Bericht

28. Juni 2010

EKHN Europabeauftragter begleitet hessischen Ministerpräsidenten Bouffier auf seiner Reise nach Israel und in die Palästinensischen Gebiete

Interview mit Pfarrer Friedhelm Pieper, dem Europabeauftragten der EKHN

 

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Pfarrer Pieper, Sie wurden gebeten, Ministerpräsident Bouffier bei seiner Reise in den Nahen Osten zu begleiten. Wie kam es dazu?

Pieper: Ich bin Beiratsvorsitzender der Internationalen Martin Buber-Stiftung (IMBSt). Das Land Hessen hat mit einer namhaften Einlage in 2002 die Gründung dieser Stiftung ermöglicht, deren Ziel es ist, die interreligiöse Dialogarbeit des „Internationalen Rates der Christen und Juden“ (ICCJ) zu fördern. Sitz der Stiftung und des ICCJ ist das ehemalige Haus Martin Bubers in Heppenheim an der Bergstraße;  ich habe selber dort bis 2004 als Generalsekretär des ICCJ gearbeitet. Da das Land Hessen im Beirat der Stiftung ebenfalls vertreten ist, stehe ich seit vielen Jahren im Kontakt mit der hessischen Staatskanzlei. Mit Israel und Palästina bin ich auch durch etliche Reisen und insbesondere durch einen einjährigen Studienaufenthalt in Jerusalem vertraut.
Mit Blick auf die Vorbereitung der Nahostreise des Ministerpräsidenten wurde ich gebeten, zwei Programmpunkte im Bereich des interreligiösen Dialogs in Israel vorzubereiten und bei der Durchführung mitzuwirken.

Welche Programmpunkte waren dies?

Pieper: Ich habe zum einen eine Begegnung des Ministerpräsidenten und der Delegation mit Vertretern der israelischen Mitgliedsorganisation des ICCJ organisiert und zum anderen die Teilnahme an einer Schabbatfeier für die ganze Delegation in einer Synagoge in Jerusalem vorbereitet.
Am Tage nach unserer Landung in Tel Aviv trafen wir im „Tantur Institute for Ecumical Studies“ an der Straße von Jerusalem nach Bethlehem auf Vertreter verschiedener Organisationen und Initiativen, die sich um die Verständigung zwischen Juden, Christen und Muslimen in der Region bemühen.  Der jetzige ICCJ Generalsekretär Pfr. Dick Pruiksma und Rabbiner  Dr. Ron Kronish von der israelischen ICCJ Mitgliedsorganisation „Interreligious Coordinating Council in Israel“ sowie weitere Teilnehmende gaben Ministerpräsident Bouffier und der Delegation einen Einblick in aktuelle Dialogprojekte. Darunter waren Bemühungen zu einer gerechten Darstellung der jeweils anderen Religion in Schriften und Schulbüchern, interreligiöse Begegnungen,  Jugendprojekte, Studienreisen, theologische Forschung und das Engagement der „Rabbis for Human Rights“, die sich u.a. gegen die Häuserzerstörungen von Palästinensern einsetzen. Im Rahmen dieses Treffens übergab Ministerpräsident Volker Bouffier einen Scheck über einen Zuschuss von 56.300,- Euro an die ICCJ Präsidentin Dr. Deborah Weissman. Der hessische Ministerpräsident unterstrich dabei die Notwendigkeit des Dialogs zwischen den Religionen als elementare Friedensarbeit nicht nur im Nahen Osten, sondern weltweit.

Und am Freitagabend haben Sie dann die Delegation zu einem Synagogengottesdienst geführt.

Pieper: Ja, diese eindrückliche Feier zum Eintritt des Schabbat (Kabbalat Schabbat) kam durch Einladung von Dr. Deborah Weissman zustande. Wir waren zu Gast in ihrer Synagogengemeinde „Kehilat Yedidyah“, eine gastfreundliche moderne orthodoxe Gemeinde in Jerusalem. In seinem Grußwort dankte Ministerpräsident Bouffier für die erwiesene Gastfreundschaft: „Noch nie war eine hessische Delegation Gast bei der Kabbalat Schabbat Feier in einer Synagoge gewesen“.  Er betonte seine Solidarität mit Israel sowie die Notwendigkeit der Verständigung mit den palästinensischen Nachbarn und wünschte der Gemeinde, den Menschen in Israel und Palästina eine friedliche und menschenwürdige Zukunft.

Die Schwerpunkte der Delegationsreise lagen sicher im politischen Bereich.

Pieper: Ja, die deutsche Botschaft in Israel und das Vertretungsbüro der Bundesrepublik in Ramallah hatten hochrangige Treffen mit Vertretern Israels und der Palästinensischen Autonomie vorbereitet. Wir trafen den stellvertretenden israelischen Ministerpräsidenten Dan Meridor und den Bürgermeister Jerusalems Nir Barkat. Der Ministerpräsident hatte Gespräche mit dem palästinensischen Premierminister Dr. Salam Fayyad und dem palästinensischen Chefunterhändler Dr. Saeb Erekat, während wir als Delegationsmitglieder mit dem Informationsminister der Palästinensischen Autonomiebehörde, Dr. Mustafa Barghouti, und im PLO Verhandlungsbüro mit Wassim Khazmo diskutieren konnten. 

Ein Thema war dabei der für September geplante palästinensische Antrag bei der UNO auf internationale Anerkennung eines unabhängigen Staates „Palästina“. Bouffier lehnte dabei einen Alleingang der Regierung von Palästinenserpräsident Abbas ab. Er machte zugleich bei den Gesprächen wiederholt deutlich, dass gerade Deutschland eine Verantwortung dafür trage, zur Entwicklung in der Region beizutragen. Allerdings könne das Bundesland Hessen den Friedensprozess nicht beeinflussen, stattdessen aber wäre ein Engagement in kleinen Projekten möglich. Er sagte: „Wir haben immer die Chance durch viele kleine Projekte Menschen zusammenzubringen. Mehr geht nicht“.

Und wie könnten solche „kleinen Projekte“ des Landes Hessen aussehen?

Pieper:  Das Engagement des Landes Hessen in der Förderung des interreligiösen Dialogs habe ich ja bereits erwähnt. Der Ministerpräsident überreichte in Tel Aviv auch 3 Stipendien für israelische Studierende zur Teilnahme an der Sommeruniversität in Frankfurt. In Herzliya wurde im Beisein von Volker Bouffier ein Kooperationsvertrag zwischen dem Interdisziplinären Zentrum einer Privat-Hochschule und dem „House of IT“ der Technischen Universität Darmstadt unterzeichnet. In Bethlehem erkundigten sich der Ministerpräsident und die Delegation nach den Möglichkeiten  sozialdiakonischer Projekte und der Bildungsarbeit der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde von Pfarrer Dr. Mitri Raheb und in Ramallah ging es um eine mögliche Neuaufnahme von Gesprächen mit palästinensischen Stellen über Förderprojekte im Westjordanland.

Wie würden Sie die Bedeutung dieser Delegationsreise jetzt nach der Rückkehr einschätzen?

Pieper: Der deutsche Botschafter in Israel, Dr. Harald Kindermann, hatte zu Beginn der Reise erklärt, dass die Besuche von Vertretern der Bundesländer und deren Begegnungs- und Bildungsprojekten in Israel und den palästinensischen Gebieten einen hohen Stellenwert haben. Aufgrund der Zuständigkeit der Länder für Kultur, insbesondere für Schulen und Hochschulen wären die Länder ganz wichtige Partner zur Förderung von Begegnung und Zusammenarbeit der Zivilgesellschaften in Deutschland, Israel und Palästina. Das Programm der Delegation hat diesen Gedanken glaube ich ganz gut aufgenommen, auch in der Unterstützung des interreligiösen Dialogs und dem Erkunden von deutsch-israelisch-palästinensischen Sportprojekten. So hoffe ich, dass die Reise gute weitere Früchte erzielen wird.

Vielen Dank.

Die Fragen stellte Kristine Darga, Zentrum Ökumene der EKHN, Frankfurt am Main