Meldung
Leben in der Abschiebehaft
Kirchen betreuen Ausreisepflichtige in der Ingelheimer Gewahrsamseinrichtung
Flüchtlings-Seelsorge Region Süd, Dek. Ingelheim
Pfr. P. Oldenbruch
Kleine Hohl 28
55263 Wackernheim
Telefon: 06132 - 433270
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20 Stunden in der Zelle, keine Möglichkeit zu arbeiten oder Sport zu treiben, Wachpersonal mit scharfen Hunden – so kann der Alltag von Menschen aussehen, die aus Deutschland ausreisen müssen. „Die Menschen fühlen sich wie Schwerverbrecher. Es wundert mich nicht, wenn dann Menschen einen Zellenkoller bekommen und durchdrehen. Dadurch, dass der Bau so massiv ist, könnte man doch innen mehr Freiheit wagen“, sagte Pfarrer Friedrich Vetter, Flüchtlingsseelsorger der EKHN. Er hat ein offenes Ohr für die rund 60 Männer und Frauen in der rheinland-pfälzischen Abschiebehaft in Ingelheim.
Kirche als Ansprechpartner für Abschiebehäftlinge
Im Rahmen der Ingelheimer Burgkirchengespräche berichtete er am 22. März 2007 über das ökumenische Projekt in der Gewahrsamseinrichtung für Ausreisepflichtige (GFA), das die beiden kirchlichen Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie betreuen.
Gemeinsam bieten sie neben der unabhängigen Beratung durch einen hauptamtlichen Mitarbeiter einmal wöchentlich eine kostenlose Rechtsberatung durch Rechtsanwälte an, die im Asyl- und Ausländerrecht erfahren sind. Caritas und Diakonie stellen ebenso einen Rechtshilfefonds bereit, damit auch inhaftierte Personen ohne entsprechende Geldmittel Haftbeschwerde einlegen können.
Die GFA in Ingelheim existiert seit Mai 2001, rund 90 Prozent davon halten sich nicht länger als drei Monate in Ingelheim auf.
Kritik an der Abschiebepraxis
Aus seinem Alltag berichtete Seelsorger Vetter: „Ich treffe in der Abschiebehaft Menschen an, wo ich denke, sie müssten nicht dort sein. Deswegen habe ich die Bitte an die Ausländerbehörden, intensiver hinzuschauen, bevor sie den Antrag auf Abschiebung stellen.“
Der ebenfalls am Gespräch beteiligte Staatssekretär Roger Lewenz aus dem rheinland-pfälzischen Innenministerium versicherte, dass er sich die Situation vor Ort noch einmal genauer anschauen und über eine Art „Tag der offenen Tür“ nachdenken wolle. Desweiteren hatte er darauf hingewiesen, dass ausreisepflichtige Menschen, denen die Gefahr des Untertauchens besteht, nicht in Justizvollzugsanstalt wie in anderen Bundesländern gebracht werden.
An dem Gespräch, das Dr. Simone Emmelius moderierte, nahmen Pfarrer Friedrich Vetter, Staatssekretär Roger Lewentz vom Innenministerium Rheinland-Pfalz und Marie Weber von Amnesty International Mainz-Wiesbaden teil.[Luise Botler, RD]
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN