Bericht

24. Juni 2005

Dekan spricht sich für sachliche Diskussion um muslimische Grundschule aus

Die geplante Schule des Arab-Nil-Rhein-Vereins löste eine Diskussion aus

 

„Ich bin sehr für eine sachliche und fachliche Auseinandersetzung in Sachen muslimische Grundschule in Mainz“, votiert Jens Böhm, Evangelischer Dekan in Mainz. Der Arab-Nil-Rhein-Verein plant, in der ehemaligen Dragonerkaserne auf dem Mainzer Hartenberg eine muslimische Grundschule zu eröffnen. Dieses Vorhaben stieß zum Teil auf heftige Kritik. „Ich habe Angst, dass hier Ressentiments gegen eine Gruppe Andersgläubiger mit Scheinargumenten vermischt werden“, fügt der Dekan hinzu.

Deutsch als Schulsprache und Schwimmunterricht für Mädchen

Fest zu halten sei zunächst, dass die ungestörte Religionsausübung ein hohes Gut des Grundgesetzes sei, das es gelte zu verteidigen. Die Zulassung von freien konfessionellen Schulen sei von daher auch grundgesetzlich geschützt, so Dekan Böhm weiter. Mit diesem Schutz ginge aber auch die staatliche Zulassung seitens der Schulbehörden einher. Die Orientierung an der freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist Grundvoraussetzung für die Erteilung einer Erlaubnis. So müsse beispielsweise Deutsch Schulsprache sein, es müssen Lehrpläne vorgelegt und genehmigt werden und vieles mehr. Insbesondere gehöre hierzu, dass die Mädchen die gleichen Möglichkeiten erhalten, an allen Unterrichtseinheiten teilnehmen zu können, wie beispielsweise am Schwimmunterricht, so Böhm weiter.

Gute Zusammenarbeit zwischen evangelischen Schulen und staatlichen Stellen durch gesellschaftliche Öffnung

Hierin hat sich ein seit vielen Jahren bewährtes Miteinander zwischen den Religionsgemeinschaften und den staatlichen Stellen entwickelt, betont Böhm mit Hinblick auf die evangelischen Schulen und Gymnasien innerhalb der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Bedingung für ein gutes Gelingen von konfessionellen Schulen sei, dass sie alle öffentliche Schulen sind, die auch für alle Jungen und Mädchen offen sind und nicht neben der Gesellschaft oder sogar gegen sie existieren kann, so Böhm weiter.

Schwierige Verhandlungen mit islamischen Verbänden erfahren

Die Diskussion zeige jedoch, wie wichtig es ist, angesichts über drei Millionen Menschen islamischen Glaubens in Deutschland sich grundsätzlich mit islamischem Religionsunterricht an deutschen Schulen zu beschäftigen und hier Regelungen herbeizuführen. Gelten die türkischen Vereine und Islamischen Vereinigungen doch nicht als Religionsgemeinschaften im Sinne des Grundgesetzes. Die Vergangenheit habe gezeigt wie schwierig es ist, mit der Vielzahl von Stimmen und der muslimischen Vereinigungen Verhandlungen zu führen, so Böhm weiter. Hier müsse es auch eine Verständigung unter den Islamischen Verbänden kommen, wünscht sich Böhm.

Religiöse Vielfalt belebt

Für Mainz müsse man sich von daher mit den Zielen und der Arbeit des Arab-Nil-Rhein-Vereins auseinandersetzen. Da viele der Ideen für eine muslimische Schule noch in den Anfängen stecken, plädiere er zunächst für eine offene und sachbezogene Diskussion im weltoffenen Mainz. Vielfalt sei auch hier immer belebend für ein Miteinander der Menschen und der Religionen in unserer Stadt, so Böhm weiter. Kontakt: Dekan Jens Böhm 06131/96004-0

[Gregor Ziorkewicz]