Meldung

5. November 2009

Interreligiöse Fraueninitiative wird für Kultur der Offenheit, des Respekts und der Wertschätzung ausgezeichnet

Leonore-Siegele-Wenschkewitz-Preis zum fünften Mal verliehen


Fraueninitiative
Quelle: Annette Mehlhorn
 Drei Frauen des Sarah-Hagar Teams in Aktion - von rechts: Petra Kunik, Angelika Fromm und Sawsan Charrour

Es ist ihre Religionszugehörigkeit, die die Mitglieder der hessischen Fraueninitiative Sarah und Hagar unterscheidet. Allerdings haben die jüdischen, muslimischen und christlichen Frauen gemeinsam etwas auf die Beine gestellt: Sie haben sozialpolitischen Forderungen in der Publikation „Impulse für eine geschlechtergerechte Sozialpolitik“  veröffentlicht. Dafür werden sie am 8. November mit dem Leonore-Siegele-Wenschkewitz-Preis in der Evangelischen Akademie Arnoldshain ausgezeichnet.

Die Forderungen

Die 2006 veröffentlichten Forderungen zeigen eine weitgehende Übereinstimmung zu den Themen Familie, Arbeit und Bildung. Wesentlich ist dabei die gemeinsame Grundüberzeugung, dass für alle, die Unterstützung brauchen, diese da sein soll. So erwarten beispielsweise Familien als „Gemeinschaften, in denen mindestens zwei Generationen füreinander Sorge tragen“, vom Staat verlässliche Strukturen und Regelungen, die ihnen diese Sorge für Kinder und Schwächere erleichtern. „Bildung, die den Respekt vor anderen, soziale Verantwortung, Zivilcourage und die gerechte Verteilung der Ressourcen zum Ziel hat, ist eine Investition in den gesellschaftlichen Frieden.“ Hinsichtlich der religiösen Bildung wird u.a. als gemeinsames Ziel genannt, dass „patriarchale Grundmuster aufgedeckt und Dominanzstrukturen abgebaut werden.“ Abgelehnt werde  jede Form von Gewalt. Sie dürfe auch nicht durch kulturelle Besonderheiten legitimiert werden.

Freiheit und Vielfalt als Erfolgsgeheimnis

Gefragt nach ihrem Erfolgsgeheimnis nennen die Frauen zwei Gründe: Wichtig sei, dass in interreligiösen Gruppen die Mitglieder frei von institutioneller Reglementierung und persönlich verantwortlich seien. Genauso wichtig sei, dass aus unterschiedlichen Religionen jeweils mehrere Frauen teilnehmen, damit auch die Unterschiede innerhalb einer Religionsgemeinschaft deutlich werden könnten.

Kultur der Offenheit, des Respekts und der Wertschätzung weiter geben

Der Dialog hat die Teilnehmerinnen verändert. Die Frauen berichten übereinstimmend, dass sie heute selbstbewusster ihren eigenen Glauben in Worte fassen, dass sie besser verstehen, was anderen wichtig ist und dass sie gelernt haben, Unterschiede zu benennen. Dieser Erfolg ist nicht auf die beteiligten Frauen beschränkt. Heute werben so genannte Sarah-und-Hagar-Teams nicht nur für die erarbeiteten sozialpolitischen Forderungen, sondern -  fast noch eindrücklicher -  für die Art wie die unterschiedlichen Frauen sich darauf einigten. In seiner Miteilung schreibt der Verein zur Förderung Feministischer Theologie in Forschung und Lehre, der den Preis verleiht: „ Den Initiatorinnen gelingt es, ihre Kultur der Offenheit, des Respekts und der Wertschätzung weiter zu geben. Dabei erleben die Frauen, dass Streiten möglich ist, ohne sich zu zerstreiten. Dass sie sich nicht in allem einig sein müssen, um gemeinsam an einer Sache zu arbeiten. Diese Art der Verständigung unter religiösen Frauen ist ein wirksames Mittel gegen Fundamentalismus in allen Religionen. Dafür wird die Fraueninitiative ausgezeichnet.“

           
Die Fraueninitiative

Interreligiöse und überparteiliche Fraueninitiative "Sarah und Hagar"

Kontakt:
Gisela Egler-Köksa,
Telefon: 0175-2050594

Seit dem Jahr 2001 arbeiten muslimische, jüdische und christliche Frauen aus unterschiedlichen Berufen zusammen. Sie treffen sich derzeit meist in Frankfurt, oft im EVAngelischen Frauenbegegnungszentrum, zuweilen aber auch an anderen Orten, die für die beteiligten Frauen wichtig sind. So fand das letzte Treffen im Egalitären Minjan, der Westendsynagoge Frankfurt, statt.
Frauen, die sich beteiligen möchten, können sich an die Geschäftsführerin der Gisela Egler-Köksal wenden: Telefon: 0175-2050594.

Der Preis

Der Leonore-Siegele-Wenschkewitz-Preis wird alle zwei Jahre vom Verein zur Förderung Feministischer Theologie in Forschung und Lehre e. V. in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie Arnoldshain und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) für Beiträge vergeben, die in besonderer Weise die Feministische Theologie oder die Gender Studies in der Theologie vorantreiben. Er erinnert an die 1999 gestorbene Studienleiterin der Evangelischen Akademie Arnoldshain. Die vorherige Preisträgerin war 2007 Dr. Claudia Janssen vom Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD.

Die Verleihung

Beginn der Feierstunde am 8.11.2009 um 14 Uhr in der Evangelischen Akademie Arnoldshain in Schmitten/Ts. unter Mitwirkung von Propst Dr. Sigurd Rink (Wiesbaden). Anmeldungen bitte an die Evangelische Akademie Arnoldshain (T: 6084-9598-0).


[VFFTFL / RD]