Ökumene
Christen in Ägypten leiden unter Verfolgung
Koptischer Professor referierte vor dem ökumenischen Arbeitskreis in
Bad Ems
Unterstützung beim Widerstand gegen die Ausgrenzung orientalisch orthodoxer Christen in Ägypten erhoffen sich die so genannten Kopten von ihren Kontakten in die westliche Welt. Prof. Dr. Fouad Ibrahim und seine Frau Barbara sprachen auf Einladung des ökumenischen Arbeitskreises der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinde Bad Ems über die Bedrohungen, denen die Kopten als christliche Minderheit in Ägypten ausgesetzt sind.
Lange christliche Tradition
Der in Ägypten geborene Professor für Geografie berichtete im Haus der Begegnung über die Entstehung des Koptentums. Dessen Zeitrechnung begann mit dem Regierungsantritt des römischen Kaisers Diokletians (284 n. Chr.), unter dessen Herrschaft 800000 Christen ermordet wurden. Stolz seien die Kopten, dass Ägypten die Wiege des christlichen Mönchtums ist und dass die größte theologische Schule von Alexandria vom Evangelisten Markus gegründet wurde.
Problematisches Verhältnis zwischen Christen und Muslimen
Fachstelle Öffentlichkeitsarb. KAG Rhein-Lahn
Dekanat Diez
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65582 Diez
Heute leben in Ägypten neun Millionen Kopten (15 Prozent der Bevölkerung), zwei Millionen im Ausland, etwa 6000 in Deutschland. Ibrahim dokumentierte, in welch schwieriger Situation die Kopten auch heute noch leben und wie sie unter dem islamisch geprägten Rechtssystem leiden. 45 ägyptische Christen wurden zwischen 1990 und 2007 bei Angriffen auf ihre Häuser, Geschäfte und Kirchen ermordet. Die meisten Übergriffe ereigneten sich nach den Freitagsgebeten vor allem in Oberägypten.
Freie Religionsausübung wird erschwert
Christen seien im Verständnis muslimischer Ägypter Ungläubige. Zwar stehe das Bekenntnis zu den Menschenrechten in der ägyptischen Verfassung, doch in Artikel 2 heiße es, Hauptquelle allen Rechts sei der Koran. So seien Bau- oder Reparaturgenehmigungen für Kirchen nur schwer zu bekommen, staatliche Zuschüsse für den Bau von Schulen und Kirchen undenkbar, während der Bau muslimischer Schulen und der von Moscheen auch vom Steuergeld der Christen mitfinanziert werde. Aus Angst vor Verfolgung würden viele Kopten zum Islam übertreten. Zwar habe in diesem Februar erstmals ein Gericht erlaubt, wieder die Ursprungsreligion auszuüben, allerdings unter der Voraussetzung, dass im Ausweis steht „ehemaliger Muslim“, was für den Ausweisinhaber den Tod bedeuten könne, denn die Abkehr vom Islam könne nach muslimischem Verständnis mit dem Tod bestraft werden.
Von Staatschef Mubarak forderte Ibrahim, die Ämter im Staat nicht nach der Religionszugehörigkeit zu verteilen. „Die Kopten fordern Gleichheit vor dem Gesetz und Religionsfreiheit“, so der Referent.
Soziale Projekte machen Hoffnung auf Frieden
Wie sich das Zusammenleben verbessern kann, dafür lieferte Ibrahims Frau Hinweise, die über koptische Aktivitäten und Projekte im sozialen Bereich in Ägypten sprach, etwa in der Altenpflege, der Gesundheitsfürsorge und in der Linderung wirtschaftlicher Not in einem Land, in dem 90 Prozent der Bevölkerung in Armut lebten. „Und zwar ohne Ansehen religiöser Zugehörigkeit.“ So habe eine koptische Ordensschwester etwa eine Kindertagesstätte errichtet, die ausschließlich von muslimischen Kindern auf Wunsch ihrer Eltern besucht wird. Von Deutschland aus würden die Projekte unterstützt. Dabei würdigte Barbara Ibrahim die Unterstützung der beiden christlichen Kirchen, die die koptischen Gemeinden in der Diaspora unterstützten. Das war nicht immer so. Erst 1973 fruchtete die Ökumene zwischen der orientalisch orthodoxen und der katholischen Kirche und erst 1991die mit der evangelischen Kirche in Deutschland in einem gemeinsamen Glaubensbekenntnis.
[Bernd-Christoph Matern]
zurück | letzte Aktualisierung: 25.02.2008 | copyright by EKHN