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Glaube als Fundament dient dem Leben
Gottesdienst vor der Konstitution des Hessischen Landtags in Wiesbadener Marktkirche
Wiesbaden, 5.2. 2009. Vor der Eröffnungssitzung des Hessischen Landtags haben am heutigen Morgen der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Dr. Volker Jung (Darmstadt) und der katholische Bischof des Bistums Limburg, Professor Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst, in der Wiesbadener Marktkirche die hessischen Politiker dazu aufgerufen, als Regierung und Opposition nach vorne zu blicken und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Der Limburger Bischof sagte: „Die Herausforderungen in der Welt der Wirtschaft machen uns bewusst, welchen tiefen Grund unsere Gesetze brauchen, damit Gerechtigkeit und Solidarität erfahrbar werden.“ Politik sei die Architektur der Gesellschaft und der Staat lebe von Voraussetzungen, die er sich nicht selbst schaffen könne. Wo nicht der Glaube an Gott das Fundament für den Blick auf den Menschen und das Miteinander in unserer Gesellschaft sei, stelle sich „seelisches Unbehaustsein“ und Heimatlosigkeit ein. „Die Sorge für den Menschen braucht die freie Sicht auf Gott“, mahnte der Bischof.
Kirchenpräsident Jung, der erstmals in seinem im Januar übernommenen Amt in der Marktkirche predigte, sprach in der ökumenischen Feier unter dem Leitwort „Dem Leben dienen“ vom lebenslangen Lernen, dem heute die Menschen und die Politiker unterworfen seien. Stetes Lernen führe zu einer Grundhaltung, die offen bleibe für den Dialog über die eigene Partei oder Koalition hinaus. Als Vertreter der EKHN, die in vielen Bereichen der Gesellschaft engagiert sei, biete er Dialogbereitschaft und konstruktiv-kritische Begleitung an. Die Bibel nenne das stets neue Lernen „Unterweisung“ und meine damit eine Offenheit für das Gespräch und für Gottes Wort. „Wir brauchen Vergewisserung über die Grenzen und Ziele der Menschheit, beim Umgang mit Schuld und Versagen. Wir brauchen Grundlagen für den Umgang miteinander und Kriterien für das eigene Gewissen“, beschrieb Jung die aktuelle Aufgabe von Politik und Gesellschaft.
Zu dem traditionellen Gottesdienst vor der konstituierenden Sitzung des Landtags waren zahlreiche Politiker und Politikerinnen aller Parteien erschienen. Ministerpräsident Roland Koch nahm gemeinsam mit seiner Frau Anke und den designierten Kabinettsmitgliedern in den ersten Reihen Platz, wo auch Landtagspräsident Norbert Kartmann saß. Dort platzierte sich zudem Jörg-Uwe Hahn (FDP) sowie wie Kultusministerin Dorothea Henzler und Wirtschaftsminister Dieter Posch. Die bisherige Sozialministerin Silke Lautenschläger, jetzt verantwortlich für Umwelt, Energie und Landwirtschaft, sowie andere Minister
waren ebenso zugegen. Die Oppositionsführer Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) und Tarek-Al Wazir (Die Grünen) konnten nach der Feier wie die etwa 300 weiteren Gäste dem evangelischen Kirchenpräsident und dem katholischen Bischof die Hand schütteln.
Der Gottesdienst hatte mit einem Tagesgebet des Marktkirchenpfarrers Dr. Michael Schulz begonnen, in dem er um Innehalten und den Segen Gottes für das Land Hessen bat. Der Wiesbadener Knabenchor unter Leitung von Roman Twardy begleitete die Feier im „Nassauschen Landesdom“ unter anderem mit dem vertonten Psalm „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ von Felix-Mendelsohn-Bartholdy.
Vom Portal der Marktkirche hatten es die Politiker nicht weit in den direkt gegenüberliegenden Hessischen Landtag zu gelangen, wo der Ministerpräsident gewählt und die neue Regierung vereidigt wurde. Auch dahin geleiteten Kirchenpräsident Jung und Bischof Tebartz-van Elst gemeinsam mit dem Präses der Kirchensynode der EKHN, Dr. Karl Heinrich Schäfer, die Politiker.
Zur Information: Die katholische wie die evangelische Kirche werden am Sitz der Hessischen Landesregierung durch Beauftragte vertreten: Das Kommissariat der Katholischen Bischöfe im Lande Hessen leitet Dr. Guido Amend. Der Beauftragte der Evangelischen Kirchen in Hessen ist Kirchenrat Jörn Dulige.
Im Bundesland Hessen liegen das Kirchengebiet des Bistums Limburg einschließlich der Stadt Frankfurt am Main, Teile des Bistums Mainz, große Teile der EKHN, die sich aber auch nach Rheinland-Pfalz erstreckt, das Kirchengebiet
der Evangelischen Kirche in Kurhessen und Waldeck (EKKW), sowie ein kleiner Teil der Rheinischen Kirche (Wetzlar/Braunfels) mit insgesamt etwa 3,8 Millionen
Gläubigen. An der Bevölkerung in Hessen von 6 Millionen Einwohnern stellen die drei christlichen Kirchen einen Anteil von 65 Prozent.
[Roger Töpelmann]
zurück | letzte Aktualisierung: 05.02.2009 | copyright by EKHN




