Bericht
Haus der Verbundenheit verbessert Lebensbedingungen für alte Menschen in Rumänien
Standards des von Kirche und Lions-Club gespendeten Altenkrankenhauses in Crasna fließen in rumänische Gesetzgebung ein
„Das Haus ist fertig! Heute haben die Männer sogar geduscht und die erste Nacht in dem neuen Haus verbracht," verkündet Dolmetscherin Bianca Dobre der elf-köpfigen Delegation aus Deutschland. Die Vertreter des Evangelischen Dekanates Bad Schwalbach um Dekan Klaus Schmid und des Lions-Club Untertaunus, unter der Leitung ihres Präsidenten Karl Mouget, war am vergangenen Wochenende nach Crasna im Landkreis Salaj in Rumänien gereist, um das „Haus der Verbundenheit" für alte und behinderte Menschen offiziell einzuweihen. Der Ort liegt etwa 80 Kilometer westlich von Klausenburg.
Spender aus der Rhein-Taunus-Region ermöglichten den Bau des "Altenkrankenhauses"
60 Menschen können nach vier Jahren Bauzeit nun in das neue „Altenkrankenhaus" in Crasna/Transsilvanien ziehen.
Die Kosten in Höhe von € 465.000 wurden von über 500 Einzelspendern aus
der Region des Rheingau-Taunus Kreises, dem Evangelischen Dekanat Bad
Schwalbach und dem Lions Club Untertaunus finanziert. Der Hohensteiner
Architekt Armin Bielak erstellte Entwürfe, fertige die Detailpläne an, überwachte den Bau, verhandelte mit Bauunternehmern und
stellte dabei seine Leistungen kostenfrei zur Verfügung.
Vorbild für andere Heime in Rumänien
Bislang gab es in Rumänien keine gesetzlichen Standards für Alten- oder Behindertenheime. Das neue Heim in Crasna wird jetzt anderen als Standard dienen. Etliche Kriterien des neuen Hauses sind in die rumänische Gesetzgebung mit eingeflossen. Das ganze Heim ist rollstuhlgerecht, geräumig, hell und freundlich. Es gibt einen großen Aufenthaltsraum, verschiedenste Behandlungszimmer, Zentralheizung sowie einen Küchentrakt.
Spürbare Verbesserung der Lebensqualität
„Wir fühlen uns hier sehr wohl „ sagte der 40-jährige Istwan nach seiner
ersten Nacht im Fünf-Bett Zimmer. Zuvor hatten die Bewohner in nahezu
unmenschlichen und äußerst beengten Verhältnissen leben müssen. Im alten
Haus auf dem gleichen Gelände standen bis zum acht Betten auf 20 qm, die
Fenster waren äußerst klein und die Bausubstanz in erschreckendem
Zustand. Sanitäranlagen gab es nicht, nur einfachste Toilettenhäuschen,
kein fließendes Wasser. Im neuen Haus wurde eigens ein
Brunnen im Keller des Hauses gegraben, der das Haus mit fließendem
Wasser versorgt.
Die Eröffnungsfeier: „Das Gesicht der Welt verändert"
Bei der Eröffnungsfeier am Samstag (11. Juni) sagte Dekan Klaus Schmid
vor Vertretern der rumänischen Landes- und Kreisregierung, der
Lions-Clubs vom Untertaunus und dem Kreis Zalau sowie den Bewohnern: „Gemeinsam haben wir es geschafft das Gesicht der Welt ein Stück zu
verändern." Das ehrgeizige Projekt sei ein Erfolg geworden, weil man
trotz der fast aussichtslosen Situation nicht die Hände in den Schoß
gelegt, sondern gezeigt habe, dass man gemeinsam viel bewegen könne.
„Die Menschen werden es künftig besser haben und dem Pflegepersonal wird
die Pflege und Betreuung der Menschen bedeutend leichter fallen," sagte
Schmid weiter.
Projektleiter Rainer Löll betonte, dass das Haus ein Geschenk sei, mit dem auch Pflichten und Aufgaben für die Menschen und Verantwortlichen der Region verbunden seien. Er appellierte an die Politiker von Staat und Landkreis, dass das Haus für alle Zeiten nur dem bestimmten Zweck, zur Pflege für Alte und behinderte Menschen zur Verfügung stehen dürfe.
Rumänien verspricht, die Rechte behinderter Menschen künftig zu stärken
Der Präfekt und Vertreter der rumänischen Staatsregierung Dr. Andrei
Todea versprach den Anwesenden, dass es künftig keinerlei Probleme bei
Genehmigungen geben werde. „Das Lächeln der Bewohner nach dem Einzug ins
neue Heim, ist das Wichtigste für uns". Deshalb wolle man Wege finden,
die Rechte der behinderten Menschen in der Gesetzgebung künftig zu
stärken. Bislang haben Behinderte so gut wie keine Rechte in dem Land.
Einer der wichtigsten Verbindungsmänner, Präsident (Landrat) Tiberiu Marc dankte der deutschen Delegation auch für ihr Verständnis, dass nicht alles immer reibungslos gelaufen sei. Er habe gelernt, dass man auf rumänischer Seite manches Mal zu viel versprochen habe. Nun liege es in den Händen der Menschen und Verantwortlichen aus der Region, gemeinsam Ressourcen zu finden damit das Haus in Zukunft auch funktionieren könne.
Ökumenischer Gottesdienst als Zeichen der Toleranz
In einer ökumenischen Messe an der zehn Vertreter der unterschiedlichsten Glaubenskongregationen teilnahmen, wurde das „Haus der Verbundenheit", geweiht. Der Gottesdienst in drei Sprachen (rumänisch, ungarisch und deutsch) wurde von Präfekt Todeain als weiteres Zeichen der Verbundenheit in einem zerteilten Land bezeichnet.
Lions-Club übernimmt weitere Verantwortung
Nach den Einweihungsfeierlichkeiten fand ein Treffen der Lions-Clubs
Untertaunus, Zalau und des neu gegründenden Club Porolissum statt. Der
deutsche Club hatte sich bereit erklärt die Patenschaft für den jungen
Club mit seinen 38 Mitgliedern zu übernehmen. Hauptziel der Lions sei
es, so Präsident Karl Mouget, sich für die Völkerverständigung
einzusetzen und daher sei diese Patenschaft besonders sinnvoll.
Beide rumänische Clubs werden sich künftig um das Heim kümmern und dafür
Verantwortung übernehmen. Weltweit gibt es etwa 1,4 Millionen Mitglieder
in 192 Ländern der Erde.
Noch immer wohnen Menschen im alten Trakt
Etwa 50 der alten Menschen und Behinderten leben weiterhin in dem alten
Teil des Heimes. "Wir haben alle gefragt", erklärt uns eine
Krankenschwester im blauen Frotteemantel „einige wollten lieber im
alten Haus bleiben." Sie arbeitet seit Jahren in dem Heim und verdient
umgerechnet 75,00 Euro pro Monat. Zum Vergleich: der Liter Benzin kostet
knapp einen Euro.
Die 87-jährige Susanna Balogh ist auch im alten Trakt geblieben und auf
die Frage ob sie zufrieden sein, sagte sie: „Ja, ich habe alles, was
ich brauche, nur ein Fernseher wäre noch schön, denn was soll ich den
ganzen Tag sonst über tun?"
Hintergrund
Das Dekanat Bad Schwalbach unterstützt seit knapp 10 Jahren Projekte in
Rumänien. Ausgelöst durch die erschreckenden Fernsehbilder Mitte der
Neunziger Jahre von behinderten rumänischen Kindern, die in
Schweineställen lebten und weggeschlossen wurden, begann man in der
Ortschaft Badacin, (10 Kilometer von Crasna), Holzhäuser für
ausgestoßene und verlassene Kinder und Jugendliche zu bauen. So auch
für den heute 34-jährigen Razwan, dessen Eltern beiden Ärzte sind und
ihn weder besuchen noch finanziell für ihn aufkommen wollen. „Von den
118 Kindern und Jugendlichen haben nur fünf eine Familie, die sich um
sie kümmert", erklärt Dr. Adrian Mann, der Leiter der Einrichtung. Heute
können die Kinder und Jugendliche dank Gartenbauprojekt (Initiative des
Ehepaars von Hentig aus Rüdesheim), Tischlerei und Viehhaltung, sich
zum größten Teil selbst versorgen. Als dieses Projekt abgeschlossen
war, begann man nach einem Besuch in Crasna zu überlegen, wie man den
Menschen dort helfen könne.
Cransa – Eine Zeitreise
Das malerisch schön gelegene Transsilvanien, mit seinen
unterschiedlichsten Grüntönen von Feldern, Weinberge und Bergen erinnert
an längst verganene Zeiten. Pferdefuhrwerke sind, neben den
Dacias, das gängige Verkehrmittel. Die Straßen sind oft
unbefestigt, Tiere und Kinder spielen auf ihnen sorglos herum. Neben den
alten kleinen Häusern, stehen aber auch erste prunkvolle Neubauten und
hier und da fahren Nobelkarrossen durch die Straßen. Die
kargen Gärten sind gepflegt und überall stehen Brunnen in den
Höfen, die als Wasserversorgung dienen.
Crasna mit seinen 6373 Einwohnern liegt im Landkreis Salaj, dem ärmsten
Landkreis in Rumänien. davon 28 Prozent Rumänen, 64
Prozent Ungarn, 8 Prozent Roma und 0,12 Prozent andere Nationalitäten).
60 Prozent der Menschen versuchen von der Landwirtschaft zu leben, was
meist gerade den notwendigen Eigenbedarf deckt. „Industrie gibt es so
gut wie keine", sagt der Kulturdezernent gegenüber der Evangelischen Öffentlichkeitsarbeit. [Christian Weise]
Kontakt:
Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Rheingau-Taunus
Dekanate Bad Schwalbach und Idstein
Christian Weise
Theodor-Heuss Straße 4
65232 Taunusstein-Bleidenstadt
Tel. 06128 - 4 888 - 27
Fax. 06128 - 4 888 - 29
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN