Bericht

25. Februar 2010

Tipps zur Geldanlage nach ethischen Kriterien

Stabilität ethischer Investments während der Finanzkrise / Info-Veranstaltung am 2. März

 

Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung
Ökonomie/Sozial-/Familienpolitik

Albert-Schweitzer-Straße 113-115
55128 Mainz
Telefon: 06131 - 2874444
Telefax: 06131 - 2874411

Downlaod:
Informationen zum Ethischen Investment - Grundsätze der Anlagepolitik für das landeskirchliche Finanzvermögen und das kirchengemeindliche Treuhandvermögen der EKHN (PDF)

Veranstaltung:
02.03.2010, Mainz
Geld stinkt nicht! Wie ethische Kriterien in die Praxis von Geldanlagen einfließen können

mehr zur Finanzkrise

Die letzte Finanzkrise hat gezeigt: Es braucht einen neuen Umgang mit Geld. Doch wie soll Erspartes angelegt werden, um eine möglichst sichere und angemessene Rendite zu erwirtschaften? Und wie lassen sich dabei ethische Kriterien berücksichtigen? Dr. Brigitte Bertelmann, Wirtschafts-Referentin in der EKHN, hat festgestellt: „Langfristig sind ethische Anlagen durchaus erfolgreich. Es hat sich gerade in der letzten Finanzkrise gezeigt, dass ethische Anlagen von Einbußen deutlich weniger betroffen waren. Hier waren auch keine Totalverluste zu verzeichnen.“ Für interessierte Anleger stellt sie im Internet ethisch vertretbare Anlagegrundsätze, wie sie in der EKHN umgesetzt werden, zur Verfügung. Außerdem weist sie auf die Veranstaltung „Geld stinkt nicht“ am 2. März im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung in Mainz hin, in der Fachleute über das Thema informieren und für Fragen offen sind.

Ethisch ausgerichtete Anlagen erwiesen sich als robust während der Finanzkrise

Die studierte Volkswirtin nennt beispielhaft zwei Geldinstitute, die auf ethische Kriterien setzen: „Banken wie die `GLS Gemeinschaftsbank e.G. für Leihen und Schenken´ in Bochum haben sich ganz auf  sozial-ökologisch nachhaltige Anlagen konzentriert.  Sie konnte ihre Bilanzsumme im vergangenen Jahr um 33 Prozent steigern.“ Auch die Ethikbank in Eisenberg habe eine der besten Phasen ihrer Geschichte erlebt. Sie wurde aufgrund der Erfahrungen in der letzen Finanzkrise für viele Menschen zur überzeugenden Alternative.
„Allerdings müssen sich Anleger hier mit Renditen begnügen, die meistens nur einen knappen Inflationsausgleich bieten“, erklärt Brigitte Bertelmann. Hier stünden soziale oder ökologische Ziele im Vordergrund und die ethische Sinnhaftigkeit der Geldanlage.
Sie fasst zusammen: „Ethische Anlagen sind in der Regel langfristig ausgerichtete Investitionen mit sehr begrenztem, überschaubarem Risiko. Kurzfristig ist es jedoch möglich, mit anderen, riskanteren Anlagen höhere, zum Teil sehr hohe Renditen zu erzielen.“

Brigitte Bertelmann hat beobachtet, dass inzwischen auch viele andere Geschäftsbanken auf die Wünsche ihrer Kundinnen und Kunden reagierten. Jetzt bieten auch viele andere Geldinstitute Anlageformen an, die soziale und ökologische Kriterien stark gewichten und bestimmte Anlagen ausschließen. 

Ethische Kriterien – welche gibt es?

Die Kriterien, an denen sich ethisch vertretbare Geldanlagen orientieren, sind sehr unterschiedlich – jeder kann seine persönlichen Schwerpunkte setzten. Brigitte Bertelmann schlägt zur Orientierung vor, folgende Kriterien zu bedenken:

  1. ökologische Kriterien
  2. soziale Kriterien (keine Kinderarbeit, Einhaltung von Arbeitsschutzbestimmungen, Schutz der Menschenrechte, Unterstützung von Entwicklungsarbeit)
  3. Ausschluss bestimmter Branchen (Atomenergie, Rüstungsgüter, Alkoholverarbeitung und- / oder -vertrieb, Gentechnik etc.)

Sie erklärt, dass eine eindeutige Abgrenzung oft nicht ganz leicht sei. Möchte ein Anleger beispielsweise den Bereich der Alkoholverarbeitung aus seinem Portfolio ausschließen, muss er sich weiteren Fragen stellen: Will man nur hochprozentige alkoholische Getränke nicht mit aufnehmen oder auch Wein? Geht es nur um die Herstellung oder auch um den Handel? Das würde zum Beispiel auch Einzelhandelskonzerne ausschließen. Und bei Gentechnik stellen sich Fragen wie: Geht es um die Forschung, geht es um den massenhaften Vertrieb gentechnisch veränderten Saatgutes? Geht es auch um ausgegliederte Tochterunternehmen, Beteiligungen, Zulieferer?

Rat vom Fachmann einholen

Die Ökonomie-Expertin weist darauf hin, dass Anlageentscheidungen sehr komplex seien. Es spielten zudem weitere Fragen eine Rolle: Wie gewichte ich den Wunsch, eine möglichst breite Palette von Anlageprodukten einzubeziehen, um eine möglichst gute Risikostreuung zu erreichen? Welche Renditeziele verbinde ich mit meiner Anlage? Wie liquide will ich mit (Teilen meiner) Anlage sein?
Deshalb rät Brigitte Bertelmann: „Wenn man nicht viel Lust und Zeit hat und auch keine umfassenden Vorkenntnisse mitbringt, macht es Sinn, sich von möglichst unabhängigen,  kompetenten Fachleuten beraten zu lassen.“ Vorher sollte man allerdings selbst überlegen, worauf es einem bei einer Anlage besonders ankomme. „Ein guter Anlageberater wird dies auch immer zuerst erfragen und in seine Vorschläge einbeziehen.“

Informationsveranstaltung

Auch die Veranstaltung am 2. März im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung in Mainz bietet die Möglichkeit, sich über Anlagekriterien und Informationsmöglichkeiten zu erkundigen. Die Anmeldung (am besten per oder telefonisch unter 06131 287 44 -0/ -44) ist noch bis zum Montag möglich.

 

[Rita Deschner/Brigitte Bertelmann]