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Soll die Religion Integration der Muslime bessern?
Politiker-Debatte der Herbert-Quandt-Stiftung im Hessischen Landtag
Wiesbaden. Landtagspräsident Norbert Kartmann hatte das Problem bei einer Debatte mit Parlamentariern im Hessischen Landtag (am 27.6.) bereits eingangs auf den Punkt gebracht: „Wir leben im Zeitalter der Globalisierung. Grenzen werden überwunden und Brücken müssen gebaut werden“, sagte der hessische Parlamentschef in Wiesbaden. Welche Brücken dabei der Religionsunterricht schlagen könne, wollte die Herbert-Quandt-Stiftung als Veranstalter von den hessischen Politikern wissen – vor allem ein Islamischer Religionsunterricht.
Der Stiftungsvorsitzende Albrecht Graf von Kalnein hatte vor die Diskussion eine Portion wissenschaftliche Aufklärung gesetzt. Das Schulwissen falle doch oft dünn aus, zitierte er: So habe ein Schüler gefragt, wer schon die „Sieben Gebote“ kenne und ein anderer habe die Lehren der großen Religionen mit der Anleitung eines DVD-Players verglichen, die auch keiner verstehe.
Mit dem Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Dr. Peter Steinacker, kam aber in der Landeshauptstadt ein langjähriger Experte in Sachen Religion und Islam zu Wort. Der Professor für Systematische Theologie machte deutlich, Schüler müssten über die Traditionen der Religionen Grundkenntnisse erwerben. Basis eines toleranten Verstehens sei dabei nicht die Gleichheit, sondern die Ungleichheit der Religionen. Dennoch arbeite der Religionsunterricht in den Schulen an einer Integration anderer Glaubensüberzeugungen mit. Denn der religiöse Unterricht für alle Schüler vermittle ein ethisch orientiertes Wissen und eine durch Lehrerpersönlichkeiten vermittelte „Herzensbildung“. Nur so werde der Unterricht zu einer Schlüsselqualifikation fürs Leben. „Religionsunterricht ist keine Indoktrination, sondern Entfaltung der Persönlichkeit“, präzisierte Steinacker.
Qualifiziert muss der Unterricht auch für Professor Dr. Ömer Özsoy sein. Der Inhaber einer Stiftungsprofessur für Islamische Religion an der Universität Frankfurt am Main plädierte für eine solide Ausbildung der Lehrer für den Islamunterricht. Allerdings sieht er die Diskussion über die noch immer an den Schulen fehlende islamische Religionsunterweisung oft auf die Frage der Integration von Muslimen in die deutsche Gesellschaft orientiert, als auf die verfassungsmäßige Garantie. Das führe zu einer Abkapselung bei Muslimen.
Die von dem Journalisten Daniel Deckes (FAZ) geleitete Debatte der Politiker Brigitte Kölsch (CDU), Heike Habermann (SPD), Mathias Wagner (Bündnis 90/Die Grünen) und Florian Rensch (FDP) befasste sich dann schnell mit der Frage, ob ein Islamischer Religionsunterricht ausreichende Integrationskraft besitze. Florian Rentsch und Mathias Wagner von den Grünen gestanden zu, dem Konfessionsunterricht früher zu wenig Bedeutung beigemessen zu haben. Deckers reklamierte sogar, die Grünen hätten den Unterricht am liebsten abgeschafft. Heute besitze der Religionsunterricht hingegen eine hohe kulturelle Bedeutung und Integrationskraft, gestand Rentsch ein. Es sei notwendig, die islamischen Religionsgemeinschaften in Deutschland für den Unterricht zusammenzuholen. Das werde ein ganz langer Weg. Steinacker und die Parteienvertreter waren sich jedenfalls darin einig, dass sich ein gegenwartsorientierter Islam in der BRD zu einer Religionsgemeinschaft zusammenfinden müsse. „Solange sie ein Verband sind, kann das nicht funktionieren“ meinte der Kirchenpräsident.
Ob Muslime auf die Brücke eines islamischen Religionsunterrichtes in Hessen gehen, konnte die Debatte erwartungsgemäß nicht beantworten. Aber Daniel Deckers fragte bei den Religionsvertretern schon so etwas wie ein „Lastenheft“ ab, das Politik und Kirche abarbeiten sollten: Steinacker sieht dabei Optimierungsbedarf bei seiner eigenen Kirche: Der Unterricht müsse im schulischen Ablauf verbessert und mit mehr Lehrpersonal stabilisiert werden. Die religiös-theologische Fortbildung solle intensiv verstärkt werden. Vom Staat erwarte er, dass dieser sich in Vorbereitung eines islamischen Religionsunterrichtes gangbare Modelle überlege und sich Muslime daran offen beteiligten.
Mit der Podiumsdiskussion im Hessischen Landtag stellte die Herbert-Quandt-Stiftung (Bad Homburg) ein neues Buch „Religionen in der Schule – Bildung in Deutschland und Europa vor neuen Herausforderungen“ vor. Es fasst die Ergebnisse der 11. Konferenz „Trialog der Kulturen“ aus dem November 2006 zusammen, in der es um die Bedeutung religiöser Bildung in den Schulen Deutschlands und Europas ging. In diesem Jahr hat die Stiftung einen Wettbewerb zum Trialog der Kulturen für Schülerinnen und Schüler ausgeschrieben. Das Thema lautet: „Was glaubst du denn? – Europäische Identität und kultureller Pluralismus.“
www.h-quandt-stiftung.de
[Dr. Roger Töpelmann]
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN