestellt bekommen, denn das Dokument aus Rom richtet sich ja an die Verantwortlichen in der eigenen Kirche. Unsere Partner sind gefragt, ob sie sich diesem Kirchenverständnis und damit auch dieser Sicht auf die Ökumene anschließen wollen und können. Unsere Kirche ist und bleibt ökumenisch orientiert. Sie ist weiterhin an guten Beziehungen zu unseren katholischen Brüdern und Schwestern interessiert. Das wird aber nur gelingen, wenn Dialog und Begegnung die gegenseitige Anerkennung als Kirche beinhaltet - bei allen bestehenden Unterschieden.

Wie beurteilen sie die ökumenische Kooperation auf der Ebene EKHN/Bistum Limburg?

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau und das Bistum Limburg sind über die Jahre durch vielfältige Formen der Begegnung und der Zusammenarbeit verbunden. Es gibt gemeinsame Projekte wie z.B. die Kapelle in der Commerzbank-Arena. Auch in Fragen von Zeugnis und Dienst unserer Kirchen zum Beispiel im Hinblick auf die Fragen nach Frieden und Gerechtigkeit in Deutschland und weltweit haben wir oft große Übereinstimmung erlebt.

Was erwarten Sie im Hinblick auf die Ökumene von einem neuen Bischof in Limburg?

Natürlich hoffen wir, dass wir die gute Zusammenarbeit auch mit einem neuen Limburger Bischof fortsetzen können. Das Dokument aus Rom wird diese allerdings für ihn sicherlich nicht erleichtern.

Was raten Sie den Dekanaten und den evangelischen Kirchengemeinden im Hinblick auf die Ökumene?

Evangelische und katholische Christen in Gemeinden und Dekanaten sind in ihrem Miteinander an vielen Stellen viel weiter, als es das Dokument aus Rom erkennen lässt und anerkennt. Dieses sollten sie weiter pflegen, aber auch die Auseinandersetzung über die theologischen Grundlagen nicht ausklammern. Die Evangelischen sollten ihre katholischen Gesprächspartner ermutigen, die derzeit vielerorts vernehmbare scharfe Kritik an den Äußerungen aus dem Vatikan den Bischöfen und anderen Verantwortlichen in ihrer Kirche auch nachhaltig zu vermitteln.

[Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Westerwälder Zeitung, die Fragen stellte Hans-Georg Egenolf]