Bericht

13. Dezember 2004

Schlag gegen gelungene Integration

Propst Karg und Dekane setzen sich für eine gerechtere Asyl-Regelung ein


Erklärung der Kirchen in der Region und der Flüchtlingshilfe:
Integriert und trotzdem abgeschoben! (PDF, 14 KB)

Wir brauchen in unserem Land ein Bleiberecht für lange hier lebende integrierte Migranten,“ heißt es in einer öffentlichen Erklärung, zu der sich auch Michael Karg, EKHN-Propst für Nord-Nassau bekennt. Die Dekane Matthias Ullrich (Gladenbach), Roand Jaeckle (Dillenburg) und Michael Tönges-Braungart (Herborn) sowie weitere Vertreter der Diakonie, der katholischen Kirche und von Wohlfahrtsverbänden unterstützen diese Forderung ebenfalls.
Der Anlass für die Erklärung vom 10. Dezember war die Abschiebung zweier Schwestern Anfang November 2004 in die Türkei. „Die 19-jährige Remsiye und die 21-jährige Aysun Polat haben in Wetzlar vorbildlich gezeigt, wie Migrantinnen sich in das gesellschaftliche Leben hier integrieren können,“ erklärt Harald Würges, der Ausländerbeauftragte für die Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar, gegenüber der EKHN-Online-Redaktion. Die beiden Schwestern erhielten den Ehrenamtspreis der Stadt, da sie sich für die Wetzlarer Tafel „Mahlzeit“ engagierten. Auch für das Streitschlichter-Projekt „Schwimmbad-Steetworker“ setzen sich beide ein und erteilten Nachhilfeunterricht.

Arbeitslosigkeit anstatt Bildung und ehrenamtlichem Engagement

Nachdem die sozial engagierten Schwestern Polat elf Jahre in Deutschland lebten, wohnen sie nun in einer Siedlung für zurückgekehrte Flüchtlinge in der Nähe von Izmir. „In der Siedlung herrscht eine Arbeitslosenquote von 95 Prozent“, berichtet Harald Würges. Die Mädchen haben dort nicht die Chance, ihre schulische Ausbildung fort zu setzten. „Sie haben dadurch kaum eine berufliche Perspektive – und das, obwohl sie in Deutschland zu den besten Schülerinnen ihrer Klassen gezählt haben."

Forderung nach gerechter Regelung

„Unsere Aufgabe als Kirche ist es, auf die große Lücke zwischen geltendem Recht und einer gerechten Regelung für Migranten hinzuweisen,“ sagt der Ausländerbeauftragte. In dem Papier fordern die Unterzeichner, dass in der `Härtefallkommission´ des Landes Hessen auch Wohlfahrtsverbände und Flüchtlingsorganisationen beteiligt sind. So sieht es auch das Zuwanderungsgesetz vor. Würges fasst zusammen: „Eine solche Regelung könnte dafür sorgen, dass integrierte Flüchtlinge wie die Polat-Schwestern mit ihren Fähigkeiten und ihrem Engagement das Leben in Deutschland weiterhin bereichern.“ [RD]