Bericht

15. Dezember 2010

Integrationsdebatte: Stärkeres Engagement von Politikern für Migrantinnen in Frauenhäusern gefordert

Engagement von evangelische Kirchengemeinden und Einrichtungen für Integration, Jugendförderung, Ökumene und Diskussion um den Flughafenausbau auf der Jahrespressekonferenz der Propstei Süd-Nassau veranschaulicht

 

Die Integration von Migranten müsse bereits in den evangelischen Kindertagesstätten beginnen und dafür sollten die Erzieherinnen entsprechend qualifiziert sein, sagte der Propst für Süd-Nassau, Dr. Sigurd Rink in Wiesbaden am 13. Dezember 2010 anlässlich der Jahres-Pressekonferenz seiner Propstei. Er betonte: „Wenn ich mir etwas wünschen könnte aus dem Bereich der Politik, dann wäre es die Unterstützung der integrativen Maßnahmen.“

Aktivitäten zur gesellschaftlichen Integration

Zur Erläuterung der Integrationsförderung hatte der Leiter des regionalen Diakonischen Werkes Wiesbaden, Gustav Förster, darauf verwiesen, dass zahlreiche Kirchengemeinden an der Integration beteiligt seien. So die Gemeinde im Wiesbadener Schelmengraben oder die Erlösergemeinde Sauerland, die ein Kinder- und Beratungszentrum (KBS) betreibe. Etwa 85 Prozent der dortigen Klientel wiesen einen Migrationshintergrund auf. Das Diakonische Werk in Wiesbaden hilft mit speziellen Angeboten für bestimmte Zielgruppen, so z. B. in der Wiesbadener Teestube oder im „Haus für Frauen in Not“. Im Rahmen der Allgemeinen Lebensberatung bietet das Werk aber auch Sprechstunden an, die von allen Bevölkerungsgruppen offen stehen.

Frauenhaus legt Grundstein für Einbindung in die Gesellschaft

Gegenüber der Online-Redaktion der EKHN veranschaulicht Gustav Förster die Integrationsleistungen des Frauenhauses: „Viele muslimische Frauen suchen das Frauenhaus auf, um der Gewalt ihres Ehemannes zu entfliehen. Einem Teil dieser Frauen gelingt es ein Leben führen, bei dem sie gesellschaftlich eingebunden sind.“ Die Basis für diese Entwicklung werde im Frauenhaus gelegt: Die Frauen erhalten intensive Beratung, bei der sie erfahren, wo sie einen Sprachkurs besuchen, einen Schulabschluss nachholen und eine Ausbildung beginnen können. Der Leiter des Diakonischen Werkes sieht gute Chancen für diese Frauen, beruflich Fuß zu fassen: „Vor allem im Pflege- und Erziehungsbereich werden Arbeitskräfte gesucht. Ein Einstieg für die Frauen in dieses Berufsfeld könnte beispielsweise durch eine Pflegehelferinnen-Ausbildung glücken, auf die später aufgebaut werden kann. Damit sich dieses Konzept zum Erfolgsmodell entwickle, sei allerdings verstärkt eine Koordination mit den Ausbildungseinrichtungen und politischen Gremien nötig.

Förderung an Politiker: Arbeitserlaubnis für Frauen aus Osteuropa

Schwieriger stelle sich die Integration von Frauen dar, die aus osteuropäischen EU-Ländern stammen. Wenn sie sich im Frauenhaus entscheiden, nicht mehr zu ihrem Ehemann zurückzukehren, fehlt ihnen die Existenzgrundlage für ein unabhängiges Leben. Förster erklärt: „Bulgarinnen, Polinnen oder Rumäninnen können sich in Deutschland zwar unbegrenzt aufhalten, da ihre Herkunftsländer zur EU gehören, aber sie haben keine Freizügigkeit bei der Arbeitserlaubnis und ohne ein Arbeitsverhältnis können sie auch keine SGB-II-Leistungen (Harz IV) beziehen.“ Dies führe dazu, dass das Frauenhaus die Plätze für diese Frauen nicht mit der Stadt abrechnen kann. Zudem sei es schwierig, solche Frauen zu entlassen, denn sie würden vor dem Nichts stehen. „Im Winter können wir auf keinen Fall eine Frau vor die Tür setzen“, schildert Förster. Um die Lage für die Frauen zu verbessern, fordert er: „Die verantwortlichen Politiker sollten sich für eine Arbeitserlaubnis für diese Frauen einsetzen!“

Jugendförderung, Flughafenausbau, Visitation und Ökumene als weitere Themen

Während der Pressekonferenz am gestrigen Mittwoch äußerte sich Propst Rink außerdem zu weiteren Themen. Neben dem Flughafenausbau, der kirchlichen Visitation und der Situation der Ökumene, äußerte er sich auch im Zusammenhang mit der Mitgliederentwicklung zum Bereich Kinder und Jugend. Laut Rink engagieren sich viele Kirchengemeinden in Süd-Nassau in der Jugendförderung. „Wir investieren stark in die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“, sagte Rink und nannte als Beispiele das Schulkinderhaus in Hofheim, das vom Bund geförderte Mehrgenerationenhaus in Eschborn sowie eine evangelische Singschule für Kinder in Königstein.

[Rita Deschner / GF]