Bericht
Schlag gegen gelungene Integration
Propst Karg und Dekane setzen sich für eine gerechtere Asyl-Regelung ein
Erklärung der Kirchen in der Region und der Flüchtlingshilfe:
Integriert
und trotzdem abgeschoben! (PDF, 14 KB)
Wir brauchen in unserem Land ein Bleiberecht für lange hier lebende
integrierte Migranten,“ heißt es in einer öffentlichen Erklärung,
zu der sich auch Michael Karg, EKHN-Propst für Nord-Nassau bekennt.
Die Dekane Matthias Ullrich (Gladenbach), Roand Jaeckle (Dillenburg) und
Michael Tönges-Braungart (Herborn) sowie weitere Vertreter der Diakonie,
der katholischen Kirche und von Wohlfahrtsverbänden unterstützen
diese Forderung ebenfalls.
Der Anlass für die Erklärung vom 10. Dezember war die Abschiebung
zweier Schwestern Anfang November 2004 in die Türkei. „Die 19-jährige
Remsiye und die 21-jährige Aysun Polat haben in Wetzlar vorbildlich
gezeigt, wie Migrantinnen sich in das gesellschaftliche Leben hier integrieren
können,“ erklärt Harald Würges, der Ausländerbeauftragte
für die Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar, gegenüber der EKHN-Online-Redaktion.
Die beiden Schwestern erhielten den Ehrenamtspreis der Stadt, da sie sich
für die Wetzlarer Tafel „Mahlzeit“ engagierten. Auch für
das Streitschlichter-Projekt „Schwimmbad-Steetworker“ setzen
sich beide ein und erteilten Nachhilfeunterricht.
Arbeitslosigkeit anstatt Bildung und ehrenamtlichem Engagement
Nachdem die sozial engagierten Schwestern Polat elf Jahre in Deutschland lebten, wohnen sie nun in einer Siedlung für zurückgekehrte Flüchtlinge in der Nähe von Izmir. „In der Siedlung herrscht eine Arbeitslosenquote von 95 Prozent“, berichtet Harald Würges. Die Mädchen haben dort nicht die Chance, ihre schulische Ausbildung fort zu setzten. „Sie haben dadurch kaum eine berufliche Perspektive – und das, obwohl sie in Deutschland zu den besten Schülerinnen ihrer Klassen gezählt haben."
Forderung nach gerechter Regelung
„Unsere Aufgabe als Kirche ist es,
auf die große Lücke zwischen
geltendem Recht und einer gerechten Regelung für Migranten hinzuweisen,“ sagt
der Ausländerbeauftragte. In dem Papier fordern die Unterzeichner,
dass in der `Härtefallkommission´ des Landes Hessen auch Wohlfahrtsverbände
und Flüchtlingsorganisationen beteiligt sind. So sieht es auch das
Zuwanderungsgesetz vor. Würges fasst zusammen: „Eine solche
Regelung könnte dafür
sorgen, dass integrierte Flüchtlinge wie die Polat-Schwestern mit
ihren Fähigkeiten und ihrem Engagement das Leben in Deutschland weiterhin
bereichern.“ [RD]
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN