Mobbing
Hilfe bei Mobbing in der Schule - mit Tipps der hessischen Kultusministerin
Hilfe
Mobbing-Hotline für Betroffenen in Frankfurt und Rhein-Main
Das Gespräch suchen!
Für Betroffene ist es fast unmöglich, den Teufelskreis Mobbing aus eigener Kraft zu durchbrechen. Weder der Versuch einer sachlichen Aussprache noch „Friedensangebote" oder Verbalattacken bzw. Zurückmobben als Verteidigung sind in der Regel erfolgreich: Wissenschaftliche Untersuchungen bescheinigen diesen Strategien in über 80% der Fälle ein Scheitern.
Diese Erfolglosigkeit ist kaum verwunderlich, da es zum Wesen des Mobbings gehört, dem Opfer kaum eine Chance der Gegenwehr zu lassen. Schikanen werden einfach kleingeredet oder der überspannten Phantasie des Opfers zugeschrieben. Und oft werden die Attacken auch einfach geleugnet, denn wo augenscheinlich kein Opfer ist, da findet sich auch kein Täter...
Trotz dieser geringen Erfolgsaussichten sollten Betroffene nicht von der direkten Selbsthilfe absehen. Gerade im Anfangsstadium lässt sich der dem Mobbing zugrunde liegende unbewältigte Konflikte vielleicht doch noch durch ein klärendes Gespräch lösen und das Fortschreiten des Mobbings aufhalten. Ein Versuch ist es allemal wert, zumal es für das eigene Selbstbewusstsein immer besser ist, aktiv zu werden, als die Feindseligkeiten einfach nur passiv zu erleiden.
Öffentlichkeit schaffen!
Neben dem Versuch, die Situation durch eigenes Zutun zu deeskalieren und nicht durch Provokationen weiter anzufeuern, sollten Betroffene auch daran denken, den Mobbingprozess für andere offensichtlich zu machen. Schließlich ist es möglich, dass der eigene Fall eines Tages Gegenstand eines Arbeitsgerichtsprozesses wird. Für diesen Fall ist es sinnvoll, Zeugen für bestimmte Vorgänge zu haben oder auch eigene schriftliche Aufzeichnungen und Notizen vorlegen zu können. Vermutlich gibt es Kolleginnen und Kollegen im der Abteilung, die sich nicht am Mobbing beteiligt haben. Oft hilft es schon, sich diesen mitzuteilen, ihnen die Situation zu erklären und sie vielleicht als „Verbündete" zu gewinnen. Das hebelt zwar den Mobbingprozess nicht aus, führt aber erst einmal aus der zermürbenden Isolation heraus. Und außerdem schwächt es die mobbende Person, denn die ist immer nur so stark, wie es das Umfeld zulässt.
Entspannung suchen!
Neben Deeskalation, Beweissicherung und der Suche nach Verbündeten sollten Betroffene versuchen, sich selbst zu „entstressen". Schließlich ist eine Mobbingsituation eine erhebliche Belastung für Körper und Seele, der es entgegenzutreten gilt. Deshalb sollten Betroffene alle Möglichkeiten der Entspannung und Ablenkung nutzen, damit das Mobbing nicht zum beherrschenden Thema in ihrem Leben wird. Denn wenn erst einmal alle Gedanken nur noch um das Mobbing kreisen, hat der Mobber sein Ziel schon fast erreicht: Das Opfer wird nervös, macht Fehler bei der Arbeit, wird vielleicht krank und ist deshalb häufiger abwesend - alles Dinge, die im Zweifel gegen den oder die Betroffene verwendet werden können.
Hilfe in Anspruch nehmen!
Dort, wo es sie gibt, sollten natürlich Betriebsärzte/innen ins Vertrauen gezogen werden. Darüber hinaus kommt der oder die Vorgesetzte als Ansprechpartner/in in Sachen Mobbing in Frage. Schließlich sollte es im Interesse der Abteilungsleitung liegen, dass produktiver Frieden statt destruktive Zwietracht herrscht. Handelt es sich beim Vorgesetzten und beim Mobber um ein und dieselbe Person - leider keine Ausnahme - ist es wahrscheinlich, dass sich die Geschäftsführung bzw. die Personalleitung für die Vorfälle interessiert. Denn Vorgesetzte sollen motivieren statt schikanieren, schlichten statt spalten, entscheiden statt entzweien. Mobbende Vorgesetzte sind insofern ungeeignet für die ihnen anvertrauten Aufgaben, was die Geschäftsführung wissen sollte. Den Weg zur Geschäftsleitung braucht im Regelfall niemand allein antreten, Unterstützung bietet der Betriebs- bzw. Personalrat, der selbstverständlich frühzeitig einbezogen und informiert werden sollte. Bevor die Vorgesetzten und der Betriebs- bzw. Personalrat eingeschaltet werden, sollte man sich allerdings darüber klar sein, dass dieser Schritt nicht rückgängig gemacht werden kann. Einmal vollzogen, ist die Sache öffentlich und muss mit allen Konsequenzen durchgestanden werden. Das kostet Kraft und muss nicht immer positiv ausgehen.
Außerbetriebliche Beratung und Hilfe nutzen!
Neben den innerbetrieblichen Möglichkeiten sollten natürlich auch die außerbetrieblichen Angebote genutzt werden. Neben der Familie oder dem Partner kommen hier eine ganze Reihe von Anlaufstellen in Betracht: z.B. ÄrztInnen, RechsanwältInnen, Psychologen, staatliche, private und kirchliche Beratungsstellen, die Krankenkassen, Selbsthilfegruppen, Gewerkschaften etc. Die Hilfen können je nach Ansprechpartner von der wichtigen seelischen Unterstützung über eine fundierte Rechtsberatung bis hin zur Vermittlung persönlicher Bewältigungsstrategien reichen. Umfragen unter Betroffenen zeigen, dass diese Angebote konkret helfen, jedes zweite Opfer hat Rat und Tat der angesprochenen außerbetrieblichen Personen/Institutionen als positiv erlebt.
Direkte Gegenwehr der Betroffenen, Hilfestellung von Kollegen und Kolleginnen sowie Unterstützung vom sozialen Umfeld wie Familie, Freunde und Lebenspartner können die Situation entspannen, in einigen Fällen den Teufelskreislauf Mobbing sogar durchbrechen. Dennoch sollte nicht unerwähnt bleiben, dass in mehr als 50% aller Mobbing-Fälle erst die Kündigung bzw. die Auflösung des Arbeitsvertrages den Psychoterror am Arbeitsplatz beendet. Und auch eine andere Zahl stimmt nur wenig optimistisch: Nur knapp 20% der Mobber wurden dem Mobbing-Report zufolge ihrerseits mit arbeitsrechtlichen Sanktionen belegt - ihnen wurde gekündigt, bzw. sie wurden versetzt. Allein diese Zahlen verdeutlichen: Wenn sich Mobbing erst einmal ausgebreitet hat, ist es nur schwer zu bekämpfen. Ein Grund mehr, verstärkt Prävention zu betreiben, d.h. durch vorbeugende Maßnahmen ein Betriebs- und Arbeitsklima sowie ein Konfliktkultur zu schaffen, in dem Mobbing nicht gedeihen kann.
[Mit freundlicher Genehmigung vom Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt / KONTEXT Oster & Fiedler GbR]
zurück | letzte Aktualisierung: 25.02.2008 | copyright by EKHN