Ökumene

26.Oktober 2007

Kirchenpräsident der EKHN-Partnerkirche beim Protest gegen den Krieg verhaftet

Festnahme vor dem Weißen Haus



UCC-Kirchenpräsident Thomas, verhaftet vor dem Weißen Haus
Quelle: UCC
Kirchenpräsident Thomas in Handfesseln

„Es sind schwere Zeiten für Gläubige, die gegen den Krieg eingestellt sind,“ sagte John H. Thomas, der Kirchenpräsident der UCC (United Church of Christ), bevor er in Washington verhaftet wurde. Drei Mal hatte die Polizei am 10. Oktober 2007 den Kirchenpräsidenten der US-amerikanischen Partnerkirche der EKHN aufgefordert,  die Zone hinter der Bannmeile um das Weiße Haus zu verlassen. Doch er weigerte sich. Ihm und Linda Jaramillo, der Koordinatorin für Menschenrechte und Verkündigung der UCC,  wurden daraufhin die Handschellen angelegt.

Unterschriftenliste und Pastoralbrief gegen den Irak-Krieg

Beide hatten eine Liste mit 60.000 gesammelten Unterschriften und einen Pastoralbrief, in dem der Irak-Krieg kritisch bewertet wird, dem Ministerium für öffentliche Angelegenheiten übergeben wollen. Sie hatten zuvor darum gebeten, diese Papiere persönlich abzugeben, aber ihr Anliegen wurde nicht bewilligt. Vor seiner Festnahme hatte Kirchenpräsident Thomas an den deutschen Theologen Dietrich Bonhoeffer erinnert: „Die Kirche blieb oft ruhig, wenn das Böse in Erscheinung getreten ist. Wir durchbrechen heute diese Stille!“

Durch Kaution frei gelassen


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UCC (United Church of Christ)

zum Thema

US-amerikanische Friedensaktivistinnen in Hessen und Nassau:

Frankfurt, im Dritte-Welt-Haus, 31.10.2007 um 19:30 Uhr

Gießen, in der Kongresshalle, 01.11.2007 um 19:30 Uhr

Neu-Isenburg, im Abendgymnasium, 01.11.2007 um 20:00 Uhr

Mainz, im Martinsstift, 06.11.2007, um 19:30 Uhr



Nachdem die beiden kirchlichen Führungskräfte verhaftet wurden, sangen Unterstützer der Aktion das Lied „Lass Frieden werden auf Erden“. Nach zwei Stunden kamen Kirchenpräsident Thomas und Koordinatorin Jaramillo durch eine Kaution von 100 US-Dollar frei, die pro Person gezahlt wurde.

Erfolgreiche Übergabe an Vertreter des Kongresses und des Senates

Am Vormittag ist es allerdings beiden gelungen, erfolgreich die Schachteln mit den Anti-Kriegs-Botschaften an Mitarbeiter der Sprecherin des Kongresses, Nancy Pelosi, sowie an die Senatoren Harry Reid und John A. Boehner zu übergeben.

Kommunikationsproblem zwischen Staat und Kirche

Paul Oppenheim vom Referat Ostasien, Australien, Pazifik und Nordamerika der EKD, pflegt enge Beziehungen zur UCC. Gegenüber der Online-Redaktion der EKHN äußerte er sich am 25. Oktober: „Enttäuscht zeigte man sich bei der UCC darüber, dass die weltliche Presse keine Notiz von der Aktion genommen hat.“ Seine Einschätzung ist: „Die Aktion unterstreicht das Kommunikationsproblem, das zwischen Staat und Kirchen im amerikanischen System existiert.“ Anders als in Deutschland gebe es keinen strukturierten Dialog, geschweige denn ein partnerschaftliches Miteinander von Staat und Religionsgemeinschaften. Oppenheim verdeutlicht: „Der derzeitige Präsident hat bisher während seiner ganzen Amtszeit noch mit keinem kirchenleitenden Vertreter einer Glaubensgemeinschaft gesprochen.“

Auch in der EKHN und ihren Partnerkirchen in Europa, Asien und Afrika wurde der Pastoralbrief der UCC mit großem Interesse wahrgenommen. In Friedensgebeten und Gottesdiensten kam sein Anliegen zur Sprache und stieß auf Unterstützung.

[Rita Deschner / Pfr. Mechthild Gunkel]