Bericht
Freiheit als Herausforderung
Kirchenpräsident der EKHN Steinacker sprach vor Evangelischen Unternehmern zum "evangelischen Profil"
Orientierungskrise und Wertewandel
Auf welchem Kurs die Evangelische Kirche derzeit ihr Profil schärft, das trug der Kirchenpräsident der EKHN, Professor Dr. Peter Steinacker, den 60 Zuhörern des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer in Deutschland (AEU) vor. Deutschland habe seit den 80iger Jahren nicht nur eine Steuerungskrise, sondern vielmehr eine Orientierungskrise. Sie sei gekennzeichnet von einem allgemeinen Mangel an innerem Halt und mangelndem Sinn. Mit oberflächlichen Krisenlösungen komme die Gesellschaft dem Problem aber nicht bei, denn persönliche Einstellungen und Werte seien sehr tief im Bewusstsein des Menschen angelegt. „Die kann man kaum verändern“, sagte Steinacker. Ein Verschwinden konnte er aber nicht feststellen, sondern vielmehr ein Wandel. So seien Orientierungen an Pflichten und gesellschaftlicher Akzeptanz zugunsten von Selbstentfaltungswerten zurückgetreten. Der Mensch stehe heute vor der Aufgabe, seine Gestaltungsfreiheit immer wieder neu zu erringen und seine Lebensziele immer wieder neu festlegen zu müssen. Niemand, außer der Mensch selbst, sei dafür verantwortlich, beschrieb der Kirchenpräsident die Herausforderung und fügte hinzu: “Alle unsere Lebensziele sind unser eigenes Risiko.“ Eine solche „riskante Freiheit“ – ein Begriff des Münchener Soziologen Ulrich Beck – sowie der Wertewandel seien Ausdruck der allgemeinen Orientierungskrise.
Evangelisches Profil
Zuvor hatte Steinacker zum heutigen „evangelischen Profil“ festgestellt, es lebe von Unterschieden. Im Unterschied zur katholischen Kirche, betrachteten die Evangelischen die Gestalt der Kirche nicht als eine göttliche Offenbarung und als „wesensmäßig“. Vielmehr sei die Kirche für Protestanten traditionell eine „Nebensächlichkeit“. Die Evangelischen hätten gut gelernt, die Gegenwart zu betrachten und sich immer wieder neuen Gestaltungsaufgaben zu stellen.
Heute werde es neu notwendig, „Mission“ als eine zentrale Aufgabe der Kirche zu erkennen, denn sie sei ein Teil ihres Wesens. Dennoch solle eine „missionarische Kirche“ die Basis der Kirchengemeinde vor Ort überschreiten, meinte Steinacker in der anschließenden Fragerunde unter der Moderation des Vorsitzenden der AEU, Michael Freiherr Truchseß. „Christus hat uns nicht in die Gemeinde entsandt, sondern in die Welt“, appellierte der Referent an die Zuhörer, unter denen auch Pfarrerinnen und Pfarrer waren. Die Unternehmer forderte der Theologieprofessor Steinacker auf, sich in ihren Betrieben als Christen zu bekennen und zu zeigen, dass ihnen Gott etwas bedeute.
Dominanz des Geldes
In der gesellschaftlichen Orientierungskrise, die mit einer Ökonomisierung der Lebenswelt und einer Dominanz des Geldes einhergehe, müsse sich die Kirche neu auf die lutherische Rechtfertigungslehre besinnen. Sie sei das protestantische Profil schlechthin und sie lebe von der Erkenntnis, dass der Mensch „den Riss der Gesellschaft“ nicht selber heilen könne. In der Orientierungskrise der Gesellschaft suche die Kirche „den liebenden Gott heraus zu glauben.“
Dr. Roger Töpelmann/RD
zurück | letzte Aktualisierung: 27.02.2008 | copyright by EKHN