Bericht
Sozialwort der Synode: Die auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich ein Stückchen schließen
Hilfsprojekte aus der Praxis als Anregungen für eigene Initiativen
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Die Zukunft des Sozialstaates und unsere Verantwortung
Sozialwort der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau: Anregungen, Beispiele, Konkretionen
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Da ist eine 97-jährige Frau, die wegen eines angebrochenen Beines in ihrem Bett liegt und nicht zur Toilette gehen kann. Das Krankenhaus hatte sie nach einer Woche nach Hause geschickt. Da kommen Kinder in die Schule, deren Familien sich kein Mittagessen leisten können. Das ist Realität in Deutschland. Und ein Anlass für die EKHN, sich in Worten und Taten für eine gerechte Gesellschaft zu engagieren. Ein Beispiel dafür ist die Publikation „Die Zukunft des Sozialstaates und unsere Verantwortung - Sozialwort der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau: Anregungen, Beispiele, Konkretionen“.
Dr. Gunter Volz, Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung in Frankfurt und stellvertretender Vorsitzender des zuständigen synodalen Ausschusses, hat die Broschüre der Synode während ihrer 10. Tagung am 26. April 2008 in Frankfurt am Main vorgestellt. Das Sozialwort ist eine Stellungnahme in der sozialpolitischen Diskussion um steigende Armut und die Aufgaben des Sozialstaates und wird um die Beschreibung zahlreicher, bereits realisierter Modellprojekte von Kirche und Diakonie ergänzt. „So sieht sich auch die 10. Kirchensynode in der Pflicht, für diejenigen einzutreten, die nicht zu den Gewinnern der politischen und wirtschaftlichen Veränderungen gehören,“ schreibt Prof. Dr. Karl Heinrich Schäfer, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, in seinem Vorwort. Er zeichnet für die Publikation verantwortlich.
Evangelische Modellprojekte: Tafeln, Kleiderläden, Lehrstellen- und Arbeitslosen-Initiativen und vieles mehr
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Bereits jetzt setzen sich Kirche und Diakonie für Menschen ein, die von Armut betroffen sind, wie die aufgeführten Modellbeispiele zeigen. So engagiert sich die Kirche bei Tafeln, Kleiderläden für Hilfsbedürftige, Lehrstellen- und Arbeitslosen-Initiativen, in einem Netz gegen Kinderarmut, in der Stadtteilarbeit und vielem mehr. „Die Projekte sollen andere zur Nachahmung anregen“, erläutert Pfarrer Volz. Deshalb bitten die Verfasser im Heft darum, Erfahrungsberichte zu weiteren umgesetzten Projekten an das Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN zuschicken, die dort gesammelt und wiederum als gute Beispiele veröffentlicht werden können.
Sozialwort: Wirtschaft und Bildung müssen den Schwächsten dienen
In ihrem Sozialwort kritisiert die Synode den Ruf des Staates nach mehr Eigenverantwortung im finanziellen Bereich. „Wir stellen jedoch fest, dass Menschen mit geringen Einkünften und häufig mit Schulden kaum in der Lage sind, solchen Forderungen nachzukommen“, schreiben die Verfasser. Auch seien betriebswirtschaftliche Regeln nicht geeignet, eine Gesellschaft sozial verantwortlich zu gestalten. Wirtschaftliches Handeln sollte vielmehr auf Lebensdienlichkeit hin überprüft werden und den Armen und Ungeschützten dienen. Auch unter den Bedingungen der Globalisierung müsse der Schutz und die Gewährleistung sozialer Rechte zu den Aufgaben des Staates gehören. Unterstützung für Hilfsbedürftige seitens des Staats solle so gestaltet sein, dass sie Menschen zur Eigenverantwortung befähige und ermutige.
Einen weiteren zentralen Punkt räumen die Verfasser dem Thema Bildung ein. So heißt es: „Die Schlechterstellung von Kindern aus bildungsfernen und sozial schwachen Milieus, vor allem aus Migrantenfamilien, muss entschieden bekämpft werden.“
Die Aufgaben der Kirche
Abschließend umreißt das Synodenwort die Aufgaben der Kirche. So müsse sie noch deutlicher in Gottesdiensten, in der Seelsorge, in der Kinder-, Jugend- und Altenarbeit, im Religionsunterricht und in der Erwachsenenbildung, aber auch in Gesprächen und in der Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft sozialen Auflösungserscheinungen Aufmerksamkeit schenken. „Dabei muss sie mitwirken an der Entwicklung von Lösungsmöglichkeiten aus dem Geist der christlichen Botschaft und diese in gesellschaftlichen Diskursen stark machen.“ Mit der Publikation und ihren Modellprojekten haben Kirche und Diakonie einen ersten Schritt gemacht, wie der Präses in seinem Vorwort erläutert. So finden die Leser „eindrucksvolle Beispiele dafür, wie die auseinander klaffende Schere von Armut und Reichtum in diesem Land wieder ein Stückchen geschlossen werden kann.“
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Publikation zum Herunterladen und Bestellen
Das Sozialwort ist im Internet unter www.ekhn.de/synode unter dem Menüpunkt „Publikationen“ veröffentlicht. Gedruckte Exemplare können im Synodalbüro in Darmstadt und im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung in Mainz bestellt werden.
Rita Deschner / Dr. Lothar Triebel
zurück | letzte Aktualisierung: 29.04.2008 | copyright by EKHN