Meldung
Sich des eigenen Todes gewahr werden
Palliativmediziner spricht auf Idsteiner Synode
„Wir müssen alle sterben!“ Mit diesem Satz hat der in Niedernhausen wohnende Palliativ-Mediziner Dr. Ingmar Hornke auf der Dekanatssynode Idstein die Kirchengemeinden im Dekanat aufgerufen, sich dem Thema Sterbebegleitung anzunehmen. Die Veränderungen im Gesundheitssystem sähen erstmals auch die Versorgung von Sterbenden vor. „Dies ist ein Paradigmenwechsel, der auch durch die vorbildliche Hospizarbeit zustande gekommen ist“, so der Oberarzt der Städtischen Kliniken Hanau. Hornke wünschte sich, dass Kirchengemeinden für die Palliativmedizin ein offenes Klima schaffen und sich überlegen wie sie sich diesem Thema, von der Medizin oftmals verschwiegenen, stellen können. Der Anästhesist bezeichnete es als seinen „Traum, dass sich Kirchengemeinden diesen Herausforderungen stellen“.
Verdrängtes Thema in der Medizin
In der Medizin werde heute das Thema Tod und Sterben immer noch verdrängt, in dem man den unabwendbaren Tod nicht wahrhaben wolle und stattdessen sich auf lebenserhaltende Maßnahmen konzentriere. Dies führe oftmals dazu, dass man den „richtigen Zeitpunkt“ verpasse, was eine negative Auswirkung auf eine menschenwürdige Behandlung und Begleitung habe. „Nicht selten wird sinnlos therapiert, anstelle die verbleibende Zeit auszukosten. Es fällt schwer zuzugeben, dass der Zeitpunkt gekommen ist“, so Hornke zu den knapp 50 Synodalen. Hornke ermutigte die Gemeinden die Begleitung der Bedürftigen nicht nur den eigenen Profis zu überlassen.
Auch Laien können Sterbende begleiten
Vielmehr wäre es „traumhaft“, wenn die Kirchengemeinden als „ganzer Leib“ durch verschiedenste Facetten die Sterbenden begleiten könnten. Auch Laien könnten durch ihr einfaches Dasein die Sterbenden und Trauernden unterstützen. Der Ausbilder an der Landesärztekammer nannte ferner die Fürbitte oder das begleitende Gebet sowie eine funktionierende Nachbarschaftshilfe als weitere Möglichkeiten für Kirchengemeinden, neben der professionellen Seelsorge tätig zu werden. Er betonte dabei Luthers Verständnis von „Priestertum aller Gläubigen“.
Sterbebegleitung ist bereits Realität
Die Leiterin der Idsteiner Diakoniestation, Elke Halbleib, machte deutlich, dass der Traum heute schon Realität werde. Bereits heute würden die Ärzte im Idsteiner Land in guter Zusammenarbeit mit der Diakoniestation es ermöglichen, dass viele Menschen zu Hause in Würde und mit wenigen Schmerzen sterben könnten. Zudem arbeiteten die Seelsorger oftmals eng mit der Hospizbewegung und den ärztlichen Diensten zusammen.
Das Wort Palliativ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Mantel“. So wie ein Mantel als Schutz vor widrigem Wetter diene und es erträglicher mache, so sei es mit der Palliativmedizin. Sie mache das Leiden, das Sterben menschenwürdiger und erträglicher.
[Christian Weise]
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN