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Hintergrundinformationen zur Globalisierung im Agrarbereich
Die Position von Brot für die Welt
Die Ziele der Kampagne „Niemand isst für sich allein"
Obwohl wir weltweit momentan fast doppelt soviel Nahrungsmittel produzieren, wie die Erdbevölkerung verbrauchen kann, (2.700 kcal täglich für 12 Mrd. Menschen, bei einer Bevölkerungszahl von z.Zt. 6,5 Mrd.), leiden noch immer mehr als 850 Millionen Menschen an Hunger.
Im Mittelpunkt der Kampagne „Niemand isst für sich allein“ steht das Eintreten von Brot für die Welt für Ernährungssicherheit weltweit. Ernährungssicherheit auf unserem Globus ist jedoch nur durch eine Agrarwende bei uns und in den Ländern des Südens zu verwirk-lichen. Die Stichworte sind hierbei nachhaltige Landwirtschaft und Wandel im (Welt-)Handel.
Mit „Niemand isst für sich allein“ lädt Brot für die Welt dazu ein, über eine gerechte Welthandelsordnung nachzudenken und sich mit dem Konsum regionaler, ökologischer und fair gehandelter Lebensmittel für mehr Geschmack, und mehr Gesundheit einzusetzen und mehr Verantwortung für Umwelt und Mitmenschen zu übernehmen.
Welche Auswirkungen der von der WTO (World Trade Organisation) geforderte freie Handel für die Menschen im Süden hat, läßt sich an einer Reihe von Beispielen belegen.
Bis in die 80er Jahre wurden in Ghana nahezu ausschließlich einheimische Tomaten konsumiert. Heute werden jährlich über 10.000 t Tomatenmark aus der EU ins Land gebracht. Die einheimischen Fabriken stehen still. Sie haben bis vor kurzem noch Tomaten einheimischer Bauern gekauft. Mit den Billigpreisen aus der EU können sie nicht konkurrieren.
Auch auf dem großen Markt in Dakar/Senegal sind Obst und Gemüse aus der EU billiger zu haben, als auf dem einheimischen Markt produzierte Waren.
Die Teile vom Huhn, wie Flügel oder Rücken, die die Nordeuropäer weniger nachfragen, landen auf dem Markt in Kamerun oder anderen Ländern der sogenannten Dritten Welt. Auch diese Ware wird zu Preisen angeboten, bei denen einheimische Anbieter nicht mithalten können.
Die Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen. In all diesen Fällen zerstört subventionierte Überproduktion von Lebensmitteln aus dem Norden, zunehmend die Existenz einheimi-scher Kleinbauern.
Auf der anderen Seite können die Bauern bei uns nur durch Subventionen und durch die Produktion von großen Mengen überleben.
Es geht um Gerechtigkeit für Süd und Nord. Sowohl die Landwirte im Norden als auch diejenigen im Süden müssen für ihre Produkte einen Preis erhalten, die ihre Existenz sichert und der ein Leben in Würde ermöglicht. Bei der gegenwärtigen Struktur brauchen unsere Bauern Subventionen. Andererseits kann es nicht angehen, daß unsere Überproduktion auf den Märkten der sogenannten Dritten Welt landet und dort den Menschen die Existenzgrundlagen entzieht. Hier muß eine Lösung gefunden werden.
Welthandel geht uns alle an: Wir brauchen wir eine faire, transparente und demokratisch kontrollierte Handelspolitik.
Freihandel ist kein Wert an sich: Handelspolitik muß Menschenrechte, Armutsbekämpfung und Umweltschutz dienen.
Alle Länder haben das Recht, ihre Wirtschaft selbst zu steuern: Die politisch und wirtschaftlich Starken dürfen die ärmeren Länder nicht länger zur Marktöffnung drängen.*
Nahrung, Bildung und Gesundheitsversorgung sind Menschenrechte: Diese dürfen durch die Welthandelspolitik nicht ausgehöhlt werden.
Menschen und Umwelt müssen Vorrang vor Unternehmensinteressen haben:
Unternehmen und ihre Investitionen müssen durch verbindliche soziale und ökologische Standards reguliert werden.
Brot für die Welt unterstützt seit Anbeginn den Fairen Handel, der ein Zeichen setzt und die Menschen dazu bewegen soll, einen angemessenen Preis für Waren aus den Ländern des Süden zu bezahlen.
Eine der Aufgaben von Brot für die Welt, Anwalt der Benachteiligten zu sein, wird angesichts der zunehmenden Globalisierung immer wichtiger. Brot für die Welt versteht sich in diesem Zusammenhang als Kritiker der Globalisierung, mit dem Anspruch, durch konstruktive Vorschläge, zur positiven Gestaltung von Globalisierung beizutragen.
*Bei einem internationalen Landfrauenkongress, der im Frühjahr 2005 in Stuttgart stattfand, forderten die Teilnehmerinnen eine Agrarpolitik, die nationale Märkte und die Ernähurngssouverenität der Bevölkerung schützt.
[Brot für die Welt / Sigmund Krieger]
zurück | letzte Aktualisierung: 22.11.2007 | copyright by EKHN