Interview

24. Mai 2011

Jamaika: Frieden, eine zarte Pflanze

Hunger als Zeichen der Ungerechtigkeit globalen Wirtschaftens

Erwartungsvoll standen die Menschen da und hofften auf ein Frühstückpaket. Doch vergeblich. Manche verließen das Frühstück während des Morgengebetes mit knurrendem Magen. Mit dieser Aktion erlebten die Teilnehmenden der Internationalen ökumenischen Friedenskonvokation (IöFK) in Kingston / Jamaika unmittelbar, dass für viele Menschen die Ungleichheit der weltweiten ökonomischen Beziehungen Hunger bedeutet. Das Thema des 23. Mai drehte sich um „Frieden in der Wirtschaft“. Detlev Knoche, Leiter des Zentrums Ökumene der EKHN, berichtete vor Ort: „Stewarts sind süffisant lächelnd durch die Reihen gegangen und haben die Pakete gezielt verteilt. Viele sind leer ausgegangen – auch ich.“ Nachdenklich resümierte er: „Das war schon eine eigenartige Erfahrung; was müssen da erst Menschen empfinden, die tatsächlich um ihr täglich Brot bangen?“

Projekte der Hoffnung aus Indien und Hessen-Nassau

Im Rahmen der IöFK stellten Mitglieder der Delegation aus der EKHN und ein Partnerinstitut eigene Friedens-Projekte in Kingston vor. Das Zentrum Ökumene der EKHN hatte dazu gemeinsam mit dem Henry Martyn Institute (Hyderabad / Indien) zu dem Workshop „Friede zwischen den Religionen – eine zarte Pflanze“ eingeladen. Zum einen veranschaulichte die EKHN-Friedenspfarrerin Mechthild Gunkel das Projekt „Erzähl mir was von Gott“,  in dem Offenbacher Kindergartenkinder Synagoge, Kirche und Moschee kennenlernen. Auch den interreligiösen Stadtrundgang in Offenbach erwähnte sie. Zum anderen berichtete der indische Instituts-Direktor Varghese Manimala von einer Grundschule in der Altstadt von Hyderabad, die Hindus und Muslime gemeinsamen besuchen. Zudem stellte er eine Schneiderwerkstatt vor, in der junge Muslima und Frauen der Hindugemeinschaft gemeinsam lernen.

Chancen und Grenzen des Dialogs

Delegierte aus Indonesien, USA, Indien, Dänemark, Finnland und Deutschland haben den Workshop genutzt, um ihre Erfahrungen im interreligiösen Dialog auszutauschen. Auch Grenzen wurden deutlich: Sie verlaufen dort, wo fundamentalistische Gemeinschaften jeglichen Dialog ablehnen und den eigenen Glauben als die absolute Wahrheit verstehen. Alle Teilnehmenden waren sich einig in der Überzeugung, dass ein Dialog nur gelingen könne, wenn er von wechselseitigem Respekt getragen sei und in einer grundlegenden Offenheit geschehe.

Hintergrund

In 200 Workshops standen an den Nachmittagen der IöFK die großen Themen der Konvokation im Mittelpunkt: Friede in der Gemeinschaft, Friede mit der Erde und Friede in der Wirtschaft. Gelungene Initiativen und Projekte wurden vorgestellt und Herausforderungen für die kommenden Jahre diskutiert.
Für die EKHN nehmen an der Friedenskonvokation vom 17. bis 25. Mai in Jamaika Präses Dr. Ulrich Oelschläger sowie der Leiter des Zentrums Ökumene, Detlev Knoche und die Beauftragte für Friedensarbeit, Mechthild Gunkel, teil.
Die IöFK ist Höhepunkt und Abschluss der Dekade zur Überwindung von Gewalt, einem Programm, das der ÖRK auf seiner Vollversammlung 1998 in Harare beschlossen und 2001 gestartet hat. An der Begegnung nehmen rund 1000 Menschen aus aller Welt teil, die die ÖRK-Mitgliedskirchen sowie ökumenische und zivilgesellschaftliche Netzwerke für Frieden und Gerechtigkeit vertreten.
Die Friedenskonvokation, deren Gastgeber der Kirchenrat von Jamaika und die Karibische Kirchenkonferenz sein werden, ist die wichtigste ökumenische Veranstaltung im Vorfeld der 10. Vollversammlung des ÖRK 2013 in Busan (Korea) sein.

 

 


[ Detlev Knoche, Rita Deschner, PWB]