Bericht
Jugendlicher Flüchtling aus Oberursel in die Türkei abgeschoben
Der Traum ist aus vom Leben in Deutschland
Der Traum, als Fußballspieler in Deutschland zu leben, endete für Tarkan abrupt: Am Morgen des 26. November 2008 weckten fünf uniformierten Polizeibeamte ihn und seine Mutter in der Flüchtlingsunterkunft in Oberursel. Eine knappe Stunde hatten die beiden Zeit, unter Bewachung etwas Hab und Gut einzupacken. Als der 15-jährige Junge auf dem Weg zu den Polizeifahrzeugen dann schreiend und weinend versuchte, davon zu laufen, wurde er von Beamten zu Fuß und mit einem Streifenwagen verfolgt. Sie fassten ihn und legten ihm Handschellen an. Unter den Blicken der anderen Kinder wurde er dann mit seiner Mutter im Polizeiauto weggefahren.
Bilder über Lebensträume gemalt
Der aus der Türkei stammende Junge gehört zu den Jugendlichen, die Bilder für die Ausstellung „Mein Leben in Deutschland“ gemalt und fotografiert haben. Tarkans Bild, auf dem er von einem Leben als Fußballspieler träumt, hängt noch in der Volkshochschule in Bad Homburg. Mit der Ausstellung sollte auf die menschenunwürdigen Lebensbedingungen von Flüchtlingen in den so genannten Gemeinschaftsunterkünften in Bad Homburg und Oberursel hingewiesen werden.
Guter und motivierter Schüler
Dass er selbst plötzlich weg ist, hat bei seinen Freunden im Lager Oberursel Bestürzung, Wut und Trauer ausgelöst. „Dieser Junge hat Deutschland als seine Heimat betrachtet “, weiß einer der Betreuer. „Er war ein motivierter, guter Schüler und sah hier seine Zukunft.“ Acht Jahre lang hat Tarkan bereits in Deutschland gelebt.
Er uns seine Mutter wurden nach Sofia abgeschoben, weil sie in Bulgarien vor ihrer Einreise nach Deutschland einen Asylantrag gestellt hatten.
Über Tarkans Situation hat der Arbeitskreis ‚Flüchtlinge im Hochtaunus‘ informiert, der 1986 gegründet wurde. Er ist ein Netzwerk aller Vereine und Institutionen, die sich für die Interessen von Flüchtlingen im Hochtaunuskreis einsetzen. Ihm gehören Vertreter aller lokalen Flüchtlingskreise, der Kirchen und kirchlichen Wohlfahrtsverbände, des Internationalen Bundes und Amnesty International an.
Jens-Markus Meier / RD
zurück | letzte Aktualisierung: 02.12.2008 | copyright by EKHN