Bericht

07. Oktober 2008

Online-Spiel: Erfolg an der Börse für die "Hessenlandbullen" durch soziale und ökologische Kriterien

Bundesministerin Wieczorek-Zeul: "Nachhaltiges und ethisches Wirtschaften ist auch betriebswirschaftlich rentabel"



„Aktien von Unternehmen, die sich an ökologische und soziale Standards halten, haben im Gegensatz zu denen von DAX-Unternehmen besser abgeschnitten,“ so das Fazit von Ralf Müller, Bildungs- und Ökumenereferent des Evangelischen Dekanates Alsfeld. Ralf Müller hatte im Februar diesen Jahres das Online-Spiel „Gut&Börse“ gestartet, an dem vierzig Teilnehmende in 10 Gruppen bis zum 29. August 2008 mitspielten. Sie starteten mit einem Spielkapital von jeweils 50.000 Euro und sollten es ausschließlich in „nachhaltige“ Wertpapiere gewinnbringend anlegen. Über das Ergebnis berichtet der Bildungsreferent: „Während der DAX im Spielzeitraum um 6,7 Prozent nachgab, konnten die „Gut&Börse“-Spielgruppen ihr Ausgangskapital im Durchschnitt um 3,0 Prozent vermehren.“ Die wirtschaftlich erfolgreichste Gruppe, die „HessenlandBullen“, habe ihr Spielkapital sogar um 12,5 Prozent auf 56.268,90 Euro gesteigert. Die „Operation Bounty“ als schwächste Gruppe legte mit einem Verlust von 6,8 Prozent mit dem DAX-Verlauf fast eine Punktlandung hin.

Anerkennung durch die Ministerin

Ministerin
Quelle: Bund
Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul

Zum Erfolg gratulierte Heidemarie Wieczorek-Zeul, die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, am 7. Oktober 2008. In ihrem Grußwort schrieb sie, dass die internationale Finanzkrise auf Intransparenz und fehlende Kontrollmechanismen beruhe, vor allem aber auch auf einer ungezügelten Profitgier. „Umso wichtiger ist daher das Zeichen, dass Sie mit dem Spiel „Gut und Börse“ gesetzt haben! Denn eines haben die bisherigen Ergebnisse deutlich gezeigt: Nachhaltiges und ethisches Wirtschaften ist auch betriebswirschaftlich rentabel,“ so die Anerkennung durch die Ministerin.

Faire Aktien: Kein Raubbau an der Natur, gerechte Löhne und Verbot von Kinderarbeit

Alle Spielgruppen hatten nur Aktien von Unternehmen gewählt, die soziale und ökologische Kriterien beachteten. So kamen für eine Gruppe nur Unternehmen mit einem geringen Energieverbrauch in Frage, da so der Klimawandel nicht unnötig beschleunigt würde. Außerdem haben die Spieler sich für Firmen entschieden, die ihren Mitarbeitenden faire Löhne zahlen und keine Profite durch Kinderarbeit erzielen.  
Ein „Siegertreppchen“ halte das Ethik-Börsenspiel nicht parat, so Müller. „Die Spielgruppen haben sich selbständig unterschiedlich strenge Maßstäbe auferlegt und sich somit unterschiedliche Ausgangspositionen geschaffen.“

Pro und contra Nachhaltigkeit am Beispiel „Frosta“

Die Entscheidung, ob ein Unternehmen nachhaltig wirtschaftet oder nicht, fiel nicht leicht. Dies wurde in der Abschlussdiskussion am Beispiel des Tiefkühl-Lebensmittelkonzerns Frosta deutlich: Dieser Konzern verbietet die Verarbeitung gentechnisch veränderter Pflanzen. Er verarbeitet ausschließlich Fisch aus bestandserhaltender Fischerei. Die Zulieferbetriebe weltweit müssen Standards in der Bezahlung der Arbeitnehmer sowie menschenwürdige Arbeitsbedingungen garantieren. Kurz: Frosta erfüllt alle Bedingungen für ökologische und soziale Nachhaltigkeit. Dabei aber setzt das Unternehmen auf einen Produktbereich, der in hohem Maße zum Energieverbrauch beiträgt: Alle Waren müssen bis zum Endverbrauch durchgehend tiefgekühlt werden. Dieser hohe Energieverbrauch führte einige Börsenspielgruppen zu der Einschätzung, dass Frosta keinesfalls als „nachhaltig“ eingestuft werden kann.

Wirtschaft ist kein ethikfreier Raum

Börsenspiel:

Ansprechpartner:
Fachstelle Bildung Dekanat Alsfeld
Haus der Kirche

Altenburger Straße 40
36304 Alsfeld
Telefon: 06331 - 9114918
Telefax: 06631 - 9114920
ralf.mueller.dek.alsfeld@ekhn-net.de

Evangelische und katholische Erwachsenenbildung im Vogelsberg

RB-Soft GbR: Börsenspiel

Südwind-Institut

„Wirtschaft ist kein ethikfreier Raum“. Dies war die Grundidee, mit der das Evangelische Dekanat Alsfeld das bundesweit einmalige Börsenspiel entwickelte und durchführte. „Dies gilt umso mehr in einer Zeit, in der auch immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten durch den Kauf fair gehandelter Produkte sowie Anlegerinnen und Anleger durch gesellschaftlich verantwortungsvolle Geldanlagen den Wert nachhaltigen Unternehmenshandels honorieren“, bestätigt Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul die Projektidee der kirchlichen Erwachsenenbildung im Vogelsberg.

Ermutigung, an anderen Orten dieses Projekt zu starten

Angesichts des Erfolges ermutigt Ralf Müller andere Interessierte, das Börsenspiel ebenfalls zu starten. Die Spiele-Software hatte er bei der RB-Soft GbR organisiert, fachliche Unterstützung bot ihm das Südwind-Institut. Außerdem steht er selbst gerne als Ansprechpartner zur Verfügung.

Ralf Müller / Rita Deschner