Meldung
Tafelgründungen zeigen wachsende Armut in Deutschland, Diakonie-Chef Gern:
Zunehmende Spaltung zwischen Arm und Reich ist Armutszeugnis für ein reiches Land
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Hilfe bei Armut
Rahmenkonzeption zur Tafelarbeit:
„Ich hatte Hunger und ihr habt mir zu essen gegeben. (Mt 25,35)“
Frankfurt am Main. „Die rasante Zunahme von Tafelgründungen in Deutschland ist ein Indikator für die Armutsentwicklung in unserem Land und damit Indiz für einen sozialpolitischen Skandal.“ Dies sagte Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau (DWHN) und Sprecher der Nationalen Armutskonferenz, anlässlich des ersten Deutschen Tafeltages, der am Samstag, den 29. September 2007, zum ersten Mal bundesweit begangen wird. Obwohl dieses Land noch nie so reich gewesen sei wie heute, müssten sich täglich bundesweit etwa 700.000 Menschen an die Tafeln wenden, weil sie nicht genug Geld zum Leben hätten und daher inmitten unserer Überflussgesellschaft „von der Hand in den Mund“ leben müssten, legte Gern weiter dar. Dies komme einer Steigerung von 40 Prozent in den letzten zwei Jahren gleich. Etwa ein Viertel der Tafelkunden seien Kinder und Jugendliche. Auch in der Diakonie würden die Auswirkungen dieser Entwicklung deutlich
spürbar: Zwischen November 2005 und September 2007 ist im Gebiet des DWHN an 23 Stellen unter Beteiligung der Diakonie Tafelarbeit entstanden, zuletzt in Nastätten und jetzt in Alzey. Zwei weitere Standorte in Schwalbach im Taunus und in Bad Homburg sind in Gründung. Insgesamt werden dort über 4.000 Menschen mit Lebensmitteln versorgt.
Bürgerschaftliches Engagement zentral für die Tafelarbeit
Gern würdigte auch den großen persönlichen Einsatz der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter, ohne die die Arbeit der Tafeln undenkbar wäre. Allein im DWHN setzen sich etwa 900 freiwillig Engagierte für die Tafelarbeit ein. Diesen Helferinnen und Helfern gebühre sein besonderer Dank – ebenso wie den Spendern, die Sachmittel und Geld spendeten. Gern sagte weiter: „Zugleich dürfen wir uns nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass die wachsende Not und die zunehmende Spaltung zwischen Arm und Reich ein Armutszeugnis ist für unser sonst so reiches Land. Diese Entwicklungen zeugen auch von kultureller Armut.“ Letztlich sei diese erfolgreiche Arbeit auch ein alarmierendes Signal dafür, in welchem Maße seitens des Staates hier Handlungsbedarf bestünde. Die freiwillig Engagierten widmeten sich der zutiefst christlichen und urdiakonischen Aufgabe, Arme zu speisen – modern gesprochen: unterversorgte Menschen mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Dennoch dürfe der Staat an dieser Stelle nicht aus seiner Verantwortung entlassen werden. Anlässlich des Deutschen Tafeltages wird die Tafelarbeit im DWHN sich in Gottesdiensten zum Erntedankfest, das an diesem Sonntag gefeiert wird, und in Veranstaltungen in den Regionen vorstellen, etwa in der Giessener Fußgängerzone mit einem Infostand. Am Freitag, den 27. September 2007, wird außerdem in Alzey eine neue Tafel eröffnet.
Standorte im Diakonischen Werk in Hessen und Nassau:
An folgenden Standorten gibt es Tafelarbeit in Trägerschaft des DWHN oder unter dessen Mitwirkung: Biedenkopf, Frankenberg (drei Ausgabestellen), Gießen, Grünberg, Hungen, Groß-Gerau, Diez, Nastätten, Bad Schwalbach / Taunusstein (zwei Ausgabestellen), Alsfeld, Westerwaldkreis (acht Ausgabestellen), Worms, Alzey, Idstein sowie demnächst in Schwalbach i.Ts., Bad Homburg und in Erbach-Michelstadt i.O,.
Stichwort Tafeln:
Qualitativ einwandfreie Nahrungsmittel, die im Wirtschaftskreislauf nicht mehr verwertet werden können, werden von den Tafeln gesammelt und kostenlos oder gegen einen geringen Betrag an Bedürftige abgegeben. Die Finanzierung erfolgt weitgehend über Spenden, Organisation und Verteilung zum großen Teil durch ehrenamtlich engagierte Helfer.
[Öffentlichkeitsarbeit Rheinhessen]
zurück | letzte Aktualisierung: 28.09.2007 | copyright by EKHN