Meldung
G8-Gipfel: Kampf gegen Armut nach wie vor Stiefkind der Globalisierung
Interview und Aktion "Acht Minuten für Gerechtigkeit"
Die Evangelische Kirche unterstützt die bundesweite Aktion „8 Minuten für Gerechtigkeit“. Am Abend des 6. Juni 2007 wird bundesweit um 18 Uhr zu Gottesdiensten, Gebeten und Andachten eingeladen, zu denen vorher acht Minuten lang die Kirchenglocken geläutet werden. Dabei soll der G8-Gipfel zum Anlass genommen werden darüber zu informieren, wie Wirtschaft und Lebensweise in den reichen Ländern auf die Lebensbedingungen in den ärmeren Ländern wirken. Claudia Pfannemüller sprach mit dem Leiter des Zentrums für Ökumene der EKHN, Dr. Jochen Kramm, darüber, warum sich die Evangelische Kirche an der Aktion beteiligt und wie sich Christen für eine mehr an Gerechtigkeit orientierte Welt engagieren können.
Die Aktion „8 Minuten für Gerechtigkeit“ soll ein Plädoyer für menschenwürdige und gerechtere Lebensbedingungen weltweit sein. Warum hat sich die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau entschieden, diese Aktion zu unterstützen?
Gemessen an dem wirtschaftlichen Reichtum in der Welt müsste kein Mensch unter Hunger und Armut leiden. Armut ist nicht von Gott gegeben. Christus hat allen das Leben in Fülle zugesagt. Daher sind wir aufgefordert, Armut in gemeinsamen Anstrengungen zu überwinden. Aber noch wird von Seiten der politisch Verantwortlichen zu wenig getan. Die EKHN schließt sich darum der Initiative der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Mecklenburgs in Zusammenarbeit mit Brot für die Welt und anderen kirchlichen Organisationen an.
Die Globalisierungsgegner werfen den G8 Staaten vor, dass ihre Politik auf Kosten der Entwicklungsländer geht. Schließt sich die Kirche dieser Kritik an?
Die Evangelische Kirche versteht sich nicht als Globalisierungsgegner. Vielmehr geht es um eine kritische Begleitung der Politik im Blick auf eine gerechte Gestaltung der Globalisierung. Bei Überwindung von Hunger und Armut und dem nachhaltigen Umgang mit Gottes Schöpfung besteht der Handlungsbedarf vor allem in den Entwicklungsländern. Hier ist festzustellen, dass in der Politik die Interessen der Armen oftmals nicht im Mittelpunkt von Entscheidungen stehen.
In China und Indien sind in Folge der Globalisierung Millionen von Menschen der Armut entkommen. Hat die Globalisierung nicht auch positive Seiten?
Die Globalisierung hat positive Seiten. Wir profitieren auch in unseren ökumenischen Beziehungen weltweit. Sicherlich ist der ökonomische Reichtum in Indien und China durch die Einbindung in globale Märkte gewachsen. Es gibt starke Hinweise, dass dies den Armen im Land noch nicht ausreichend zugute kommt. Für Indien gehen Wissenschaftler davon aus, dass der Anteil der Menschen die mit einem US-Dollar oder weniger pro Tag auskommen müssen, noch immer bei etwa einem Drittel der Bevölkerung liegt. Das sind in absoluten Zahlen rund 370 Millionen Menschen – und an dieser Zahl hat sich in den letzten Jahren leider nicht viel verändert.
Was können Christen tun, um für mehr weltweite Gerechtigkeit zu sorgen?
Ein erster Schritt kann sein, beim täglichen Einkauf auf Waren aus Fairem Handel zu achten. Kaffee, Tee und Schokolade aus Fairem Handel gibt es in fast jedem Supermarkt. Weitere Waren findet man in den Weltläden, die es in jeder größeren Stadt gibt. Man kann Projekte durch Spenden an Brot für die Welt unterstützen und bei Oiko-Kredit, der Vergabe von Kleinkrediten, durch eine Geldanlage Fördermitglied werden. Schließlich ist auch eine politische Mitarbeit in Eine-Welt-Initiativen möglich.
[Die Fragen stellte Claudia Pfannmüller]
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN