Bericht

18. November 2009

Gute Beziehungen zwischen Christen und Muslimen in Ghana

Eindrücke des Besuches der Pröpstin für Rhein-Main in der afrikanischen Partnerkirche

 

In Ghana ist es keine Seltenheit, dass innerhalb einer Familie Christen und Muslime friedlich zusammen leben. Dies stellte Pfarrerin Gabriele Scherle, Pröpstin für Rhein-Main in der EKHN, während ihrer Reise nach Afrika vom 2. bis 10. November fest.
Die Pröpstin hatte mit einer kleiner Delegation die Partnerkirche in Ghana, die Presbyterian Church of Ghana (PCG), besucht. Zu der Gruppe gehörten Pfarrer Thomas Diemer, Pfarrer Peter Fleckenstein, Dr. Helga Rau und Pfarrer Dietmar Will.

Partnerschaft zwischen Protestanten in Hessen-Nassau und Ghana

Die Propstei Frankfurt unterhält seit mehr als 20 Jahren Partnerschaftsbeziehungen mit der PCG, die im Norden Ghanas liegt. Im Norden des Landes leben hauptsächlich Muslime, Christen stellen hier die Minderheit. „Um so wichtiger ist es für die ghanaische Partnerkirche auch durch ihre Kirchen deutliche Präsenz zu zeigen“, schrieb Dr. Helga Rau, Referentin für Entwicklung u. Partnerschaft-Afrika im Zentrum Ökumene, in einer Mitteilung.

Interreligiöser Dialog in Ghana

Sklavenburg
Quelle: Helga Rau
Besuch in der Sklavenburg

Während ihrer Reise hatte die Delegation aus Deutschland das 'Interfaith Research & Ressource Center' der Presbyterian Church of Ghana (PCG) besucht. Das Zentrum informiert Menschen über unterschiedliche Religionen und fördert den interreligiösen Dialog.
Die Besuchergruppe gewann allerdings den Eindruck, dass durch die Unterstützung islamischer Gruppen aus den arabischen Ländern Unterschiede der Religionen stärker betont würden und das bislang friedliche Zusammenleben erschwerten.

Perspektiven für Mädchen

Neben dem interreligiösen Dialog standen zwei weitere Themen im Mittelpunkt: Die Wanderungsbewegungen im Land und das Einbeziehen von Laien in den kirchlichen Dienst.
Die Migration spielt innerhalb des Landes eine wichtige Rolle. Dabei geht es nicht nur um das Problem der Abwanderung ins Ausland. Viele Menschen, die im Norden leben, ziehen in den Süden des Landes mit der Hoffnung bessere Arbeitsmöglichkeiten zu finden. Bereits junge Mädchen gehen für einige Monate nach Accra, um dort auf den großen Märkten durch Hilfsdienst Geld zu verdienen. Die PCG bietet diesen jungen Frauen durch ihr spezielles Programm 'Northern Outreach Programme' die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen und daran anschließend eine Ausbildung als Schneiderin zu machen. Damit wird versucht, die jungen Mädchen von der Straße zu holen.

Theologische Ausbildung für Laien

Gruppenbild
Quelle: Helga Rau
Die deutsche Delegation mit Pröpstin Scherle (Mitte) traf die ghanaische Kirchenleitung in Accra

Da die PCG nur wenige Pfarrer beschäftigt, werden zusätzlich Evangelisten aber auch Laien fortgebildet, um einige Dienste in der Kirche übernehmen zu können. So besuchte die Delegation das 'Lay Training Center', das sich speziell um die Ausbildung der Nichttheologen kümmert.

Frankfurter Partnerschaftsgruppen ermöglichten Bau einer Bäckerei

In den Partnerregionen besuchte die Gruppe Projekte, die die Frankfurter Partnerschaftsgruppen mit unterstützt haben. So wurde im Partnerdistrikt Damongo eine kleine Bäckerei gebaut, die gemeinsam von Gemeindemitgliedern betrieben wird. Dieses Gemeinschaftsprojekt verbindet die Gemeindemitglieder und bietet die Möglichkeit, zusätzlich ein kleines Einkommen zu erzielen.

Lebhafte Gottesdienste als Inspirationsquelle

Helga Rau hebt die Bedeutung der Beziehungen zwischen der deutschen und der ghanaischen Kirche hervor: „Die Pröpstin war beeindruckt von dem Engagement der Gemeinden im Norden. Auch die lebhaften Gottesdienste zeigten uns, wie wichtig die Kirche für unsere Partner ist.“  

Gegenbesuch und Vortrag

Für 2010 ist eine Delegation aus den Partnerdistrikten Ghanas nach Frankfurt eingeladen. Sie werden am Pfingstmontag beim Ökumenischen Gottesdienst auf dem Römerberg dabei sein.
Am 24.11.2009 um 19 Uhr wird die Reisegruppe in der Wartburggemeinde über ihre Erfahrungen in Ghana berichten.

 

Helga Rau / RD / PWS