Bericht

05. Dezember 2006

Kirchenpräsident ermutigt, sich um schlecht ausgebildete Jugendliche zu kümmern

Handwerk und Kirche im Gespräch



„Ich sorge mich um die zwanzig Prozent Menschen in unserem Land, die nicht ausbildungsfähig sind, die durch jedes Raster fallen“, so Prof. Peter Steinacker, Kirchenpräsident der EKHN, zur Situation von vielen Jugendlichen mit schlechter beziehungsweise gar keiner Ausbildung. „Wenn wir uns nicht darum kümmern, schafft das Konfliktpotentiale in unserer Gesellschaft, die in Zukunft umso teurer werden“. Davor warnte der Kirchenpräsident im Rahmen eines Treffens mit Vertreten der regionalen Handwerkskammern aus Wiesbaden, Rhein-Main und Koblenz im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN in Mainz am 30. November 2006. Diese alle zwei Jahre stattfindenden Treffen dienen dem Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen Kirche und Handwerk.

Regionale Kooperationen zwischen Kirche, Wirtschaft und Schule

Um den Jugendlichen eine Zukunft zu geben, hält es der Kirchenpräsident für sinnvoll, in der Region vermehrt zusammen zu arbeiten, um Auszubildende zu unterstützen, wenn es Probleme in den Jahren der Lehrzeit gebe. Allein an den Berufsschulen gebe es über 25 Schulseelsorgestellen und in fast jedem Dekanat eine Profil- oder Fachstelle für gesellschaftliche Verantwortung, die ihrerseits Kontakt zu Industrie- und Handwerk aufbauten.
 „Wir sehen hierin eine ganz wichtige Maklerfunktion des Zentrums Gesellschaftliche Verantwortung“, betonte Gundel Neveling, Leiterin des Zentrums. Sie kündigte an, den Kontakt zwischen den Betrieben und den kirchlichen Vertretern in der Region noch stärker zu forcieren.

Projekt „Ausbildung plus“ eröffnet Jugendlichen eine Chance

Ein gutes Beispiel für Kooperation sei das Projekt der EKHN „Ausbildung plus“, mit dem die EKHN Handwerksbetriebe in Hessen und Rheinland-Pfalz unterstütze, Ausbildungsplätze anzubieten. Dies wird durch die EKHN durch finanzielle Zuschüsse aber auch durch personelle Beratung der Betriebe gefördert. „Es konnten somit 32 Ausbildungsplätze geschaffen werden“, freute sich Siegfried Schwarzer,  Beauftragter für Handwerk vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung, über die Entwicklung. „Viele Meister sind überrascht, dass sich Kirche auch auf diesem Gebiet einsetzt, um auch soziale Kompetenz zu stärken“, berichtete Schwarzer.

Handwerkskammern weisen auf positive Entwicklungen, aber auch auf Bildungsdefizite hin

Robert Werner, Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden, zeichnete analog zur
allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung ein positives Bild der wirtschaftlichen Situation der Handwerksbetriebe im Lande. Positiv sei außerdem, dass im Handwerk trotz zurück gehender Zahl an Ausbildungsbetrieben eine Quote von neun Prozent ausbildender Betriebe gehalten werden, vermerkte Werner. Allerdings zeigten sich die Handwerksvertreter besorgt über den Bildungsstand der Ausbildungsplatzsuchenden. „Hier müssen wir unterstützend tätig werden, das können die Betrieb nicht allein bewerkstelligen“, waren sich die Vertreter der Handwerkskammern einig.

[Gregor Ziorkewicz]