Bericht

9. Dezember 2008

"Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit"

Kirchliches Engagement für Menschenrechte in Deutschland und der Welt  


Auf den Philippinen wurde der Pfarrer Berlin Guerrero im Mai 2007 gefoltert und ohne Anklage verhaftet. In Deutschland gibt es Kinder, deren Familien sich kein Mittagessen leisten können. 60 Jahre nach der Unterzeichnung der Menschenrechte durch die UN zeigt sich, dass die Menschenrechte noch in zahlreichen Ländern der Erde in unterschiedlichen Bereichen verwirklicht werden müssen.

Engagement auf den Philippinen, in Indien, Tansania und anderen Orten

Und so heißt es in dem Positionspapier "Menschenrechtsansatz und christliche Entwicklungsarbeit“ von Brot für die Welt, das im Dezember 2008 veröffentlich wurde:  „Menschenrechte können nur in dem Maße verwirklicht werden, als es Personen oder Organisationen gibt, die diese Rechte einfordern und erkämpfen.“
Und diese Personen und Organisationen gibt es. So hat die Vereinte Evangelische Mission (VEM), in der auch die EKHN Mitglied ist, eine Aktion gestartet, um Pfarrer Guerrero frei zu bekommen. Nach seiner Verhaftung konnte er aufgrund vieler Briefe, die auch die VEM an die Mitglieder des obersten Gerichtshofes auf den Philippinen gerichtet hat, aus dem Gefängnis entlassen werden. Auch in der Partnerkirche der EKHN ist die VEM aktiv. In der Nordwest-Diözese in Tansania unterstützt sie ein Projekt, um Frauen und Kinder vor häuslicher Gewalt zu schützen. In vielen Dörfern gibt es mittlerweile kleine Komitees für Gerechtigkeit und Frieden, die sich  für die Opfer einsetzen und die Lösung von Konflikten unterstützen.
In Indien hat die evangelische Diözese Amritsar Menschenrechts-Komitees gegründet.

Evangelische Menschenrechtsaktionen 2008

In diesem Jahr haben die VEM und „Brot für die Welt“ Aktionen zum Thema Menschenrechte gestartet: Die VEM erinnert an die Folgen des Klimawandels und die dadurch gefährdeten Menschenrechte, insbesondere in den Ländern des Südens. „Brot für die Welt“ weist in einem Positionspapier darauf hin, dass Menschenrechte ein mächtiges Instrument seien, um den Armen zu Gerechtigkeit zu verhelfen.  Umgekehrt bedeutet dies: "Armut wird festgeschrieben, wenn Menschen systematisch diskriminiert und marginalisiert werden", so Michael Windfuhr, Leiter des Teams Menschenrechte bei "Brot für die Welt". So werde beispielsweise nicht genug Nahrung produziert, wenn Frauen keinen Zugang zu Agrarberatung haben.
Die Verteidigung der bürgerlichen und politischen Menschenrechte sei deshalb Voraussetzung dafür, dass es zu wichtigen Veränderungsprozessen unter Beteiligung der Betroffenen in Entwicklungsländern kommen kann“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung mit dem eed (Evangelischer Entwicklungsdienst).

Kirche macht auf Menschenrechtsverletzungen in Deutschland aufmerksam

Christliche Grundlage:
Aus christlicher Perspektive ist das Recht ein ebenso überlebensnotwendiges Lebensmittel wie Wasser. So heißt es in Amos 5,24: „Es ströme aber das Recht wie Wasser“.
Dies bedeutet: Wo Menschen Opfer von Menschenrechtsverletzungen werden, sind Christinnen und Christen aufgerufen, den Opfern zur Seite zu stehen und für ihre Rechte einzutreten. Dies unterstreicht auch die Geschichte vom "Barmherzigen Samariter".

„Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit. Jeder hat das Recht auf Arbeit.“ So lauten  zwei Sätze aus der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ der UN. Da wird deutlich: Auch in Deutschland ist es erforderlich, aktiv zu werden. In der EKHN nehmen zahlreiche Initiativen die wachsende Armut zum Anlass, sich in Worten und Taten für eine gerechte Gesellschaft zu engagieren. In der Publikation „Die Zukunft des Sozialstaates und unsere Verantwortung - Sozialwort der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau: Anregungen, Beispiele, Konkretionen“ werden einige beschrieben. So engagiert sich die Kirche bei Tafeln, Kleiderläden für Hilfsbedürftige, Lehrstellen- und Arbeitslosen-Initiativen, in einem Netz gegen Kinderarmut, in der Stadtteilarbeit und vielem mehr.
Jochen Motte, Mitglied des Vorstands der VEM, weist auf eine weitere Menschenrechtsverletzung in Deutschland hin. So fordert er einen menschlichern Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland. Die Gesetzgebung habe mittlerweile dazu geführt, dass kaum ein Flüchtling die Möglichkeit habe, in Deutschland Asyl zu beantragen, bzw. überhaupt nach Deutschland zu kommen. Deshalb hat im November 2008 die Synode der EKHN einstimmig eine Resolution zur Aufnahme irakischer Flüchtlinge beschlossen. In dem Beschluss heißt es, dass Christen und andere Minderheiten wie Yeziden aus dem Irak, sowie alleinerziehende Frauen und ihre Kinder, kranke und alte Menschen eine dauerhafte Bleibeperspektive erhalten sollen.

Dabei bleibt es nicht nur bei konkreten Hilfsprojekten, sondern Protestanten engagieren sich auch auf politischer Ebene. So wies Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, Vorsitzender des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau, als Sprecher der Nationalen Armutskonferenz (NAK) im Mai 2008 öffentlich auf die Situation der Kinderarmut in Deutschland hin. Dabei sprach er auch über Lösungsvorschläge: Der Kinderbetreuung und der Ganztagsschule muss unser besonderes Augenmerk gelten. Die Lernmittelfreiheit muss Standard werden – ebenso wie der kostenlose Mittagstisch in der Schule.“ Zum Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung haben die beiden evangelischen Kirchen in Hessen öffentlich Stellung bezogen. Weitere Beispiele für das Engagment der Kirche finden Sie auf der Internetseite der EKHN.

Rita Deschner / PWS