Info

1. Februar 2012

WESER5 Tagestreff Weißfrauen: Obdachlose vor dem Erfrieren bewahren

Anzahl der Hilfesuchenden ist gestiegen / Menschen aus der Mitte der Gesellschaft sind von Wohnungslosigkeit betroffen  


„Ich bitte die Bevölkerung in diesen kalten Wochen besonders aufmerksam zu sein, wenn sie einen Menschen sehen, der Hilfe braucht. Einfach die Telefonnummer 110 wählen und um Unterstützung bitten“, so das Anliegen von Renate Lutz, der Leiterin des WESER5 Diakoniezentrums. Sie erklärt, dass manche der obdachlosen Menschen in Frankfurt am Main auch bei frostigen Temperaturen unterwegs seien. Die Straßensozialarbeiter von WESER 5 suchen sie dann auf und versuchen sie davon zu überzeugen, eine Übernachtungsstätte aufzusuchen. Bewirkt auch das beste Argument nichts, verteilen sie Schlafsäcke.

Schicksale, die jeden treffen können

Doch viele der Menschen ohne Obdach finden den Weg ins Warme. Im Tagestreff von WESER5 erhalten sie ein Frühstück, können sich duschen und erholen. „Ich stelle fest, dass die Anzahl der wohnungslosen Besucher in den letzten zwei Jahren von durchschnittlich 90 auf 150 Besucher gestiegen ist,“ stellt Leiterin Lutz fest. Und noch eine Veränderung bemerkt sie in ihrer Einrichtung: „Mittlerweile trifft es Menschen aus der Mitte der Gesellschaft.“ So berichtet sie von einem promovierten Naturwissenschaftler mit drei Kindern, der wegen hoher Anforderungen am Arbeitsplatz zu trinken begann. Aufgrund der Probleme, die die Sucht verursachte, zog seine Frau mit den Kindern aus – worauf hin die Abwärtsspirale sich noch schneller drehte. Er ließ sich nur noch unregelmäßig am Arbeitsplatz blicken, verlor den Job und landete schließlich auf der Straße.
Viele Obdachlose hätten jedoch meist einen schweren Start ins Leben gehabt. Manche seien ehemalige Heimkinder oder kämen aus zerrütteten Familien, zudem fehlten oft der Schul- und/oder Berufsabschluss.

 

 

Rita Deschner / RL