Ökumene in Europa

10. September 2007

„Versöhnte Verschiedenheit“: Das Zukunftsmodell für Europa

Oberkirchenrätin Kopsch und Propst Eibach bilanzieren Dritte Ökumenische Versammlung in Sibiu



Hermannstadt
Quelle: Mechthild Nauck
Blick auf die orthodoxe Kathedrale in Sibu/Hermannstadt

Der Bau am „Haus Europa“, also die Aufgabe, das Zusammenwachsen Europas zu fördern, stellt eine Herausforderung dar, der sich die Kirchen zukünftig verstärkt stellen müssen. Das hat Cordelia Kopsch, die Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), in einem ersten Fazit nach ihrer Teilnahme an der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung im rumänischen Sibiu / Hermannstadt erklärt.

Aufgabe der Kirchen: Verantwortung für die geistliche Identität in Europa übernehmen

Bei dem Treffen von über 2.500 protestantischen, katholischen und orthodoxen Kirchenvertretern aus ganz Europa sei der Wille erkennbar gewesen, diese  Aufgabe anzunehmen, sagte Kopsch nach ihrer Rückkehr am Montag, 10. September, in Frankfurt.


Zentrum Ökumene Beauftr. für E + P in Europa
Praunheimer Landstraße 206
60488 Frankfurt
Telefon: 069 - 97651832
Telefax: 069 - 97651859
entwicklung.partnerschaft@zoe-ekhn.de

Zentrum Ökumene der EKHN

Einschätzung von Propst Eibach: „Die Kirchen sind die Fachleute für Werte in Europa“

EKD: Sibiu - Feiern, beten und diskutieren

mehr zum Thema


Die Rolle der Kirchen in Europa sei ein zentrales Thema der Diskussionen gewesen. Es sei im Interesse der Kirche, Verantwortung für die geistliche Identität in Europa zu übernehmen, in dem Menschenrechte, Frieden, soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung vom Evangelium her betrachtet und gestaltet würden, so Kopsch. Der Beitrag der Kirchen zu Europa werde von Seiten der Politik hoch geschätzt, berichtete Kopsch mit Bezug auf den Präsidenten der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso. Dieser sehe in dem „Modell der versöhnten Verschiedenheit“, wie es von den reformatorischen Kirchen vertreten wird, ein vielversprechendes Modell für Europa. Es entspreche in besonderer Weise der Aufgabe, trotz großer Verschiedenheit in Frieden miteinander zu leben.

Ökumene: Positive Signale aus der katholischen Kirche

Insgesamt gebe es keine Alternative zu ökumenischer Begegnung und ökumenischer Zusammenarbeit, erklärte Kopsch. Trotz unterschiedlicher Ansichten zu vielen Themen gebe es eine Reihe von guten Vorschlägen und positive Signalen auch aus dem katholischen Bereich, „in verbindlicher Weise“ zu beschreiben, wie Ökumene weiter entwickelt werden könne. „Das Interesse besteht, Trennendes zu überwinden,“ so Kopsch.

Versammlung
Quelle: Mechthild Nauck
Propst Eibach (vorne links) während der Ökumene-Versammlung

Das gemeinsame Bemühen um einen breiten Konsens auf der Ökumenischen Versammlung stellte auch der oberhessische Propst Klaus Eibach heraus. Der Konsens sei in vielen theologischen Fragen zwar noch nicht da. Besonders Fragen des Amts- oder Abendmahlsverständnisses würden weiter unterschiedlich gesehen. „Aber die Kirchen haben es sich zur Aufgabe gestellt auf dem Weg weiter zu gehen“, so Eibach. Zentral seien dafür ein glaubwürdiger Lebensstil und die gemeinsamen christlichen Werte.
In Sibiu habe es ein echtes Bemühen gegeben, sich gegenseitig wahrzunehmen, sagte Propst Eibach: „Ich glaube, die Zukunft der Ökumene liegt darin, dass wir bereit sind, gemeinsam unterwegs zu bleiben, um Europa mitzugestalten.“

Krieg als Instrument zur Konfliktlösung wird abgelehnt

Sowohl Kopsch als auch Eibach hoben hervor, dass es die einhellige Überzeugung aller beteiligten Kirchenvertreter in Sibiu gewesen sei, Krieg als Instrument zur Konfliktlösung anzulehnen. Ebenso hätten sich die Delegierten besonders für die Rechte von Migranten eingesetzt und gefordert, den Beitrag von Migranten für Europa positiv zu würdigen. Migranten seien für die Kirchen nicht nur Adressaten von Hilfe und diakonischem Handeln, sondern leisteten einen eigenen Beitrag für die Kirchen.

Für Bewahrung der Schöpfung eintreten, Klimatschutz betreiben

In der Schlusserklärung der Versammlung wird vorgeschlagen, zukünftig in der Zeit vom 1. September bis 4. Oktober einen jährlichen gemeinsamen Schöpfungstag aller beteiligten Kirchen einzuführen. Dabei sollen die Christen Europas für die Bewahrung der Schöpfung beten und sich für einen nachhaltigen Lebensstil einsetzen, um ihren Beitrag zum Klimawandel zu leisten. Die Kirchen hätten damit eine Selbstverpflichtung abgegeben, zum Klimaschutz beizutragen und sich mit dieser Thematik zu beschäftigen.

Delegation der EKHN

Zur Delegation der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) bei der gehörten die Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten Oberkirchenrätin Cordelia Kopsch, der oberhessische Propst Klaus Eibach, der Ökumenespezialist und Pfarrer Friedhelm Pieper aus Bad Nauheim-Nieder-Mörlen und vom Zentrum Ökumene der EKHN Mechthild Nauck, die Beauftragte für Entwicklung und Partnerschaft Europa. Außerdem nahm die EKHN-Friedenspfarrerin Mechthild Gunkel als Vertreterin des EKD-Friedensnetzwerks teil.

[Pfarrer Martin Reinel]