Meldung

30. November 2005

Landwirtschaft braucht eine starke Solidarität der Gesellschaft

Fruchtbarer Gedankenaustausch zwischen Kirchenpräsident Steinacker und Bauernverbandspräsident Bär /Zuckermarktordnung war Anlass



von rechts nach links:
Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker
HBV-Präsident Heinz Christian Bär
Dipl.-Ing. agr. Manfred Menz, Zuständiger des HBV für
Pflanzliche Produktion
Dr. Maren Heincke, Referentin der EKHN für den
Ländlichen Raum

Auf Einladung von Prof. Dr. Peter Steinacker, dem Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), fand am 18. November 2005 in Darmstadt ein intensiver Fachaustausch mit dem Präsidenten des Hessischen Bauernverbandes (HBV) Heinz Christian Bär statt.

Für menschenwürdige Arbeitsbedingungen und hohe ökologische Standards
Hauptthema waren die im Dezember 2005 anstehenden WTO-Verhandlungen in Hongkong. Dabei wurde auch die Reform der EU-Zuckermarktordnung diskutiert. Beide Seiten waren sich darin einig, dass eine vollständige Liberalisierung der Weltagrarmärkte lediglich den stark exportorientierten Agrar-Schwellenländern wie Brasilien dienen würde. Sowohl die EU-Landwirte als auch die Kleinbauern in Entwicklungsländer bräuchten hingegen Schutz- und Unterstützungsmaßnahmen, um langfristig menschenwürdige Arbeitsbedingungen und hohe ökologische Produktionsstandards zu gewährleisten bzw. zu schaffen. Dies sei nur durch eine starke gesellschaftliche Solidarität mit der Landwirtschaft zu erreichen.

Wirtschaften im Dienst des Lebens
Steinacker und Bär verabredeten ein Treffen mit hochrangigen Vertretern des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED) sowie der Bauernverbände von Hessen und Rheinland-Pfalz. Unter der Moderation von Kirchenpräsident Steinacker sollen die agrarpolitischen Gemeinsamkeiten auch mit den evangelischen Entwicklungshilfe-Spezialisten erörtert werden. Steinacker hob hervor: „Wir wollen trotz mancher Differenzen vor allem gemeinsame nachhaltige Strategien zu einer gerechteren Gestaltung des Globalisierungsprozesses im Landwirtschafts- und Ernährungssektor entwickeln.“

Erfolg der WTO-Verhandlungen von vielen Faktoren abhängig
Steinacker stimmte der Aussage von Präsident Bär zu: „Bei den WTO-Verhandlungen geht es nicht nur um die Landwirtschaft, auch wenn das in der Öffentlichkeit oft so dargestellt wird. Es geht ebenso um die Marköffnung für Industriegüter und Dienstleitungen sowie das internationale Patentrecht“.

Lebendige ländliche Räume erhalten
„Der Erhalt der flächendeckenden Landwirtschaft in Hessen ist auch ein wichtiges Ziel der EKHN“, betonte Steinacker, „die Landwirte und ihre Familien liegen uns am Herzen!“ Steinacker erzählte, dass er selbst aus eine ländlichen Familie stamme. Er schätze die Direktheit der Menschen. „Bauern können sich gerne an mich wenden“, versicherte Steinacker. Im Laufe dieses Jahres habe er viele Gespräche mit Landwirten geführt. Dabei habe er aus erster Hand erfahren, wie stark sich einige angesichts des Verfalls der Erzeugerpreise um ihre Existenz und Zukunft sorgten. Die EKHN mache ländlichen Familien in Notlagen verschiedene konkrete Hilfsangebote. Gleichzeitig drücke auch das gemeinsame Landeserntedankfest die hohe Wertschätzung für die Arbeit der Landwirte und der Lebensmittel aus.

Bei ethisch problematischen Fragen wie der Getreideverbrennung vereinbarten Bär und Steinacker für die Zukunft einen engen Austausch.

gez. Maren Heincke/Stephan Krebs