Bericht
Entscheidungen zum Arbeitsmarkt an der Frage orientieren "Was ist dem Leben förderlich?"
Kirche beteiligt sich an der Themenwoche zum 1. Mai
„Menschen sollen mit ihrem Lohn alles Notwendige bezahlen können! Die Wirtschaft darf nicht zulassen, dass die öffentliche Hand Arbeitnehmer bezuschussen muss, die Vollzeit arbeiten.“ Dies ist eine der Forderungen, die Pfarrer Peter Janowski an die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft richtet. Janowski ist in den Dekanaten Herborn und Dillenburg für wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen zuständig. Aufgrund der Brisanz des Themas haben sich die beiden Dekanate an der Themenwoche zum Tag der Arbeit beteiligt. So werden neben Peter Janowski auch die Herborner Dekanin Annegret Puttkammer sowie weitere Vertreter der evangelischen Kirche an der Kundgebung auf dem Herborner Marktplatz am 1. Mai anwesend sein. Auch der Propst für Nord-Nassau, Michael Karg, hat in den vergangenen Jahren regelmäßig die Kundgebung besucht.
Das Lebensförderliche für alle Menschen suchen
Die Themenwoche startete am 25. April in Eschenburg-Hirzenhain mit einem Gottesdienst, in dem Propst Michael Karg eine Predigt unter dem Motto „Menschen gehen vor“ hielt. Darin erläuterte er, welche Bedeutung die grundsätzliche Arbeitsfreiheit am Sonntag habe. „Das ist eine große Freisprechung: Die Freisprechung vom Diktat der Arbeit, vom Diktat der Ökonomie, vom Diktat wirtschaftlicher Interessen.“ Der Sonntag sei ein Bereich, in dem all das wachsen und sich regenerieren könne, was im Laufe der Woche verkümmert sei. Die biblische Botschaft geht aber noch einen Schritt weiter. Propst Karg hob hervor: „Es geht um das, was dem Leben dient, ihm förderlich ist.“ Somit solle auch an den Werktagen nichts verkümmern. Es gelte, das Lebensförderliche für alle Menschen zu suchen und umzusetzen: „Für Menschen, die alles Mögliche schlucken, nur um ihren Job zu behalten. Für solche, die nicht wagen zu widersprechen und daran innerlich beinahe zu Grunde gehen.“
Forderungen eines gesellschaftlich engagierten Pfarrers
Peter Janowski formuliert diese Haltung konkret: „Wer Verantwortung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft trägt, sollte sich vor jeder Entscheidung fragen: Ist sie dem Leben dienlich? Nützt sie dem Menschen?“ Vor diesem Hintergrund erläutert er seine Vorstellungen, wie sich die Lage von Arbeitnehmern und Arbeitssuchenden in Deutschland verbessern ließe. Neben seinem Plädoyer für den Mindestlohn setzt er sich deshalb für die Umsetzung weiterer Forderungen ein:
So solle die öffentliche Hand ärmere Menschen besser unterstützen. Er nennt Beispiele: „In schwierigen Einzelfällen könnten die Beiträge für einen Kita-Platz erlassen werden. Die Fahrtkosten für über 16-Jährige aus Familien mit wenig Geld sollen weiter bezuschusst werden, sonst haben sie eine noch geringere Chance, eine weiterführende Schule zu besuchen.“
Um die Situation Arbeitssuchender zu verbessern, schlägt er vor, verstärkt Qualifizierungsmaßnahmen anzubieten. Für Menschen, die aus gesundheitlichen oder familiären Gründen keine Stelle auf dem freien Arbeitsmarkt finden können, sollten Arbeitsplätze aus öffentlichen Mitteln geschaffen werden.
Signale aus Kirche und Politik
Der Pfarrer macht allerdings auch Signale aus, die in die richtige Richtung führen. So sei es ein gutes Zeichen der Bundesregierung gewesen, das Kurzarbeitergeld bis zum März 2010 zu verlängern.
Es bleibt nicht bei Forderungen von Vertretern der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau an die Politik. Die Kirche geht weitere Schritte: Konkrete Hilfe leistet die EKHN mit dem Arbeitslosenfonds, der Jugendwerkstatt Gießen oder der Initiative „Neue Arbeit“, um Menschen Perspektiven zu bieten. Die Liste sämtlicher Arbeitslosen-Initiativen finden Sie hier.
[Rita Deschner / IH / P MK]
zurück | letzte Aktualisierung: 28.04.2010 | copyright by EKHN